Stiller Rückzug

Gibt es ein Zurück aus der inneren Kündigung?

Wer innerlich kündigt, macht im Arbeitsleben nur noch das, was wirklich nötig ist.

24.11.2022 UPDATE: 24.11.2022 10:48 Uhr 2 Minuten, 50 Sekunden
Eine innere Kündigung kann viele Auslöser haben. Häufig ziehen sich Beschäftigte zurück, wenn ihr Einsatz nicht gewürdigt wird. Foto: Bernd Diekjobst/dpa

Berlin/Düsseldorf (dpa) - Was seit einigen Monaten als Aufruf zum "Quiet Quitting" in den sozialen Medien trendet, ist in Deutschland unter dem Schlagwort "Dienst nach Vorschrift" oder "innere Kündigung" bekannt. Anstatt für den Arbeitgeber alles zu geben, machen Beschäftigte nur noch das Nötigste.

Julia Hapkemeyer, Psychologin und geschäftsführende Partnerin beim EO Institut, beschreibt die innere Kündigung als "eine Arbeitshaltung, bei der ich bewusst beschlossen habe, dass ich mein Engagement zurücknehme".

Dem Zustand geht in der Regel eine Phase voraus, in der Einsatzbereitschaft und Engagement gezeigt wurden. Dann aber kommt es quasi zum Vertragsbruch über die Erwartungen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber an die Arbeitsbeziehung.

Gerechtigkeit herstellen mit Dienst nach Vorschrift

Wird der Einsatz eines Beschäftigten nicht gewürdigt, resultiert daraus die innere Kündigung, so Hapkemeyer. Auch der Rückzug gegenüber Kolleginnen und Kollegen gehe oft damit einher. "Wenn meine unausgesprochenen Erwartungen an meinen Arbeitgeber nicht erfüllt werden, will ich Gerechtigkeit herstellen, indem ich nur noch Dienst nach Vorschrift mache."

Jannike Stöhr zufolge gehören zu den möglichen Auslösern auch Enttäuschungen - wie nicht befördert oder trotz guter Performance versetzt zu werden. Die ehemalige Personalerin, die jetzt als Karriereberaterin arbeitet, nennt ein weiteres Beispiel: Man kommt nach der Elternzeit zurück und bekommt keine adäquaten Aufgaben mehr. "Menschen wollen gute Arbeit machen, aber wenn die immer ausgebremst wird, kann das zu innerer Kündigung führen."

Entscheidungsspielraum ist wichtig

Auch strukturelle Gründe können eine Rolle spielen. "Personalabbau, ein eingeschränkter Aufgabenbereich, dauerhaft unklare Strukturen und Verantwortungsbereiche, ständige Unter- oder Überforderung", zählt Hapkemeyer auf.

Genauso kann der Zustand von "zu viel zu tun, aber zu wenig Entscheidungsspielraum" den inneren Bruch auslösen. "Wenn meine Führungskraft mich dann beispielsweise im persönlichen Gespräch nicht ernst nimmt, kann das zum Zustand der inneren Kündigung führen", sagt die Organisationsberaterin. Das Problem bei der inneren Kündigung: Die Unzufriedenheit bleibt meist.

Die eigene Energie schwindet

Beschäftigte selbst können an verschiedenen Faktoren festmachen, dass sie innerlich ...