Ist das Schund oder illustrierte Literatur?

Graphic Novels fehlt einheitliche deutsche Bezeichnung

28.09.2018 UPDATE: 04.10.2018 06:00 Uhr 1 Minute, 57 Sekunden

Ist das Schund oder illustrierte Literatur?

Wieso gelten manche Bildergeschichten als wertvoll und andere nicht? Mittlerweile veröffentlichen selbst Literaturverlage Comics. Und doch unterscheiden Fachmagazine etwa seit den 70er/80er Jahren Comics von grafischer Literatur, der Graphic Novel. Im Deutschen findet sich bislang kein eindeutiger Begriff dazu. Es heißt grafischer, Comic- oder Bilderroman.

Wer sich diesem Begriff nähert, stößt unversehens auf Religion, auf eine "Weltanschauung". Steckt da nicht mit drin, dass man sich die Welt anschauen möchte, sich ein Bild machen will? Und war da nicht jene Bibelstelle 2. Moses 20 (4) "Du sollst Dir kein Bild machen"?

Trotz dieses Verbots finden sich über die Jahrhunderte sowohl jede Menge Bildeindrücke bietende Kunstwerke und gleichzeitig immer wieder religiös-ideologisch motivierte Bilderstürmer.

Der Streit ums Abbilden von Begebenheiten reicht weit zurück in der Kulturgeschichte. Neben dem Christentum kennen auch Judentum und Islam die Ablehnung bildlicher Darstellung des besonders Erhabenen. Nicht umsonst erfolgt gern der Verweis auf eine weitere Bibelstelle (Joh.1.1): am Anfang war das Wort - nicht das Bild.

Und galt nicht das Ausschmücken der Kirchen mit Szenen aus den Evangelien einst nur als ein Hilfsmittel? Ungebildeten Menschen, die fremde lateinische Worte nicht lesen konnten, sollte mit einer Bibel der Armen (biblia pauperum) die Heilsgeschichte nahe gebracht werden - Kirchencomics als Mittel zur Glaubenslehre. Reichen bis hier die Wurzeln für das Unbehagen, eben "nur" Bilder zu einem Thema zu betrachten, statt selbst Erleuchtendes aus einem nicht illustrierten Text zu erfahren?

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass sich anspruchsvolle Druckwerke gewinnbringender vermarkten lassen als die Bilderheftchen. Und Comic-Romane erheben auch den Anspruch, mehr zu sein als billige Massenware.

"Asterix"-Bände auf Latein, Englisch oder Französisch fanden ja schon Eingang in den Schulunterricht. Und man kann Literaturklassiker im Original lesen sowie parallel dazu die illustrierte Adaption. Da gibt es etwa "Faust - der Tragödie erster Teil" von Goethe, gezeichnet von Flix/Felix Görmann. Oder Franz Kafkas "Urteil", bebildert von Moritz Stetter, Albert Camus’ "Der Fremde" in der Illustration von Jacques Ferrandez sowie Alexandre Dumas’ "Die drei Musketiere" als Graphic Novel von Nicolas Juncker. Wo genau ...