"Das Licht ist wirklich sehr kalt"
Neues Beleuchtungskonzept startete - Die meisten Besucher sahen es eher positiv und blieben länger

Am Freitag begann die vierwöchige Testphase für die elf Scheinwerfer auf der Neckarwiese - die aber noch heller werden können. Foto: Alex
Heidelberg. (jola) Die Pfandsammler liefen auch am Freitagabend noch mit ihren Taschenlampen über die Neckarwiese, und auch für das gegenseitige Schminken reichte die "Stresserbeleuchtung" nicht aus. Es war der erste Tag der vierwöchigen Probephase des neuen Beleuchtungskonzepts zwischen der Theodor-Heuss-Brücke und der Keplerstraße.
Die LED-Lampen der elf Lichtmasten waren allerdings nicht ganz aufgedreht, sondern liefen auf Sparflamme. Die meisten Besucher sahen die neue Beleuchtung im Grunde positiv.
"An sich ist es sinnvoll, aber das Licht ist wirklich sehr kalt", bemerkt Paula Braun, die mit einigen Freunden noch zu später Stunde bei einem Picknick zusammensitzt. Eine Stunde vorher - etwa um 22 Uhr - ging das Licht an.
Die 20-Jährige schaut sich um: "Ich glaube, es sind auch mehr Leute da als sonst." Ihr stimmt Benjamin Boblitz zu: "Wenn es jetzt zappenduster wäre, wären wir wohl auch nicht mehr hier. Sonst packt man abends zusammen, sobald es dunkel wird."
Der 22-Jährige hatte gar nicht gewusst, dass die neun Masten Mitte Juni neu aufgestellt und nun in Betrieb gehen sollten. Zwei von ihnen standen schon immer dort. Ihm ist das Licht allerdings auch zu grell: "Straßenlaternenlicht wäre wirklich angenehmer."
Auch interessant
Bereits seit Monaten ist das neue Beleuchtungskonzept im Gespräch. Bürgermeister Wolfgang Erichson hatte dem Stadtteilverein Neuenheim bereits im Februar die Pläne vorgestellt. Der 62-Jährige erhofft sich von den jeweils bis zu 6500 Lumen hellen Leuchten eine Erleichterung bei der Arbeit des kommunalen Sicherheitsdienstes und der Polizei.
Die war am Freitag ebenfalls präsent: An der Theodor-Heuss-Brücke parkten vier Einsatzwagen, und zehn Mann patrouillierten auf dem Gehweg und durchsuchten immer wieder Taschen und Besucher. Die Beleuchtung ist Teil der im Februar geschlossenen Sicherheitspartnerschaft. 30 Polizisten und bei Bedarf sogar eine Reiter- und Hundestaffel stünden für die Sicherung der Neckarwiese zur Verfügung, erklärte Erichson im Februar.
Lichtmasten, die bei voller Leistung die Neckarwiese taghell werden lassen und patrouillierende Polizistengruppen kommen allerdings nicht bei allen gut an: "Das ist eine Auslöschung von kulturellen Räumen", erklärte Leonard Späth.
Der 20-Jährige saß in einer großen Gruppe auf der Wiese hinter dem Wasserspielplatz, wo keine Scheinwerfer aufgestellt sind. Mit dabei war Sahra Mirow. Die Stadträtin hält die Begründung, die Kriminalität auf der Wiese einzudämmen, für nicht haltbar: "An sich ist die Neckarwiese kein Kriminalitätsschwerpunkt", betont Mirow. "Es geht eher darum, die Leute zu vergraulen", vermutet sie. Sie war extra gekommen, um sich die neue Beleuchtung anzusehen.
Von dem Licht überrascht war dagegen Monika Schreckenberger. Als es um Mitternacht gleichzeitig mit den in der Wiese eingesetzten Strahlern ausgeht, ist sie froh, dass bald noch ein Freund vorbei kommt. Ihre beiden Freundinnen stimmen ihr zu: "Mit dem Licht würden wir wahrscheinlich noch länger bleiben", sagen sie.
Schreckenberger meint: "Für Frauen ist es besser, wenn es heller ist. Man sieht sonst gar nicht, wer auf einen zukommt." Die 18-Jährige meint: "Ich fühle mich jetzt auf jeden Fall sicherer als früher."
Wie die Stadt mit dem neuen Beleuchtungskonzept in Zukunft verfahren wird, ist noch offen. Deshalb ist die vierwöchige Testphase angesetzt. Erichson will wissen, wie die Besucher das Licht wahrnehmen - und ob sie gehen, weil es zu grell ist, oder bleiben, weil sie sich sicherer fühlen. Dass das Licht zu einer schönen Atmosphäre beiträgt, fand jedenfalls niemand.