Overthinking im Job

So setzen Sie dem Dauergrübeln ein Ende

Auch im Job blockiert "Overthinking" das Denken und Handeln. Doch es gibt Wege aus der Grübelspirale.

28.07.2022 UPDATE: 28.07.2022 15:04 Uhr 3 Minuten
Wer ständig in einer negativen Gedankenspirale festhängt, blockiert sich im Beruf selbst. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

München/Hamburg (dpa) - Hat die Chefin heute Morgen komisch "Hallo" gesagt? Kann ich den Kunden wirklich im Urlaub anrufen, wenn es dringend ist? Ist die Präsentation auch gut genug? Wer über jeden Schritt, jeden Anruf und jedes Gespräch im Job viel zu viel nachdenkt, kommt nicht voran.

Mit der Zeit können Beschäftigte sich und das gesamte Team verrückt machen. Aber wieviel Grübeln ist normal, was ist zu viel? Und wie kommen Berufstätige aus dem ewigen "Overthinking"?

Viel zu überlegen, muss dabei erstmal nichts Schlechtes sein. "Es schadet nicht, nachzudenken, bevor man etwas tut. Auch nicht bei der Arbeit. Das ist ein Persönlichkeitsmerkmal", sagt Florian Becker, Professor für Wirtschaftspsychologie aus München.

Intensives Nachdenken spreche dafür, gewissenhaft zu sein und Risiken gründlich abschätzen zu wollen. Wichtig ist nur, dass die Neigung zu Sorgen nicht überhandnimmt. "Wenn das Grübeln ausufert, wird es ein Problem."

Gewissenhaft Nachdenken: Gesundes Maß erkennen

Wo aber ist die Grenze zwischen gewissenhaftem Nachdenken und eher krankhaftem Overthinking? "Das gesunde Maß erkennt man am persönlichen Leidensdruck und daran, ob das Verhalten sich negativ auf das Leben der Betroffenen auswirkt", sagt die Karriereberaterin Ragnhild Struss. Manche Menschen grübeln so lange über Dinge nach, dass sie gar nicht ins Handeln kommen und sogar wichtige Termine verschieben, weil noch nicht alles durchdacht ist.

Typische Merkmale von Overthinking sind Formulierungen im Konjunktiv und Fragen in einem inneren Dialog, die scheinbar nie enden. Etwa: Was wäre, wenn ich die Prüfung verhaue? Wenn ich den Job dann nicht bekomme? Wenn mein neues Projekt floppt? Es geht häufig um Situationen, die in der Zukunft möglicherweise eintreffen könnten, "für die es in der Gegenwart aber gar keine Anzeichen geben muss".

Schreckensszenario wird Wirklichkeit

Die Folgen des ewigen Grübelns können im Job blockieren: "Dann bekommen vor allem negative Bilder und Fantasievorstellungen die Oberhand, die nicht konstruktiv sind, sondern nur Angst machen", sagt Florian Becker. Das Unterbewusstsein kann dem Wirtschaftspsychologen zufolge häufig nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. "Das vorgestellte Schreckensszenario wird dann zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung."

Wie aber kommt man aus diesem negativen Gedankenkarussell wieder ...