Heidelberg

Sie überzeugt mit einem ganz speziellen Klang

Liederabend mit Josefine Göhmann und Mario Häring im Heidelberger Betriebswerk.

18.11.2022 UPDATE: 18.11.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 21 Sekunden
Hat eine Menge zu sagen: Josephine Göhmann mit Mario Häring. Foto: Rademacher

Von Christoph Wagner

Heidelberg. "Dieses Programm ist ein ästhetisches Angebot zum Diskurs um die Weiblichkeit, um das Frausein heute und seit hundert Jahren." So definiert Josefine Göhmann in einem im Programmheft abgedruckten Interview ihr Konzertprogramm "Frauenbilder – réBelles! le concert", das das Liedzentrum des Heidelberger Frühlings im Betriebswerk angeboten hat.

In den vier "Räumen" bzw. Teilen "Jungfrau (Tugend & Testament)", "Meerjungfrau (Märchen & Träume)", "Heldin (Straße & Utopie)" und "Ophelia (Rebellion & Unsterblichkeit)" kamen Lieder zur Aufführung, die weitgehend in den letzten hundert Jahren geschrieben wurden, von Arthur Honegger, Arnold Schönberg, Lili Boulanger, Paul Hindemith, Kurt Weill, Alexander Wagendristel, Olivier Messiaen, Ernest Chausson, Richard Strauss und Wolfgang Rihm, gerahmt durch zwei eigens für dieses Programm komponierte A-cappella-Lieder von Feliz Anne Reyes Macahis und Aya Joshida.

Dieses höchst ambitionierte Programm erklang dann vor einer Video-Leinwand, auf der Jan Speckenbach die Lieder visuell kommentieren, vielleicht auch inhaltlich verstärken oder kontrastieren wollte. Die Beziehung Video-Musik war aber nie wirklich zwingend und die Videos selbst blieben inhaltlich ziemlich kryptisch.

So boten sie dem Publikum wohl kaum eine Hilfe, sich auf die ja nicht gerade einfach konsumierbaren Lieder zu fokussieren, sondern lösten im Gegenteil eher eigene Assoziationskaskaden aus. Wenn diese Videos eine Brücke zwischen Musik und Publikum schlagen sollten, waren sie schlicht überflüssig, denn die junge deutsch-chilenische Sopranistin Josefine Göhmann verfügt über so viel Bühnenpräsenz, dass sie ihr Publikum auch ohne Hilfestellung sofort in ihren Bann ziehen kann.

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Dabei ist ihre Stimme technisch einwandfrei geführt und hat vor allem einen ganz speziellen Eigenklang. Entscheidend aber ist ihre immer authentische Gestaltungskraft: Sie steht mit ihrer ganzen Persönlichkeit hinter dem, was jedes Lied zu sagen hat, und auch sie selbst hat eine ganze Menge zu sagen. Dadurch findet Göhmann vollständige Resonanz bei den Hörenden. Die Konzentration im Saal war mit Händen zu greifen.

Der deutsch-japanische Pianist Mario Häring erwies sich als kongenialer Partner und sorgte für einen immer stimmigen Gesamtklang. Besonders gut gelangen ihm die Übergänge zwischen den Liedern, die innerhalb der Räume bewusst fließend gehalten waren. Viel Beifall am Schluss im voll besetzten Betriebswerk, aber – bei der Programmkonzeption verständlich – keine Zugabe.

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