Baden-Württemberg

Der verletzte Beamte kann sich kaum erinnern (Update)

Ein mutmaßlicher "Reichsbürger" sitzt wegen versuchten Mordes auf der Anklagebank. Ein Polizist schildert die dramatische Kontrolle im Schwarzwald.

15.11.2022 UPDATE: 23.11.2022 21:10 Uhr 2 Minuten, 20 Sekunden
Ein 62-Jähriger muss sich vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht verantworten. Foto: dpa

Von Theodor Westermann, RNZ Stuttgart

Stuttgart. Das ganze nächtliche Geschehen auf der Bundesstraße 3 bei Efringen-Kirchen (Kreis Lörrach) spielte sich am 7. Februar 2022 in wenigen Sekunden ab – und wurde am Mittwoch im Gerichtssaal in Stuttgart in der ganzen Dramatik wieder lebendig. "Es war dramatisch zu sehen, wie der Kollege angefahren wurde", schilderte ein Polizist als Zeuge.

Zusammen mit einem weiteren Kollegen der Polizeihundestaffel hatte er den nach einer Verkehrskontrolle flüchtigen und offenbar betrunkenen Manfred J. verfolgt. Jener stoppte schließlich unvermittelt, die beiden Beamten waren ausgestiegen und gingen zum Wagen, die Türen waren aber verschlossen. Einem dritten, hin zu geeilten Polizisten gelang es, seinen Wagen auf der Fahrbahn vor J. querzustellen.

Seit 14. November muss sich der 62-jährige Manfred J. aus Efringen-Kirchen vor dem Oberlandesgericht Stuttgart der Anklage wegen versuchten Mordes und anderer Tatvorwürfe stellen. Durch seine mutmaßliche Zugehörigkeit zur Reichsbürgerszene steht ein terroristischer Hintergrund im Raum. Am dritten Verhandlungstag waren beteiligte Polizisten als Zeugen geladen.

Der bei der Aktion schwer verletzte Beamte, ein Polizeihauptkommissar und erfahrener Dienstgruppenleiter der Verkehrspolizei, war aus seinem quergestellten Wagen ausgestiegen und dem stehenden Auto entgegengelaufen. Manfred J. gab aber wieder Gas und steuerte laut den Zeugenaussagen der beiden anderen Polizisten auf den Hauptkommissar zu. " J. hätte dem Kollegen ausweichen können, es war ausreichend Platz", so die klare Aussage eines der Polizisten. Dem Hauptkommissar gelang es zwar noch, einen Schuss abzugeben, wurde aber auf die Motorhaube aufgeladen, dann wieder abgeworfen und dabei schwer verletzt. "Um seinen Kopf war alles voller Blut", so einer der Beamten.

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Der Hauptkommissar hatte das Bewusstsein verloren, schwere Kopfverletzungen stellten die Ärzte fest, darunter mehrere Knochenbrüche im Gesicht, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Hirnblutung. Bis heute ist er krankgeschrieben. Der Vater von drei kleinen Kindern leidet massiv an den Folgen des Geschehens, wie er eindrücklich vor den Richtern schilderte. Bis heute befindet er sich wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in Behandlung, an einen Wiedereinstieg in den Beruf ist zur Zeit nicht zu denken. Angesichts des Prozesses wurden auch seine Schlafstörungen wieder schlimmer. "In meinen Träumen sehe ich Scheinwerfer und die Silhouette einer Windschutzscheibe". An das direkte Tatgeschehen hat er aber keine Erinnerung mehr. Er erinnert sich nur noch daran, wie er schnell mit der Waffe in der rechten Hand auf das Auto zulief, um zu verhindern, ...

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