MLP Academics

So stellt man sich einen Kapitän vor

Nach dem 90:86 der Academics im Abstiegsduell gegen Crailsheim wird Akeem Vargas von Kameraden und Verantwortlichen mit Lob überschüttet.

31.03.2024 UPDATE: 01.04.2024 19:30 Uhr 3 Minuten, 8 Sekunden
Zwei sehr glückliche Menschen: Academics-Headcoach Ingo Freyer (links) und Akeem Vargas nach dem Sieg gegen die Merlins Crailsheim. Foto: PIX

Von Nikolas Beck

Heidelberg. Akeem Vargas hätte entschlossener kaum klingen können. "Ich werde mir heute Abend mehr als einen Drink gönnen und das definitiv zelebrieren", sagte der Kapitän der MLP Academics im Gespräch mit der RNZ. Zu einem guten Rum oder Gin Tonic wollte der Routinier greifen. "Ich glaube, das habe ich mir sehr verdient." 

Keine Widerrede. Weder von den 4410 Zuschauern im bereits zum vierten Mal in dieser Runde ausverkauften SNP Dome, noch von den Teamkollegen. "Akeem hat ein überragendes Spiel gemacht", sagte Niklas Würzner – und geriet ins Schwärmen: "Punkte gemacht, entscheidende Rebounds geholt, Ballverluste forciert – so stellt man sich einen Kapitän vor, dass er in solch wichtigen Spielen so vorangeht. Ich bin stolz auf ihn." 

In der Tat hätte es keinen besseren Zeitpunkt für die Leistungsexplosion des 33-jährigen Vargas geben können. Mit 90:86 (55:44) setzten sich die "Jungs vom Neckar" im Abstiegsduell gegen Schlusslicht Crailsheim Merlins durch. Kletterten erstmals seit Weihnachten wieder auf einen Nichtsabstiegsplatz und dürfen nach drei Heimsiegen hintereinander mehr denn je auf den Ligaverbleib hoffen. 

Vargas war sich der Bedeutung des 26. Spieltags bewusst: "Der Verlierer muss für die Pro A planen." In dieser Deutlichkeit habe er das während der Trainingswoche auch thematisiert. Hinterher fand er’s wundervoll, wie die Mannschaft dies angenommen habe, wie sie "von Beginn an aggressiv und bereit für ein ekliges Spiel" gewesen sei. "Ein großes Spiel von ihm", schloss sich Alex Vogel den Lobeshymnen auf Vargas an. "Wir wissen, warum wir ihn haben – genau für solche Momente, für solche Spiele."

Das Fazit des Sportlichen Leiters: "Unglaubliches Publikum, große Emotionen, schwieriges Spiel." Denn obwohl die Academics, nach wie vor ohne Abu Kigab, mit einem angeschlagenen Elias Lasisi und diesmal ohne Bennet Hundt in der Rotation, über die gesamte Spieldauer die bessere Mannschaft waren und "immer wieder Phasen hatten, in denen wir dominiert haben" (Headcoach Ingo Freyer), blieb die Nervenschlacht bis in die Schlussminute hinein spannend.

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Nuancen machten am Ende den Unterschied. Und der Kopf, betonte Vargas. Denn während sich bei vielen Merlins, die auf ihren besten Spieler Léo Westermann verletzt verzichten mussten, schwitzige Hände und zittrige Beine bemerkbar machten, lief der gebürtige Heidelberger mit einem Dauergrinsen übers Feld.

Für ihn sei es ein Spiel wie jedes andere gewesen. "Ich glaube aber auch, dass ich mental einer der stärksten Spieler der ganzen Liga bin", so Vargas. Arroganz schwang in seinen Worten nicht mit. Vielmehr war es ein Dank an seinen langjährigen Mentaltrainer Gregory Aubrey – und ein Plädoyer für mehr Engagement in diesem Bereich im Mannschaftssport generell.

Seine eigene Leistung – am Ende waren es 17 Punkte und vier Rebounds – wollte Vargas, der durchschnittlich eigentlich nur knapp drei Zähler pro Partie markiert, nicht überhöhen. "Ich sage immer wieder: Scoring ist einfach, wenn man viele Würfe nimmt." Heute seien es für ihn eben mehr als sonst gewesen. "Aber", zuckte Vargas mit den Schultern, "wer mich kennt weiß, dass für mich der Sieg das Allerwichtigste ist."

