"One Love"-Skandal

SAP-Personalchef Younosi schimpft über "Stubentiger"

Kritik an der Haltung von FIFA und DFB im Streit um "One Love"-Binde auch aus der Wirtschaft - Rewe springt als Sponsor ab

23.11.2022 UPDATE: 23.11.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 10 Sekunden
Deutschlands Kapitän Manuel Neuer trägt die Binde mit der Aufschrift „One Love“. Foto: dpa

Frankfurt/Walldorf. (sid/mk) Nach dem WM-Verbot der "One Love"-Binde und der Kritik am abgeblasenen Aufstand des DFB gegen die FIFA formiert sich auch in der Wirtschaft Widerstand gegen das Gebaren der Fußballverbände. Als erster großer Sponsor beendete Rewe am Dienstag die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). "Die skandalöse Haltung der FIFA ist für mich als CEO eines vielfältigen Unternehmens und als Fußballfan absolut nicht akzeptabel", sagte Firmenboss Lionel Souque in einer Mitteilung des Handelsriesen: "Wir stehen ein für Diversität – und auch Fußball ist Diversität. Diese Haltung leben wir und diese Haltung verteidigen wir – auch gegen mögliche Widerstände."

Rewe sehe sich gezwungen, sich "in aller Deutlichkeit von der Haltung der FIFA zu distanzieren und auf seine Werberechte aus dem Vertrag mit dem DFB – insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft – zu verzichten", hieß es weiter. Allerdings stand die Rewe-Partnerschaft mit dem Fußball-Bund ohnehin kurz vor dem Vertragsende.

Kritik kam auch von der SAP, die noch bis 2019 offizieller Sponsor des DFB gewesen war. Deutschland-Personalchef Cawa Younosi sprach nach der Entscheidung des DFB von "Stubentigern" und fragte beim Karrierenetzwerk LinkedIn, "was wohl die IranerInnen im Land ob diesen Mutes sagen würden". Younosi spielt damit auf die Mannschaft des Iran an, die vor dem Spiel gegen England die Nationalhymne nicht mitgesungen hatte. Opportunismus sei "eine elende Plage", schimpfte der SAP-Personalchef. "Für unsere Demokratie, unsere Werte, aber auch unsere Arbeitswelten".

Die Walldorfer schmücken sich extern wie intern gerne mit Begriffen wie "Diversität" und "Chancengleichheit". Trotzdem vermied das Unternehmen im "One love"-Streit am Dienstag eine abgestimmte Stellungnahme. Der Softwarekonzern hatte nach dem Ausscheiden des Ex-CEO Bill McDermott 2019 die eigenen Sportsponsoring-Aktivitäten reduziert, arbeitet seither nach eigenem Bekunden aber immer noch mit dem DFB zusammen – vor allem inhaltlich bei der Weiterentwicklung der eigenen Software "Sports One".

Die "One-Love"-Kampagne war eine im September angekündigte gemeinsame Aktion der Teams aus Deutschland, England, den Niederlanden, Belgien, Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark sowie Norwegen und Schweden, die beide nicht für die WM qualifiziert sind. Die bunte Kapitänsbinde sollte bei der WM als Symbol für Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit stehen. Die FIFA hatte daraufhin angekündigt, das Tragen der "One-Love"-Binde bei der WM zu sanktionieren. Gastgeber Katar steht wegen der Missachtung von Menschenrechtsstandards in der ...

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