TSG Hoffenheim muss bei den Leipziger Bullen die erste Saisonniederlage hinnehmen

Die Verlierer übten Selbstkritik, doch keiner befürchtet einen Knacks

29.01.2017 UPDATE: 30.01.2017 06:00 Uhr 2 Minuten, 11 Sekunden

Die Wende in Leipzig: Timo Werner erzielt mit seinem elften Saisontreffer das 1:1 gegen Hoffenheim. Später ist der starke Torhüter Oliver Baumann auch gegen Sabitzer machtlos. Foto: im

Von Frank Enzenauer

Leipzig. Ein Bariton, die Kehle geschützt mit einem roten Bullenschal, war hörbar im Barfußgässchen in Karnevalsstimmung. "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei", trällerte der Kerl. Und als Gipfel der Improvisationskunst: "Und auch für Hoffenheim ist’s vorbei." Julian Nagelsmann befand sich da schon längst auf dem Weg zurück in den Kraichgau, hätte er aber das närrische Lied vernommen, wäre er an diesem Abend trotz prinzipiell entspannter Weltanschauung ("Wir alle sollten das Leben nicht so schwer nehmen") gewiss nicht amüsiert gewesen. Der Trainer der TSG Hoffenheim war sichtlich angesäuert nach dem 1:2 (1:1) im Schlagerspiel bei RB Leipzig, und als eine Journalistin auf der Pressekonferenz nachfragte, wer denn nun der beste deutsche Stürmer sei - der Hoffenheimer Sandro Wagner, der Leipziger Timo Werner, der Wolfsburger Mario Gomez? - verdrehte Nagelsmann die Augen, verzog das Gesicht und antwortete ungewohnt schnippisch: "Das ist mir völlig wurscht ..."

Nicht so sehr das Ende der in Europa einzigartigen Serie von 17 Partien ohne Niederlage wurmte den jungen Trainer, vielmehr ärgerte ihn die Darbietung seiner Mannschaft in der Bullenarena. "Ich bin heute nicht zufrieden, wir haben die Ballführer zu oft alleine gelassen, die ballfernen Spieler haben zu selten Lösungen angeboten", erklärte der 29-jährige Fußballlehrer und pries im Gegenzug die Stärken des Tabellenzweiten: "Die Leipziger gehen mit mehr Personal auf Balljagd, verteidigen aggressiver als wir."

Nagelsmann ("Eine Bundesliga-Niederlage trifft mich") wertete das halbstündige Unterzahlspiel seines Teams als nicht entscheidend für den Dämpfer und das Abrutschen vom dritten auf den fünften Rang. Vorzeigestürmer Wagner hatte durch ein grobes Vergehen im Mittelfeld an Stefan Ilsanker - Nagelsmann: "War nicht zwingend, da ein Foul zu machen" - die Rote Karte erhalten und zweifelsfrei seine Kollegen im Bemühen, die schnellen, starken Bullen aufzuhalten, geschwächt. Wagner, dem vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw kaum etwas gelang, erwies sich immerhin in der dritten Halbzeit als Sportsgröße - aufrichtiges Bedauern sprudelte aus dem Täter heraus. "Ich bin selbst erschrocken, dass ich ihn so erwischt habe, das sah echt fies aus", erzählte Wagner in der Mixed Zone. "Tut mir leid, macht man nicht." Und versicherte: "Ich bin der Allerletzte, der jemand verletzen will."

Draußen, weitab vom unterhaltsamen Geschehen auf dem Rasen, musste Wagner erleben, wie seine Hoffenheimer zusehends in die Bredouille gerieten und zum Punkteverlust taumelten. Ein Fernschuss von Marcel Sabitzer, abgefälscht vom überhaupt unglücklich agierenden Fabian Schär, besiegelte Hoffenheims erste ...

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