Der allerwichtigste Erfolg war es wohl auch für die Korbjäger in den fast drei Jahren seit ihrer Rückkehr in die Bundesliga. Und wenn man sich so anschaute, wie Niklas Würzner, der "Zeremonienmeister" für die Party nach der Partie, vor dem Humba Täterä jeden "Akademiker" vom Publikum einzeln abfeiern ließ.

Hintergrund

Paul Zipser, Academics-Flügelspieler: "Beide Teams wussten um die Bedeutung der Partie und haben alles reingehauen. Aber wir haben klar verdient, die Partie zu gewinnen. Nach drei Siegen aus vier Spielen mangelt es uns nicht an Selbstvertrauen. Trotz des

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Paul Zipser, Academics-Flügelspieler: "Beide Teams wussten um die Bedeutung der Partie und haben alles reingehauen. Aber wir haben klar verdient, die Partie zu gewinnen. Nach drei Siegen aus vier Spielen mangelt es uns nicht an Selbstvertrauen. Trotz des Tabellenstands. Wir sind mitten im Abstiegskampf und haben das komplett angenommen."

Alex Vogel, Sportchef der Academics: "Das war ein wichtiger Schritt. aber der Sieg ist noch viel, viel mehr wert, wenn wir jetzt die richtige Reaktion zeigen und anders als in Oldenburg auftreten. Heute dürfen wir uns freuen. Aber gefeiert wird erst, wenn wir den Klassenerhalt gesichert haben." (nb)

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Wie Elijah Childs, noch so ein Sieggarant (19 Punkte, acht Rebounds), bis über beide Ohren strahlte und von "Gänsehaut-Momenten" berichtete. Und wie der stolze Papa Paul Zipser, dessen acht Wochen alter Sohn Luke erstmals mit dabei war, sein Lächeln wieder gefunden hat. Dann hätte man beinahe vergessen können, dass die Academics noch lange nicht gerettet sind.

In solchen Momenten ist ein Trainer wie Ingo Freyer ein Segen. Der im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein aufgewachsene 53-Jährige musste schmunzeln, als die RNZ von ihm wissen wollte, ob dies der bislang schönste Tag seiner knapp zwei Monate in Heidelberg sei. "Nein, so kann man das nicht sagen", wiegelte Freyer ab.

"Aber natürlich ist das unglaublich schön, dass wir jetzt das dritte Heimspiel in Folge gewonnen haben, dass wir das alle zusammen, auch mit den Fans, erreicht haben", sagte der coole Norddeutsche. "Daraus schöpfen wir Mut. Für die meisten ist hier jetzt noch Party, aber unser Fokus liegt schon jetzt wieder voll auf dem nächsten Spiel."

Wirklich? Bei allen?

Die nächste Partie steigt erst am kommenden Montag. Am 8. April gastieren die Academics bei den Towers in Hamburg. Ostersonntag hatten sie frei. Doch Akeem Vargas kündigte zu später Stunde nach dem Crailsheim-Coup an, in seiner Rolle als Anführer noch mal das Gespräch mit seinem Coach zu suchen. "Ich finde, ein zweiter Tag sollte schon drin sein", sagte Vargas mit einem Grinsen. Am Ostermontag kann die RNZ berichten: Es gab einen zweiten Tag frei.

Nach solch einer Leistung konnte offenbar auch Ingo Freyer dem Kapitän nicht widersprechen.

Heidelberg: Childs 20 (2 Dreier), Jaworski 18 (2), Vargas 17 (4), Carroll 13 (1), Whaley 11 (1), Keßen 4, Würzner 4, Lasisi 3 (1), Zipser
Crailsheim: Cook 27 (5), Bleck 15 (3), Baggette 15 (3), Stuckey 12 (2), Murray-Boyles 5 (1), Darden 5 (1), Oduro 4, Kindzeka 2, Smith 1, Wulff
Stenogramm: 6:2 (8.), 21:12 (8.), 24:24 (1. Viertel), 40:35 (15.), 46:42 (17.), 55:44 (Halbzeit), 55:22 (22.), 66:57 (26.), 70:60 (28.), 77:64 (3. Viertel), 80:74 (34.), 87: 83 (39.), 90:86 (Endstand).

Update: Montag, 1. April 2024, 19.30 Uhr

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