Eberbach

Die Schleuse Rockenau ist repariert

Der Aufprallschaden am Schleusentor ist behoben worden.

03.02.2021 UPDATE: 04.02.2021 06:00 Uhr 1 Minute, 56 Sekunden
Der Behelfssteg über der Rockenauer Schleusenkammer ist dem Kranseil im Weg, mit dem das neue Schleusentor an seinen Platz gehoben werden soll. Flugs wird die provisorische Brücke versetzt, und der 40-Tonnen-Koloss kann einschweben.  Fotos: Marcus Deschner​

Von Marcus Deschner

Eberbach-Rockenau (MD) Mit einem kräftigen Rumms kracht im Mai 2019 ein zu Tal fahrendes Motorgüterschiff in das untere Tor der linken Schleusenkammer an der Staustufe Rockenau. Das Tor, Baujahr 1959, ist hinüber. Die Kammer ist seither nur noch sehr eingeschränkt nutzbar. Das ändert sich aber jetzt wieder.

Am Dienstag hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Neckar mit Sitz in Heidelberg am Rockenauer Wehr zwei nagelneue Torflügel einsetzen lassen. Die wurden bei der Firma Nyblad im niedersächsischen Papenburg gefertigt.

Das 1878 von einem nach Deutschland eingewanderten Schweden gegründete Unternehmen hat sich auf Stahl- und Maschinenbau spezialisiert und wird mittlerweile in fünfter Generation geführt. Auf dem Flussweg kamen die je rund 40 Tonnen schweren Kolosse mit Abmessungen von zwölf auf 6,50 Metern von der Ems an den Neckar.

Vier Tage dauert die etwa 560 Kilometer lange Reise vom Norden per Frachtschiff – am Freitag trifft die Fracht in Mannheim ein. In Feudenheim ist zunächst mal "Liegepause" angesagt. Das Neckarhochwasser durchkreuzt den Zeitplan etwas – die Schifffahrt ist gesperrt. Am Montag geht’s dann weiter nach Rockenau. Dort wartet tags darauf ein Schwerlast-Autokran.

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Der Behelfssteg über der Rockenauer Schleusenkammer ist dem Kranseil im Weg, mit dem das neue Schleusentor an seinen Platz gehoben werden soll. Flugs wird die provisorische Brücke versetzt. Fotos: Marcus Deschner​

Der Neunachser einer Spezialfirma aus der Ortenau nimmt die beiden Schwergewichte an den Haken und lagert sie zunächst mal in der leeren Schleusenkammer. Die alten Torflügel sind bereits im Dezember ausgebaut und neben der Schleuse abgelegt worden. Ein Notverschluss sichert einstweilen die Kammer. Bei strömendem Regen geht’s gegen Mittag dann zur Sache: dabei ist Präzisionsarbeit mit dem Schwerlastkran erforderlich. Ein Arbeiter legt am Boden der Schleu­senkammer die Schäkel der Stahlseile an den ersten Torflügel.

Der Kranführer zieht an. Doch der erste Versuch muss sogleich abgebrochen werden. Das Seil streift den Behelfssteg, der über die Kammer gelegt worden war, damit die Arbeiter von der einen Seite auf die andere gelangen konnten.

Also wird der Steg ruck-zuck wenige Meter flussaufwärts gehievt . Es startet der zweite Versuch. Der klappt auch recht gut. Der Kranführer bugsiert den schweren Stemmtorflügel exakt an Ort und Stelle. Und der Zweite folgt alsbald. Gegen 17 Uhr ist die Arbeit erledigt.

Am Mittwoch wurden noch die Laufstege samt Geländern montiert, erläuterte Projektleiter Michael Grädler. Eine Seilstoßschutzanlage, wie sie an der benachbarten rechten Kammer montiert ist, gibt es an dem neuen Tor nicht. Stattdessen ist dort ein Stoßschutz unter den Stegen integriert. Der soll verhindern, dass ein Schiff in die Tore kracht.

Bereit gelegt zur Montage sind die beiden neuen Schleusentore fürs Rockenauer Wehr. Sie waren erforderlich geworden, weil im Mai 2019 ein Schiff ihre Vorgänger demoliert hatte. Fotos: Marcus Deschner

Die Wirkungsweise ist ähnlich wie bei Auto-Stoßdämpfern, die Straßenunebenheiten abfedern. Dabei gibt Grädler zu bedenken, dass der Stoßschutz nur bei "kleineren" Anprallern Schäden verhindern könne. "Wenn so ein Frachter da voll hineinkracht, gibt’s für das Tor keine Chance".

Laut Angaben des Fachmanns müssen erfahrungsgemäß die neu eingebauten Tore in den kommenden Wochen noch nachjustiert werden. Auch die Antriebs-, Elektro- und Steuerungstechnik ist noch einzubauen, bis die Schleusenkammer etwa im Mai wieder in Betrieb gehen kann.

Ort des Geschehens

Die alten Tore wurden bereits per Schiff zum Verschrotten gebracht. Wie Kai Schlichtmann, Fachgebietsleiter Wasserstraße beim WSA Heidelberg, mitteilte, kostete das Projekt "am Unterhaupt der linken Kammer" insgesamt rund zwei Millionen Euro einschließlich des Transports sowie der Antriebs- und Elektrotechnik.

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