Mit Blutdruckgerät und Herztropfen

1:0-Sieg in Würzburg sichert SV Sandhausen den Klassenerhalt

SV Sandhausen geht nun in seine sechste Zweitliga-Saison - Denis Linsmayer hat verlängert

14.05.2017 UPDATE: 15.05.2017 06:00 Uhr 2 Minuten, 35 Sekunden

Auf dieses Tor, das 1:0 in Würzburg, musste Sandhausens Korbinian Vollmann (links) acht Monate warten. Foto: imago

Von Wolfgang Brück

Sandhausen. Holger Schweikardt konnte die Tränen nicht zurückhalten. Nach dem 1:0-Sieg durch den Treffer von Korbinian Vollmann (20.) bei den Würzburger Kickers, mit dem der SV Sandhausen gestern den Klassenerhalt sicherte, wurde der Leiter der Geschäftsstelle von seinen Gefühlen übermannt. "Wir haben die ganze Woche gezittert und gebibbert. Jetzt ist eine Last von uns gefallen", sagte der 49-jährige Schlierbacher, der seit einem Jahr beim Zweitligisten ist.

Hintergrund

Jürgen Machmeier, Präsident des SV Sandhausen: "Ich bin sehr erleichtert. Die Jungs haben alles gegeben. Respekt. Jetzt feiern wir gegen Hannover ein Fußballfest am Hardtwald."

Otmar Schork, Geschäftsführer: "Ich bin glücklich. Nun

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Jürgen Machmeier, Präsident des SV Sandhausen: "Ich bin sehr erleichtert. Die Jungs haben alles gegeben. Respekt. Jetzt feiern wir gegen Hannover ein Fußballfest am Hardtwald."

Otmar Schork, Geschäftsführer: "Ich bin glücklich. Nun können wir bei den Planungen Nägel mit Köpfen machen. Wir werden in dieser Woche die ersten Entscheidungen bekannt geben."

Kenan Kocak, Trainer des SVS: "Ich bin froh, dass wir das Ziel erreicht haben. Meinem Kollegen drücke ich die Daumen: Im Fußball hat es schon die verrücktesten Dinge gegeben."

Bernd Hollerbach, Trainer der Würzburger Kickers: "Wir haben viel Aufwand betrieben, aber wieder mal kein Tor geschossen. Es ist schwer gegen diese gut organisierte Sandhäuser Mannschaft. Mir geht es im Augenblick nicht gut. Aber die Würzburger Kickers geben nie auf."

Nico Walter, SVS-Edelfan: "Wo sind meine Herztropfen? Wir haben auf der Tribüne Höllenqualen durchlitten."

Korbinian Vollmann, Schütze des entscheidenden Tores: "Ich habe lange auf meinen dritten Saisontreffer warten müssen. Mein letztes Tor habe ich vor über acht Monaten beim 2:0 gegen Kaiserslautern erzielt. Um so mehr freue ich mich, dass ich der Mannschaft helfen konnte." wob

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Von Männern wie Holger Schweikardt lebt der SV Sandhausen. Und von Typen wie Stefan Kulovits.

Kurz nach der Pause wurde der Kapitän von einem strammen Schuss von Nejmeddin Daghfous am Kopf getroffen. Er ging zu Boden, war für kurze Zeit bewusstlos. Mit einer Trage wurde der Österreicher in die Kabine gebracht. Und stand nur Minuten später wieder am Spielfeldrand. "Kulo wollte tatsächlich wieder rein. Der wollte weiterspielen", erzählt Geschäftsführer Otmar Schork.

Auf der Auswechselbank, an seiner Seite ein Sanitäter mit Blutdruckgerät, erlebte der 34-jährige Profi, vermutlich noch leicht benebelt, den Rest der Begegnung.

Was er sah, war nicht gut für die Genesung. Seine Kollegen wurden zunehmend in der eigenen Hälfte eingeschnürt, Welle um Welle rollte aufs Sandhäuser Tor.

