Sandhausen/Leimen

Bäckerei Breiter öffnet wieder (Update)

Von zwölf Mitarbeitern waren acht ausgefallen. Der RNZ-Bericht über die einwöchige Schließung führte zu Bewerbungen.

02.04.2024 UPDATE: 05.04.2024 19:57 Uhr 3 Minuten, 10 Sekunden
In der Zentrale der Bäckerei Breiter in Sandhausen blieb das Licht aus. Foto: Alex

Sandhausen/Leimen-St. Ilgen. (cm) "Es geht einfach nicht mehr" hatte die RNZ am Dienstag getitelt und über die einwöchige Schließung der Bäckerei Breiter mit Hauptsitz in Sandhausen sowie Filialen in St. Ilgen und Dielheim berichtet. Nachdem in der Backstube acht von zwölf Mitarbeitern krankheitsbedingt ausgefallen waren, hatte Inhaber Thorsten Reise die Reißleine gezogen und seine Bäckerei diese Woche geschlossen. Nun verkündet der 59-Jährige: "Es geht weiter." Am Montag werden alle Filialen wieder geöffnet sein.

Reise berichtet, dass ein Geselle und ein Azubi wieder zurückkehren. Außerdem habe sich auf den RNZ-Bericht ein Bäcker- und Konditormeister gemeldet, der einen neuen Arbeitgeber suche. Auch ein Geselle sei auf den "Notruf" aufmerksam geworden und habe sich vorgestellt. Positiv sei auch die Reaktion der Kunden gewesen, die Verständnis gezeigt hätten. "Die Schließung war richtig – wirtschaftlich zwar nicht, aber langfristig gesehen schon", so Reise.

Der Inhaber hat die Woche wie angekündigt dazu genutzt, um sein Konzept auf den Prüfstand zu stellen. Mit einer Verlagerung der Backzeiten aus der Nacht in den Tag – aktuell wird ab 2.30 Uhr gebacken – will er für neue Mitarbeiter attraktiver werden. Dafür müsse entschieden werden, welche Produkte später produziert werden können und welche nicht mehr täglich angeboten werden müssen. Dazu habe er sich die Verkaufszahlen genau angeschaut.

Erst mittags oder nachmittags zu öffnen, wie es inzwischen manche Bäckereien handhaben, sei aber keine Alternative. "Das passt nicht zu uns, wir sind Rundumversorger", sagt Reise. Trotzdem könne man es schaffen, die Backzeiten nach hinten zu verlagern – aber eben nicht für alle Produkte. "Wir brauchen auch weiter Leute, die um 4 Uhr in der Backstube stehen", betont er. Ein Teil der Mitarbeiter könne aber später anfangen – quasi in einem Schichtmodell. "Das wird sich alles noch herauskristallisieren", meint Reise. "Es sind jedenfalls spannende Überlegungen."

Update: Freitag, 5. April 2024, 19.57 Uhr

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Bäckerei Breiter muss wegen Personalmangel vorübergehend schließen

Von Christoph Moll
Sandhausen/Leimen-St. Ilgen. Die Türen der Bäckerei Breiter blieben am Ostermontag geschlossen – obwohl die Filialen in Sandhausen, St. Ilgen und Dielheim eigentlich trotz des Feiertags öffnen sollten. Und sie bleiben es auch am heutigen Dienstag und wohl noch die ganze Woche. "Liebe Kunden, vom 1.4. - 8.4. ist unsere Bäckerei wegen Krankheit geschlossen" ist auf einem Zettel an der Tür zu lesen. Nach mehreren Krankheitsfällen hat Bäckereichef Thorsten Reise die Notbremse gezogen. "Es geht einfach nicht mehr", sagt der 59-Jährige auf RNZ-Anfrage.

"Es bricht uns das Herz, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir aufgrund einer unerwartet hohen Anzahl von Krankheitsfällen unter unseren Bäckern gezwungen sind, alle unsere Filialen eine Woche vorübergehend zu schließen", teilte die Bäckerei mit. "Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, aber die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter geht vor."

Eine solche Situation hat Thorsten Reise noch nicht erlebt. 2018 hat er die Bäckerei Breiter übernommen und erst kürzlich den Standort in St. Ilgen ausgebaut. "Wir sind als kleine Backstube an den Grenzen angekommen", sagt er. Seit einem Dreivierteljahr sei die Personalsituation angespannt. Von zwölf Mitarbeitern in der Backstube seien nun acht ausgefallen – teilweise dauerhaft.

Mit diesem Schild weist die Bäckerei auf die einwöchige Schließung hin. Foto: Alex

Die letzte Krankmeldung gab den Ausschlag: "Wir können es nicht mehr stemmen", sagt Reise und erklärt die vorübergehende Schließung: "Wir müssen verhindern, dass unsere gesunden Mitarbeiter auch noch krank werden."

Zuletzt sei die Stimmung im Team angespannt gewesen. Finanziell sei die Entscheidung ein Desaster. Es fehlen die Einnahmen, die Ausgaben laufen weiter. Die Mitarbeiter nehmen nun erst mal Urlaub.

"Wir machen nun unsere Hausaufgaben und werden unsere Aufstellung überdenken", kündigt der Bäckereichef an. Auf den Prüfstand kommt zum Beispiel das Sortiment. Dieses sei sehr groß und auf die Kundenwünsche zugeschnitten, sagt Reise. So biete man auch Sauerteigbrot und weizenfreie Produkte. Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Arbeitszeiten in der Backstube.

Im Moment brennt hier das Licht ab 1 Uhr. Nach der Vorbereitung wird ab 2.30 Uhr gebacken. Um 6 Uhr liegt dann das komplette Sortiment in der Theke. "Ich frage mich, ob wir das auch weiterhin anbieten müssen", sagt Reise. Andere Bäcker würden später öffnen oder mit einem eingeschränkten Sortiment. "Bei uns ist es Tradition", sagt Reise und gibt zu bedenken: "Unsere Kunden, aber auch unsere Mitarbeiter sind auf diese Zeiten eingestellt."

Dies könne man nicht so einfach komplett ändern, da auch das Privatleben der Bäcker auf die Nachtarbeit eingestellt sei. Ziel müsse aber sein, als Arbeitgeber auch für neue Mitarbeiter attraktiver zu werden.

Diese wollten meist nicht nachts arbeiten. "So könnten wir eher neue Mitarbeiter gewinnen", meint Reise. Etwas entspannter sei die Situation im Verkauf, wo es weniger Ausfälle gebe und immer wieder neue Mitarbeiter gefunden würden.

"Wir geben unser Bestes und werden jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken", sagt Thorsten Reise. "Das bringt nichts." Positiv stimmt den Bäckereichef, dass die langjährigen Kunden die Treue halten wollen.

Diese hätten größtenteils mit Verständnis auf die vorübergehende Schließung reagiert. Reise hofft nun, dass erkrankte Mitarbeiter wieder fit werden und möglichst schnell zurückkehren – und die Türen der Filialen nächste Woche wieder aufgehen.

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