Nächtliche Umarmung

Bringen uns Gewichtsdecken zur Ruhe?

Nachts schlafen wie ein Murmeltier wäre schön. Doch oft sieht die Realität anders aus. Gewichtsdecken versprechen Abhilfe und noch einiges mehr.

18.01.2023 UPDATE: 18.01.2023 08:29 Uhr 2 Minuten, 43 Sekunden
Drei, sieben oder zehn Kilogramm? Bei Gewichtsdecken gilt die Faustregel: Maximal 10 Prozent des eigenen Körpergewichts. Foto: Bernd Diekjobst/dpa-tmn​

Von Christina Bachmann

Kleine Tierbabys dicht am Körper der Mutter getragen. Oder fellige Bündel, die sich beim Schlafen eng aneinander kuscheln. In der Tierwelt ist die körperliche Nähe oft Überlebensprogramm.

Auch Menschen seien letztlich nesthockende Säugetiere und Alleinsein mache sie krank. Das sagt Prof. Martin Grunwald, der das Haptik-Forschungslabor der Universität Leipzig leitet. Haptik, das ist die wissenschaftliche Lehre über das Tastsinnessystem des Menschen.

"Gerade wenn wir schlafen, wollen wir uns möglichst geschützt fühlen", sagt Martin Grunwald. Und: "Das Gefühl dieses Geschütztseins wird wahrscheinlich auch durch Druckreize transportiert."

Eine Decke voller Kügelchen

Hier kommen Gewichtsdecken, die auch als "Therapiedecken" bekannt sind, ins Spiel. Herstellerabhängig sind in ihnen kleine Kügelchen zum Beispiel aus Glas oder Kunststoff eingearbeitet. Das macht sie deutlich schwerer als normale Bettdecken. Somit üben sie einen Druckreiz auf unseren Körper aus.

Und das kann sich richtig gut anfühlen. "Gewichtsdecken vermitteln vielen Menschen offensichtlich ein Gefühl von Geborgenheit und Nicht-Alleinsein", sagt Martin Grunwald.

Allerdings gilt das nicht für alle. Was einigen angenehm ist, können andere nämlich gar nicht vertragen. "Das ist wie bei Berührungsreizen generell. Die einen mögen es, viel und gerne berührt zu werden, andere weniger. Die individuelle Spannbreite ist sehr groß."

Die Schwere tut der Psyche gut

Wer aber eine Gewichtsdecke grundsätzlich als angenehm empfinde, dem könne sie durchaus guttun. So gibt es laut Martin Grunwald Studien zur Wirkung von Gewichtsdecken bei Betroffenen von chronischen Angsterkrankungen: "Die Menschen schlafen besser und haben weniger Angstgedanken."

Autismus, ADHS, Demenz, Depressionen: Bei all dem sollen Gewichtsdecken Abhilfe schaffen können. Und die Liste lässt sich noch weiterführen.

"Die ADHS- und Autismus-Szene arbeitet schon sehr lange mit Gewichtsdecken und -westen", sagt Martin Grunwald. Grundsätzlich sollte man aber pauschalen Versprechungen kritisch gegenüberstehen.