Keine Chance gegen Toppmöllers Topteam
"Hoffe" wird beim 1:3 auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Prömel macht den Ehrentreffer beim Pflichtspiel-Comeback.

Von Nikolas Beck
Sinsheim. Kein Spitzenspiel, sondern lediglich ein Duell zweier Gewinner-Mannschaften vom ersten Spieltag sei das Duell mit Eintracht Frankfurt in seinen Augen, hatte Christian Ilzer vorm Heimauftakt der TSG Hoffenheim am Samstagnachmittag betont.
Vermutlich weil der Österreicher bereits ahnte, dass seine runderneuerte Elf zwar einen guten Eindruck hinterlassen hat in der Vorbereitung und der noch jungen Saison, die Hessen aber ein ganz anderes Kaliber sind – und sich so ein Coup wie der beim Ex-Meister Leverkusen in der Vorwoche eben nicht beliebig oft wiederholen lässt.
Man kann nicht einmal sagen, dass Ilzers Schützlinge beim 1:3 (0:2) enttäuscht hätten. Dennoch ließen die Adlerträger den Kraichgauern unterm Strich keine Chance.
Die Gäste sprangen zumindest zwischenzeitlich an die Tabellenspitze – und Hoffenheims Sportchef Andreas Schicker musste konstatieren: "Am Ende war’s ein verdienter Sieg der Eintracht. Aber ich bin nicht unzufrieden, wo wir aktuell stehen. Wir wussten, dass es ein schwieriges Auftaktprogramm ist, aber sind nach wie vor überzeugt, dass es eine bessere Saison wird als die letzte."
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Kuriose Randnotiz: Es war das sechste Aufeinandertreffen beider Klubs hintereinander, in dem vier Tore zu bestaunen war. Fünfmal hieß es 3:1 (viermal für Frankfurt), einmal 2:2.
In einer munteren Anfangsphase spielten beide Teams beherzt nach vorne. Immer wieder über links machte Bazoumana Touré Tempo. Dem pfeilschnellen Ivorer fehlt allerdings noch die letzte Genauigkeit, die seine flachen Hereingaben benötigen. Der 19-Jährige fand immer wieder nur ein abwehrendes Bein eines Frankfurters.
Auf der anderen Seite war es die individuelle Klasse des Ex-Freiburgers Ritsu Doan, die den Anhang der Hessen – über 10.000 hatten den kurzen Weg auf sich genommen – das erste Mal jubeln ließ.
Beim Versuch, einen Einwurf tief in der eigenen Hälfte zu klären, standen sich Fisnik Asllani und Umut Tohumcu, der für den am Sprunggelenk verletzten Wouter Burger in die Startelf gerückt war, im Weg. In der Folge hatte Doan ein bisschen zu viel Platz, konnte Maß nehmen – und aus rund 18 Metern mit dem starken Linken per Schlenzer ins lange Eck verwandeln (17. Minute).
"Bitter, denn wir hatten eigentlich sehr gut angefangen", befand Burger im TV-Interview in der Halbzeitpause. Doan, gerade mit dem Ball am linken Fuß, sei aber nun mal brandgefährlich. Der Japaner war es auch, der zehn Minuten später auf 2:0 für die Gäste erhöhte. Diesmal war’s nach Vorarbeit mit Köpfchen und Auge von Jean-Mattéo Bahoya eher Formsache, wie der 27-jährige Doppelpacker den Ball über die Linie kickte.
Dass das 1,73 Meter große Leichtgewicht für über 20 Millionen Euro aus Freiburg nach Frankfurt übersiedelte sagt viel aus über die Entwicklung, die der Champions-League-Teilnehmer in den vergangenen Jahren unter Trainer Dino Toppmöller und durch eine herausragende Arbeit von Manager Markus Krösche genommen hat.
Die Eintracht darf national mit Fug und Recht als Topmannschaft bezeichnet werden, die es sich Sinsheim sogar erlauben konnte, den anderen Rekordeinkauf Jonny Burkhardt (Rückenbeschwerden) und Weltmeister-Torschütze Mario Götze (muskuläre Probleme) daheim zu lassen.
Dass die Kicker aus der Bankenmetropole dem Dorfklub ein paar Schritte voraus mag Ilzer geahnt haben – nun bekamen es die 30.150 Zuschauer in der ausverkauften Pre Zero Arena vor Augen geführt. Zwar spielten Asllani und Co. weiterhin munter mit, der Leihrückkehrer hatte aus der Drehung heraus nach Tourés Anspiel die beste Chance, schnell zu verkürzen (29.), doch es hätte auch durchaus mit 0:3 in die Halbzeitpause gehen können. Robin Hranac mit seiner Rettungsaktion auf der Linie (36.) und Nationalkeeper Oliver Baumann gegen Bahoya verhinderten weitere Einschläge (44.).
So also blieb es beim Zwei-Tore-Rückstand – und bei der Hoffenheimer Hoffnung, im zweiten Durchgang zurückkommen zu können. "Im Fußball kann ein Tor schon alles verändern", so Burger. Gelinge dies recht zeitnah nach Wiederanpfiff sei der Niederländer optimistisch, dass seine Kollegen die Partie noch würden drehen können.
Recht hat Burger. Blöd nur aus Sicht der Gastgeber, dass der schnelle nächste Treffer erneut auf der falschen Seite fiel: Doan erhielt von Arthur Chaves zunächst nur Geleitschutz, ehe er den Brasilianer tunneln und Can Uzun bedienen konnte, den der bis in den Strafraum mitgelaufene Leon Avdullahu im entscheidenden Moment dann doch aus den Augen verloren hatte (51. Minute).
Die Partie war entschieden. Der eingewechselte Ansgar Knauff hätte sogar noch ein viertes nachlegen müssen, zielte aber alleine vorm TSG-Tor knapp vorbei (75.). Auf der Gegenseite hatte der für Andrej Kramaric gekommene Mo Damar die Chance zum Ehrentreffer (76.).
An den Machtverhältnissen konnten aber weder "Hoffes" Nummer zehn, noch Grischa Prömel etwas ändern. Der 30-jährige Unterschiedsspieler feierte sein Pflichtspielcomeback nach fast einem Jahr Verletzungspause.
Nicht nur wegen Prömels schönem Tor zum 1:3 in der Nachspielzeit: Es war gewiss die schönste Nachricht aus Sicht der Kraichgauer nach dem Duell zweier Gewinner vom ersten Spieltag, das einen klaren Verlierer hervorgebracht hat.
Hoffenheim: Baumann – Coufal, Hranac (72. Hajdari), Arthur Chaves, Bernardo (86. Prass) – Avdullahu – Tohumcu (59. Prömel), Kramaric (59. Damar), Touré – Lemperle, Asllani (72. Moerstedt).
Frankfurt: Zetterer – Kristensen (82. Höjlund), Collins, Koch, Theate – Larsson, Chaibi, Doan, Uzun (63. Brown), Bayoha (62. Knauff) –Wahi (82. Batshuayi).
Schiedsrichter: Timo Gerlach (Landau); Zuschauer: 30.150 (ausverkauft); Tore: 0:1 Doan (17. Minute); 0:2 Doan (27.), 0:3 Uzun (51.), 1:3 Prömel (90.+1).