Vorstellung der OB-Kandidaten in Weinheim

Die meisten kritischen Fragen gingen an Just

Bürger wollten über seine Karrierepläne und seine Flächenplanungen Bescheid wissen

05.06.2018 UPDATE: 06.06.2018 06:00 Uhr 1 Minute, 57 Sekunden

Die Zuhörer mussten lange warten, ehe sie Fragen stellen durften. Foto: Dorn

Weinheim. (web) Das Publikum musste lange durchhalten, ehe es selbst Fragen stellen durfte: Die sieben OB-Kandidaten waren am Montagabend vollzählig zur offiziellen - sprich: von der Stadt organisierten - Vorstellungsrunde in der Stadthalle erschienen. Und fast alle nutzten ihre zehn Minuten Redezeit voll aus. Dass ebenso fast alle Redner dem Publikum fürs zahlreiche Erscheinen, den Ehrenamtlichen von DRK und Feuerwehr für ihre Arbeit und den Sportvereinen fürs gelungene Landesturnfest dankten, war demokratische Ehrensache.

Die erste Frage richtete sich an Manuel Just. Er habe die amtierende Stadtspitze gefragt, was man tun könne, damit sein fünfjähriger Sohn in die Kita laufen könne - auf dem Gehsteig, versteht sich: "Mir wurde geantwortet, dass mein Sohn lernen müsse, auf Autos zu achten", so ein Familienvater. So etwas sage er nicht, antwortete Just. Als Beitrag zum Kampf gegen Falschparker und Raser könne er sich eine Kampagne vorstellen: "Und der Ordnungsdienst muss seine Arbeit machen."

Das tat auch Moderator Gerhard Mandel, als eine Frau versuchte, Just zu löchern - jeder Fragesteller durfte nur eine Frage an je einen Kandidaten richten, dann waren andere "Erstfrager" dran. Die Bürgerin fragte Just bewusst provokant, was er denn nach seiner Weinheimer Karrieresprosse vorhabe. Er sei mit Leib und Seele Bürgermeister, versicherte Just. In diesem Amt sei er nah dran an den Menschen. Ein endgültiges "Nein" zu anderen Positionen kam jedoch nicht.

Auch Simon Pflästerer hatte sich kritischen Fragen zu stellen - was angesichts seiner Sparpläne am Personalbestand der Verwaltung nicht verwunderte. "Es geht mir nicht darum, mehr Arbeit auf weniger Schultern zu verteilen - sondern um eine Umstrukturierung", wehrte er sich. Angesichts von "80 bis 90" bevorstehenden Wechseln in den Ruhestand sei dies nicht nur möglich, sondern nötig.

Carsten Labudda wurde von seinem Fraktionskollegen Matthias Hördt ins Spiel gebracht. Letzterer ist gegen Gewerbe in der Hinteren Mult, Labudda dafür. "In abgegrenzten Gebieten sehe ich Gewerbe, nicht aber in den Breitwiesen. Dort ist die Versuchung zu groß, bis Sulzbach alles zuzubetonieren", so Labudda. Auch Just wurde mit Fragen zur Flächenplanung konfrontiert. Er versprach erneut, nichts über die Köpfe der Bürger hinweg bestimmen zu wollen. Ein entscheidender Ansatz sei, den Flächennutzungsplan von 2004 zu überarbeiten. Zudem sollten sich seine "Zukunftswerkstatt 2030" und die Prioritätenliste nicht im luftleeren Raum bewegen: Es könne vorgelagerte Ausschüsse geben. Dankbarer schienen die Fragen an Stella Kirgiane-Efremidou zu sein: Wegen des Lärms von der A 5 würde sie als OB schleunigst auf den Bund zugehen, sagte sie einer Fragestellerin. Die Frage nach Unterschieden im Kommunikationsverhalten beantwortete sie mit der Feststellung, dass sie 20 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik mitbringe - und die Sache mit der (fehlenden) Verwaltungserfahrung zu hoch gehängt werde. "Ein hoher Anteil der Bürgermeister im Land hat Verwaltungsberufe. Genauso viele Gemeinden haben Geldprobleme." Einer anderen, ebenfalls jungen Fragestellerin, erklärte sie, dass die Attraktivität einer Stadt für die Jugend auch mit bezahlbarem Wohnraum zu tun hat. "Damit die Leute während des Studiums oder der Ausbildung hierbleiben."

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Oliver Kümmerle wiederum wollte nicht behaupten, die Kriminalstelle zurückholen zu können. "Aber die Stadt muss dafür sorgen, dass die Polizei ihre wesentlichen Aufgaben erledigen kann."

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