Heidelberg

Im Handschuhsheimer Feld rollen vier Jahre die Lkw

Eine Großbaustelle seht an: Die Kläranlage Nord wird erweitert.

13.05.2022 UPDATE: 14.05.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 14 Sekunden
Die Kläranlage im Handschuhsheimer Feld (im Hintergrund hinter dem Zaun) wird erweitert. Der Baustellenverkehr soll auch von Norden über das Neckargewann geführt werden. Um Schleichverkehr zu verhindern, soll sich die Schranke aber nur für die Lkw öffnen. Foto: Rothe

Von Denis Schnur

Heidelberg. Im Handschuhsheimer Feld steht eine Großbaustelle an: Weil die Kläranlage Nord erweitert wird, werden vermutlich ab Oktober vier Jahre lang Erdmassen abgetragen und mit Lkws weggeschafft – mit dem Schiff ist das nicht möglich. Darüber, wo die insgesamt 4300 bis 5500 Laster langfahren sollen, stritten am Mittwoch Gemeinderäte und Stadtverwaltung ausgiebig im Verkehrsausschuss. Denn einerseits ist die Stadt verpflichtet, dem Abwasserzweckverband ein Konzept vorzuschlagen. Andererseits ist der Verkehr im Handschuhsheimer Feld seit Jahrzehnten ein heikles Thema.

Da ist es kein Wunder, dass die Anfahrtsvariante, die die Stadtverwaltung bevorzugt, auf Widerstand stößt. Sie sieht vor, dass die Lkws von Norden her zur Kläranlage fahren – über die Schwabenheimer Straße und das Neckargewann. Die Abfahrt soll über die verlängerte Tiergartenstraße und das Neuenheimer Feld erfolgen. Laut Bürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain ist das die einzig sinnvolle Option – auch wenn sie Einschränkungen mit sich bringe. "Aber man macht das ja auch nicht, weil man das gerne macht."

An einigen Tagen dürften bis zu 50 Lkws auf der Strecke unterwegs sein – und das gefällt vielen Stadträten überhaupt nicht. Vor allem, weil sie befürchten, dass so der Schleichverkehr von der Autobahn durch das Feld in den Unicampus zunimmt. Denn aktuell regelt eine Schranke die Einfahrt in das Neckargewann. Nur Gärtner und Radler dürfen durch – die vielen Mitarbeiter im Campus, für die das eine Abkürzung wäre, nicht. "Aber wie soll verhindert werden, dass die da durchfahren?", wundert sich SPD-Rat Sören Michelsburg, "zumal gleichzeitig die Dossenheimer Landstraße saniert wird." Und auch Michael Pfeiffer (GAL) fürchtet: "Wenn der Lkw blinkt, fährt der Pkw hinterher."

Der ehemalige Verkehrspolizist sorgt sich außerdem um die Radfahrer, die dort unterwegs sind: "Der Weg ist zu eng, um zu überholen – aber Sie glauben doch nicht, dass die Lkw-Fahrer da die ganze Zeit den Radfahrern hinterhertuckern?" Deshalb fordern SPD, Linke, GAL und Bunte Linke, dass die Baustellenanbindung komplett von Süden über die Tiergartenstraße erfolgt. Da diese mit stellenweise nur vier Metern zu eng ist für zwei Lkws, die sich entgegenkommen, soll die Stadt das mit Ampeln verhindern. Das wiederum würde laut Verkehrsamt zum Chaos führen. Die Engstelle sei so lang, dass die Ampel über drei Minuten rot wäre. Und zwar für alle, die in den Norden des Feldes wollen – auch Springer-Mitarbeiter, Sportler und Radler. "Damit wäre niemandem geholfen", so Schmidt-Lamontain.

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Ohnehin wollte der Bürgermeister die Kritik nicht hinnehmen: "Eigentlich geht es doch um etwas anderes", grätschte er in die Debatte. "Es geht um die Angst, dass sich schleichend ein Nordzubringer ergibt." Das könne er sogar verstehen. "Aber dann sagen Sie uns doch, dass wir dafür sorgen sollen, dass sich kein Schleichverkehr einstellt. Das wäre ein Auftrag, mit dem ich arbeiten kann." Denn darüber – und auch über die Sicherheit der Radfahrer – mache man sich auch in der Verwaltung Gedanken. Entsprechend wolle man das Neckargewann auch nur mit strengen Auflagen für die Lkws öffnen – etwa einem konsequenten Fahrradüberholverbot und Tempo 10 an Engstellen. Auf Vorschlag der Gemeinderäte will Schmidt-Lamontain zudem aufnehmen, dass am Morgen, wenn viele Schüler unterwegs sind, keine Lkws fahren – und dass die Schranke nicht dauerhaft offenstehen darf. "Da muss man jemanden abstellen, der sie bedient. Angesichts der Investitionen dürften die Personalkosten dafür vernachlässigbar sein."

Einig waren sich zudem alle, dass Stadt und Zweckverband prüfen sollen, ob zumindest ein Teil des Bodensaushubs in der Nähe bleiben – und etwa für ein Biotop genutzt werden – kann. "Selbst wenn das nur für 20 Prozent gelingen würde, würden wir schon rund 1000 Lkw-Fahrten sparen", betonte Christoph Rothfuß (Grüne).

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