Heidelberg

Doppelspitze lässt Leitung des DAI ruhen

Bis die Untersuchung der Vorwürfe von Mitarbeitern abgeschlossen ist, übernimmt ein Mitglied des Trägervereins kommissarisch die Leitung.

02.02.2022 UPDATE: 03.02.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 19 Sekunden

Von Sebastian Riemer

Heidelberg. Während die Untersuchung der anonymen Vorwürfe von Mitarbeitern gegen die Doppelspitze des Deutsch-Amerikanischen Instituts (DAI) durch die Heidelberger Kanzlei Wellensiek angelaufen ist, ziehen sich die beiden DAI-Geschäftsführer vorerst zurück. In einer Sitzung des Verwaltungsrats der Schurman-Gesellschaft – des Trägervereins des DAI – am Dienstag boten beide an, ihre Leitungsfunktion so lange ruhen zu lassen, bis die Untersuchung der Vorwürfe abgeschlossen ist. Kommissarisch übernimmt nun ein Mitglied des Schurman-Verwaltungsrats die Leitung des Kulturhauses: der Jurist Dietrich Firnhaber.

Oberbürgermeister Eckart Würzner und Ex-Kulturbürgermeister Joachim Gerner bestätigten diese Entwicklung der Rhein-Neckar-Zeitung am Mittwoch auf Nachfrage. Würzner ist Vorsitzender des Verwaltungsrats der Schurman-Gesellschaft, Gerner steht dem Vorstand des Trägervereins vor. "Wir danken den beiden Geschäftsführern für das Angebot, die Leitung ruhen zu lassen", sagte Würzner. Es gehe nun darum, Ruhe in die Angelegenheit zu bringen. Die Prüfung der Vorwürfe müsse sauber und ruhig ablaufen. "Alles soll in Gänze aufgeklärt werden", so Würzner, "damit eines der wichtigsten Kulturhäuser unserer Stadt keinen Schaden nimmt." Am Mittwochmorgen habe man auch die Mitarbeiter informiert, dass nun interimsmäßig ein neuer Leiter übernehmen werde.

Würzner dankte Dietrich Firnhaber für dessen Bereitschaft, die kommissarische Leitung des Kulturhauses ehrenamtlich zu übernehmen. Der Jurist und Top-Manager arbeitet bei der Covestro AG, einem Werkstoffhersteller mit Sitz in Leverkusen. Firnhaber ist nun bis zum Ende der Untersuchung am DAI für die Bereiche Personal, Finanzen und Organisation verantwortlich.

Die Untersuchung der Vorwürfe durch die Kanzlei Wellensiek ist indes in vollem Gange. Nach RNZ-Informationen führen zwei Anwälte seit Dienstag im Stammhaus in der Sofienstraße Einzelgespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Zehn Angestellte des Kulturhauses hatten vor rund zwei Wochen in einem anonymen vierseitigen Schreiben an die Schurman-Gesellschaft, den DAI-Freundeskreis und Kulturbürgermeister Wolfgang Erichson weitreichende Vorwürfe gegen die Geschäftsführung des Kulturhauses geäußert. Unter anderem war darin die Rede von "Mobbing und Misswirtschaft" sowie der "Missachtung von Arbeitnehmerrechten". Daraufhin hatte der Verwaltungsrat am 24. Januar die Kanzlei Wellensiek mit der Untersuchung beauftragt. Laut Anwalt Dirk Adam soll diese im März abgeschlossen werden.