Ex-Tennisprofi

Boris Becker: "Natürlich war ich schuldig"

Rund siebeneinhalb Monate saß Boris Becker in Großbritannien in Haft. Nun erzählt er ausführlich darüber, wie er dort hinkam - und was er dort erlebte.

20.12.2022 UPDATE: 20.12.2022 07:17 Uhr 2 Minuten, 18 Sekunden
Boris Becker
«Natürlich war ich schuldig»: Boris Becker.

München (dpa) - Mit emotionalen Worten hat Ex-Tennisstar Boris Becker von seiner Zeit in britischer Haft berichtet. Immer wieder von Tränen und Momenten der Rührung unterbrochen, schilderte der 55-Jährige auch zwei lebensgefährliche Situationen hinter Gittern. Mithäftlinge hätten ihn gerettet, sagte in einem Exklusiv-Interview beim Sender Sat.1. Mit manchen Insassen habe er eine enge Beziehung aufgebaut. "Wenn man zusammen wirklich ums Überleben gekämpft hat, das schweißt zusammen." Er werde sicher mit einigen Mithäftlingen Kontakt halten.

In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit seiner Haftentlassung bekannte sich Becker zu seiner Schuld. "Natürlich war ich schuldig", sagte er und zeigte sich selbstkritisch. "Vielleicht habe ich nicht genügend Reue gezeigt im Zeugenstand", sagte er. Seine Anwälte hätten alles versucht, sein "Leben zu retten". Er sei beraten worden, was er auszusagen habe und was nicht. "Es hätte besser laufen können - aber es hätte auch viel schlechter laufen können."

Der aus dem baden-württembergischen Leimen stammende Becker war Ende April von einem Gericht in London zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er Teile seines Vermögens in seinem Insolvenzverfahren nicht ordnungsgemäß angegeben hatte. Er war am Donnerstag - nach 231 Tagen hinter Gittern - freigekommen.

"Zum ersten Mal in meinem Leben Hunger gefühlt"

Becker, der deutlich schlanker aussah als noch vor der Haft, berichtete von Hungergefühlen während seines Gefängnisaufenthalts. "Ich hab natürlich sehr viel Gewicht verloren", sagte er in dem Gespräch mit Moderator Steven Gätjen. "Ich bin mit 97 Kilo ins Gefängnis gekommen und hatte dann mal knapp 90 Kilo."

Becker fügte hinzu: "Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben Hunger gefühlt, also bin hungrig ins Bett gegangen. Ich dachte, dass ich mit 54 Jahren schon alles erlebt habe, aber das war neu." Im Gefängnis habe er keinen Alkohol getrunken, nicht geraucht und wochen- oder vielleicht auch monatelang sehr wenig gegessen. "Also meiner Gesundheit tat der Gefängnisaufenthalt sicherlich gut." Zu einem Fotovergleich mit Aufnahmen von vor und nach der Haft sagte Becker: "Es ist der gleiche Mensch, aber es sind zwei verschiedene Leben."

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