Die Kurpfälzer hielten dem Druck stand. Kämpften aufopferungsvoll. Leidenschaftlich. Und gingen dahin, wo es weh tut. Was man wörtlich nehmen kann. Physiotherapeut Martin Milleer war gestern einer der am meisten beschäftigten Männer in der flyeralarm Arena.

Schon nach dem 0:0 im Hinspiel hatte Präsident Jürgen Machmeier die Mannschaft des gelernten Metzgers Bernd Hollerbach als "Kloppertruppe" bezeichnet. Es ging um viel gestern Nachmittag. Die Atmosphäre war emotional aufgeladen, oft war in den vergangenen Tagen in Würzburg von "Helden, Heimat und Herzblut" die Rede.

Zum Glück reichte die Qualität nicht ganz an die Mentalität heran. Die Zahl der Torchancen für die optisch deutlich überlegenen Hausherren hielt sich in Grenzen. Elia Soriano verfehlte eine Hereingäbe knapp (12.), Tim Kister blockte Tobias Schröck in letzter Sekunde ab (31.) und Marco Knaller fischte einen Kopfball von Schröck aus der Ecke (59.).

In Würzburg, der Heimatstadt von Dirk Nowitzki, ist man zwar geschickt unter den Körben, mit dem Toreschießen haben sie es aber nicht so. Der Neuling, der nach der Hinrunde Sechster war, danach aber kein Spiel mehr gewann, braucht nun ein zweites "Wunder von Bernd", um nicht abzusteigen. Denn bis auf Kaiserslautern und München punkteten alle Abstiegs-Kandidaten, Bielefeld schoss den Aufstiegs-Anwärter Braunschweig sogar mit 6:0 von der Alm.

"Die Zweite Liga ist verrückt. Mit Ausnahme von Hannover und Stuttgart kann jeder jeden schlagen", sieht sich Otmar Schork bestätigt. Der Geschäftsführer konnte neben dem Klassenerhalt einen weiteren Erfolg vermelden. Denis Linsmayer hat seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Der 26-jährige Mittelfeldspieler wurde von mehreren Zweitligisten umworben.

So gut wie klar ist man, wie die RNZ erfuhr, mit Marcel Schuhen. Der Torwart des Drittligisten Hansa Rostock soll Michael Hiegl, der zurück nach Walldorf geht, ersetzen. Eine weitere Planstelle wurde - leider - frei. Rick Wulle zog sich einen Kreuzbandriss zu. Der Torwart aus Ziegelhausen soll am Mittwoch im St. Elisabeth-Krankenhaus von Dr. Nikolaus Streich operiert werden und wird in diesem Jahr nicht mehr spielen können.

Für das Saisonfinale gegen (Fast)-Aufsteiger Hannover 96 am Sonntag (15.30 Uhr/direkt in Sky) rückt Präsidenten-Sohn Dominik Machmeier in den Kader. Danach soll ein weiterer Keeper verpflichtet werden.

Stark verbessert haben sich bei Korbinian Vollmann die Chancen auf eine Vertrags-Verlängerung. Sein dritter Saisontreffer gestern war Gold wert. Schon in der letzten Runde hatte der Münchner mit Toren in Leipzig und gegen Frankfurt großen Anteil am Klassenerhalt.

Machmeier wäre nicht Machmeier, wenn er nicht neue Ziele setzen würde. Bei einem Sieg gegen Hannover winkt nach einem 13. und zwei zwölften Rängen mit Rang acht die beste Platzierung in der Sandhäuser Zweitliga-Geschichte.

Würzburg: Siebenhandl - Schoppenhauer, Neumann (46. Benatelli), Pisot - Fröde (54. Königs), Taffertshofer - Daghfous, Kurzweg - Schröck, Weihrauch (36. Rama) - Soriano. Sandhausen: Knaller - Klingmann, Kister, Knipping, Paqarada - Linsmayer (79. Kosecki), Kulovits (50. Karl) - Pledl, Vollmann (56. Lukasik) - Höler, Sukuta-Pasu. Schiedsrichter: Gräfe (Berlin); Zuschauer: 11.571 (ausverkauft); Tor: 0:1 Vollmann (20.).

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