Amoklauf in Heidelberg

Ermittlungen vor dem Abschluss - 18-Jähriger war Einzelgänger ohne soziale Bindungen (Update)

Wie es nach dem Amoklauf auf dem Uni-Campus weitergeht - alle Updates finden Sie hier.

24.01.2022 UPDATE: 17.03.2022 19:46 Uhr 31 Minuten, 51 Sekunden
Ermittler untersuchen am 24. Januar die Waffen des 18-Jährigen, die er drei Tage zuvor in Wien gekauft hatte. Mit einem Gewehr gab er im Hörsaal drei Schüsse ab und tötete eine Studentin, mit dem anderen erschoss er sich draußen selbst. Foto: dpa

Von Sebastian Riemer

Eine Universität unter Schock, eine ganze Stadt in Trauer: Die Schüsse in einem Hörsaal im Neuenheimer Feld hatten am 24. Januar für Entsetzen in Heidelberg und ganz Deutschland gesorgt. Der 18-jährige Student Nikolai G. hatte an jenem schwarzen Montag zur Mittagszeit in einem Tutorium in einem Gebäude im Botanischen Garten dreimal mit einem Gewehr geschossen. Eine 23-jährige Studentin erlag ihren Schussverletzungen. Acht weitere Studenten wurden leicht verletzt. Der Täter erschoss sich nach der Tat selbst.

Nun hat die 32-köpfige Ermittlungsgruppe "Botanik" die Hintergründe der Tat weitgehend aufgeklärt. Ein Überblick der Ermittlungsergebnisse:

> Tatablauf: Nikolai G. fuhr am 24. Januar mit einer Schrotflinte, einem Repetiergewehr und 150 Schuss Munition in einem Sportrucksack in einem Taxi von seiner Mannheimer Wohnung ins Neuenheimer Feld. Dort betrat er kurz vor 12.30 Uhr ein Tutorium mit 30 Studierenden in einem Hörsaalgebäude im Botanischen Garten im Neuenheimer Feld – und eröffnete das Feuer. "Der Täter schoss nicht gezielt, sondern wahllos auf die Menschen im Hörsaal", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag auf RNZ-Anfrage. Dann verließ er den Hörsaal, zielte im Foyer des Gebäudes auf Menschen, die vor ihm die Treppe hoch fliehen konnten, rannte aus dem Gebäude und richtete draußen die Waffe gegen sich selbst.

> Tatmotiv: Zwar konnte das Motiv laut Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft "nicht mit letzter Sicherheit" geklärt werden, klar aber ist: Der 18-Jährige war "ein Einzelgänger ohne soziale Bindungen zu seinen Mitstudierenden". Er handelte allein. Weder gab es Hinweise auf Mittäter, noch Helfer, Anstifter oder Mitwisser. Bei ihren Ermittlungen konnte die Polizei "keine persönliche Vorbeziehung" des Täters zu der getöteten Studentin, den Verletzten oder den anderen bei der Tat im Hörsaal anwesenden Studierenden feststellen. Auch einen "konkret durch diese Personen vermittelten Tatanlass" habe man nicht gefunden. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft spricht "einiges dafür, dass der Täter sich mit der Amoktat für eine in seiner Vorstellungswelt erlittene Kränkung hatte rächen wollen". Denn Nikolai G. war schon mit 15 Jahren in psychiatrischer Behandlung.

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> Psychiatrische Vorgeschichte des Täters: Dem Täter wurden in der Vergangenheit mehrere psychiatrische Störungen bescheinigt. Zwischen 2018 und Anfang 2020 war er in ambulanter und auch zwei Mal in stationärer psychiatrischer Behandlung. Der Aufnahme ins Krankenhaus waren akute Suizidvorstellungen und auch Selbstmordversuche vorausgegangen. Eine narzisstische ...

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