Amoklauf in Heidelberg 2022

Wie eine 20-jährige Studentin die Amoktat verarbeitet

"Das Geschehene beschäftigt mich jeden Tag": Ihr Studium aufzugeben, kam für sie nicht infrage.

24.01.2023 UPDATE: 24.01.2023 06:00 Uhr 3 Minuten, 8 Sekunden
Am Tag nach der Amoktat, am 25. Januar 2022, legen Studierende vor dem Tatort, einem Hörsaal im Botanischen Garten, Blumen und Kerzen nieder, umarmen oder stehen schweigend beisammen, um gemeinsam zu trauern. Foto: Philipp Rothe

Heidelberg. Montag, 24. Januar 2022, es ist Mittagszeit, als ein 18-jähriger Student in den Hörsaal des Gebäudes INF 360 im Neuenheimer Feld stürmt. 30 Studierende sitzen dort im Tutorium für Organische Chemie für Biowissenschaften. Er gibt drei Schüsse aus einem Gewehr ab und verletzt mehrere Personen.

Eine 23-jährige Studentin wird tödlich getroffen. Anschließend verlässt der Täter das Gebäude und erschießt sich selbst. Auch ein Jahr danach ist das Geschehene für die meisten Betroffenen, für Studierende, Ersthelfer, Lehrende und Mitarbeiter der Uni noch immer präsent – zu präsent, als dass sie der Presse davon berichten möchten.

Mit Ausnahme einer 20-jährigen Bachelor-Studentin der Biowissenschaften, die ihren Namen zwar nicht öffentlich machen möchte, der es aber wichtig ist, zu erzählen. Davon, wie es ihr heute geht – und wie sie das Ganze verarbeitet. Die 20-Jährige erlebte die Tat vor einem Jahr hautnah, sie war Teil des Tutoriums und saß selbst im Hörsaal, als es passierte.

***

Das Geschehene beschäftigt mich nach wie vor jeden Tag, es ist Teil meiner Persönlichkeit geworden, darüber kommt man nicht so schnell hinweg. In vielen Situationen habe ich immer noch Angst. Für diese Angst gibt es manchmal eindeutige Auslöser wie Knallgeräusche oder alles Schussähnliche. Silvester zum Beispiel war sehr schlimm für mich – gerade die Tage davor, als es vereinzelt schon geknallt hat, und nicht damit zu rechnen war.

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Aber auch Kleinigkeiten machen mir manchmal Angst: Wenn es in der Bahn ruckelt, wenn jemand hinter mir zu laut atmet oder zu laut in die Hände geklatscht wird. Ab und zu reicht es sogar schon, dass die Sonne scheint – weil das Wetter vor einem Jahr, als es passiert ist, auch so schön war.

Nach dem Ereignis wurden uns Therapieplätze von der Universität vermittelt. Das Angebot habe ich auch angenommen, ich war einige Male bei einer Therapeutin, was mir geholfen hat. Wir hatten zudem zwei Gruppentherapiesitzungen angesetzt von der Universität, da haben Betroffene berichtet, wie sie es erlebt haben. Das hat mir das Gefühl vermittelt, gehört zu werden.

Später haben wir uns auch nochmal mit ...

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