Eberbacher Musikschule

Von Rhinos, Politikern und verkannten Komponisten

In der Eberbacher Musikschule gab es eine launige Mischung aus Lyrik und Musik zu bewundern.

23.06.2022 UPDATE: 24.06.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 34 Sekunden
Mit vollem Einsatz trug Hans Biedermann seine Gedichte vor und entlockte Kollege Ronald Autenrieth am Flügel sowie dem Publikum zahlreiche Lacher. Foto: Moritz Bayer

Von Moritz Bayer

Eberbach. Das Wechselspiel war harmonisch und machte Laune. Fünf Musikstücke, angekündigt und vorgetragen von Komponist Ronald Autenrieth, umrahmten vier Vorträge des Poeten Hans Biedermann, der die Zuhörer auf seine Reise mit (Un-)Mensch und (Un-)Tier mitnahm. Warum er sich als Poet und nicht als Dichter bezeichnet? "Ein Dichter ist ein Mensch, der ein Rosenblatt in den Grand Canyon wirft und auf ein Echo wartet. Ich bevorzuge da Wackersteine." Das Publikum in der Eberbacher Musikschule wurde von Beginn an bestens beim letzten Teil der Reihe "Poeten und Piano" unterhalten.

Der musikalische Teil Autenrieths war den "Sekretären der Großen" gewidmet. Also Gehilfen bekannter Komponisten, die auch selbst fleißig waren, meist unterschätzt, oft sogar unbemerkt. Auch der von Autenrieth als "Gruß aus der Küche, nichts allzu Besonderes" angekündigte Joseph Joachim, Gehilfe von Brahms, fand durchaus Anklang beim Publikum. Sein Violinenstück, hier gespielt auf dem Klavier, wurde mit einem klar vernehmbaren "Is doch scheee!" quittiert.

Biedermann startete seine Reise über alle Arten menschlicher Beziehungen. Auch das derzeit durchaus schwierige Thema Geschlechter wusste er geschickt mit Worten humoristisch in Szene zu setzten.

Nach einigen Beispielen über gängige Klischees (typisch Mann, typisch Frau) endete das Stück mit einem pragmatischen "Drum: angemessen wär’ vielleicht, ein "Typisch menschlich!" – und das reicht!" Autenrieth stellte als Nächsten Joachim Raff vor, den Sekretär von Franz Liszt. Neben dem kraftvollen Stück gab’s gleich noch einen Gruß der Joachim Raff-Gesellschaft aus der Schweiz – Eberbach international. Nachdem Biedermann mit Werken zu Tugend ("was ist das?") oder dem Machterhaltungstrieb der meisten Politiker begeistern konnte, hatte Autenrieth es danach nicht leicht, den Trommelwirbel aus Nannette Streichers Militärmarsch nachzustellen. Es gelang ihm dennoch mit Bravour. Streicher war eine Haushälterin und spätere Freundin Beethovens, die nicht nur kraftvolle Musik mochte, sondern auch die Courage hatte, den Meister durchaus mal trotz seiner Wutausbrüche zu verbessern.

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Bei den Gedichten ging es über ins Tierreich. Neben einem nicht schwindelfreien Specht riefen besonders die lustigen Vierzeiler über Nashörner zahlreiche, laute Lacher im Publikum hervor. Die Rhinos haben sich laut Biedermann zu einem echten Großthema entwickelt, er hätte wohl noch lange weitermachen können, ohne zu langweilen.

Nicht nur die Gedichte, sondern auch die "Abwegigen Aphorismen", also Lebensweisheiten, erwiesen sich als Treffer: "Der Steuerzahler ist die Krone der Schöpfung." "Gewissen ist veraltet – die Zukunft liegt im Ungewissen." Ebenso wie Biedermann für seine Vorträge wurde Autenrieth nach seinen abschließenden Stücken von Hermann Zumpe, Adlatus von Wagner, sowie Arrigo Boito, Freund von Verdi, lautstark gefeiert.

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