Heidelberg

Treffen sich eine Muslima, eine Jüdin und eine Christin ...

Vertreter des Abrahamischen Forum besuchten Heuss-Realschule - Auch Nahostkonflikt war Thema.

10.07.2024 UPDATE: 10.07.2024 04:00 Uhr 2 Minuten, 9 Sekunden
Gemeinsam für die gegenseitig Toleranz und Akzeptanz der Religionen: Lehrer Mirco Diepen mit Kubra Salah-Kanatli, Stephanie Krauch, Alexandra Finkelstein (von links). Foto: lak

Von Laura Kress

Heidelberg. Eine Muslima, eine Jüdin und eine Christin – eine Art von Begegnung, die es im Alltag zu selten gibt, findet zumindest Mirco Diepen. Deshalb hatte der evangelische Pfarrer und Religionslehrer kurzerhand Vertreterinnen der drei Religionen eingeladen: Jüdin Alexandra Finkelstein, Muslima Kubra Salah-Kanatli und Christin Stephanie Krauch vom Abrahamischen Forum. Gemeinsam besuchen sie verschiedene Schulen in Deutschland und setzen sich für gegenseitige Toleranz und Akzeptanz der Religionen ein, die sich auf Abraham berufen. Am Freitag standen die Frauen auch den Neuntklässlern der Theodor-Heuss-Realschule Rede und Antwort.

"Kann man zum Judentum konvertieren?", wollte ein Schüler wissen. Grundsätzlich ja, aber man rate davon ab, sagte Finkelstein. Denn im Gegensatz zu anderen Religionen missioniere das Judentum nicht. "Wir glauben daran, dass man auch in das Himmelreich kommt, wenn man sich nur an bestimmte moralische Gebote hält", erklärte die Jüdin. Wer sich aber nicht von seinem Vorhaben abbringen lasse, der müsse großes Engagement zeigen. Zwei bis fünf Jahre kann es dauern, bis man die jüdischen Bräuche erlernt hat und konvertieren kann.

Finkelstein war diejenige aus der Gruppe, an die die Schüler die meisten Fragen hatten. Die einfache Begründung dafür: Kaum ein Schüler hat einen Juden im eigenen Bekanntenkreis. Finkelstein erklärte: "In Deutschland gibt es heute weniger als 200.000 Juden. Vor dem Holocaust waren es fünf Millionen." Die meisten lebten heute nicht mehr in Europa, sondern in Amerika und Israel.

Anders hingegen bei den Muslimen. "Zu meiner Schulzeit waren wir nur drei Muslime in einer Stufe", erinnerte sich Salah-Kanatli. "Und für unsere Feiertage hat sich niemand interessiert." Heute bekommen Schüler zumindest an der Theodor-Heuss-Schule in der Zeit des Ramadans einen Tag frei, dürfen das Mittagsgebet halten. Allein in der neunten Klasse meldeten sich am Freitag acht Schüler, die aus muslimischen Familien stammen. Auf der anderen Seite aber habe die Angst vor Angriffen zugenommen. "Wenn ich meine Kinder in den Religionsunterricht in die Moschee schicke, habe ich manchmal Angst, sie dort allein zu lassen", gab Salah-Kanatli zu.

Schon seit mehr als 20 Jahren leisten die Teams des Abrahamischen Forums Aufklärungsarbeit, werden dabei manchmal auch mit Vorurteilen konfrontiert. "Ich habe schon erlebt, dass ,Jude’ auf dem Pausenhof immer noch als Schimpfwort benutzt wird", erzählte Finkelstein. Umso schöner sei es, wenn die Schüler dann feststellten, dass es zwischen der eigenen und anderen Religionen viele Parallelen gebe. "Muslimische Schüler sind oft überrascht, dass auch wir Juden fasten", sagte Finkelstein.

Seit dem 7. Oktober bestimmt nun zunehmend auch wieder der Nahostkonflikt die Diskussionen in den Klassenzimmern, so auch in der Theodor-Heuss-Schule, als ein Schüler nach Finkelsteins Meinung dazu fragte. Die Jüdin erklärte Israels Daseinsberechtigung folgendermaßen: "Es ist das einzige Land, in dem wir erstmals sicher vor religiöser Verfolgung sind." Das militärische Vorgehen im Gazastreifen sei reine Verteidigung. "Ich habe viele Freunde und Cousins in der Armee", erzählte Finkelstein. "Natürlich wäre es uns allen lieber, wenn das nicht nötig wäre."

Einblicke wie diese seien für die Schüler wertvoller, als wenn Diepen mit ihnen einfach nur ein Lehrbuch zum Judentum und Islam durcharbeiten würde, befand der Religionslehrer. Der 16-jährige Viyar Ibrahim bestätigte: "Es war interessant, das von Leuten zu hören, die selbst diese Religion haben." Gleichzeitig kritisierten manche, dass der Nahostkonflikt ausschließlich aus der jüdischen Perspektive beleuchtet wurde. "Es wäre schön gewesen, wenn sie auch noch auf die andere Seite eingegangen wären", meinte die 16-jährige Sila.

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