AKW Neckarwestheim

Atomkraftgegner fordern Abschaltung des Risse-Reaktors

Die Gegner verweisen auf Schäden an Heizrohren. Habeck will den Meiler jedoch als Notreserve bereithalten.

21.09.2022 UPDATE: 22.09.2022 20:27 Uhr 4 Minuten, 14 Sekunden
„Reaktoren jetzt abschalten“, fordern Atomkraft-Gegner vor dem AKW Neckarwestheim. Mehrere Risse an den Heizrohren der Dampferzeuger rufen Besorgnis hervor. Ob das Kraftwerk als Notreserve weiterlaufen darf, wird das Verwaltungsgericht Mannheim entscheiden. Foto: dpa

Von Michael Abschlag

Heidelberg. "Ein Bruch von Heizrohren ist nicht ausgeschlossen." Wenn Armin Simon diesen Satz sagt, klingt er besonders beunruhigend. Simon ist Mitglied und Sprecher der Anti-Atomkraft-Organisation "ausgestrahlt", und die Heizrohre, über die er spricht, befinden sich im Atomkraftwerk Neckarwestheim – einem von zwei AKW, die nach den Plänen der Bundesregierung von Januar bis April als Notfallreserve am Netz bleiben sollen, um bei Energieengpässen die Stromversorgung zu sichern.

Doch diese Pläne stehen auf der Kippe. Am Montag waren Sicherheitsmängel im bayerischen Kernkraftwerk Isar 2 festgestellt worden, es muss nun repariert werden. Am Mittwoch hatten nun "ausgestrahlt" und der "Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar" (BBMN) auf Risse in Röhren in Neckarwestheim 2 hingewiesen. Von rund 350 Rissen, darunter 36 neuen, sprechen die Organisationen unter Berufung auf Zahlen des Umweltministeriums. Zwei Anwohner haben bereits Klage gegen die Betriebserlaubnis eingereicht, am 14. Dezember wird vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim darüber verhandelt.

Betroffen sind sogenannte Dampferzeuger-Heizrohre, wie Simon am Donnerstag auf einer Pressekonferenz von "ausgestrahlt" und BBMN erläutert. Sie gehören zu den sogenannten Dampferzeugern, haushohen Bauteilen, von denen sich in den laufenden AKW jeweils vier Stück befinden. "Sie funktionieren im Prinzip wie ein riesiger Wasserkocher", so Simon. In ihnen befinden sich die u-förmigen Heizrohre, durch die mit hohem Druck erhitztes, radioaktives Wasser gepresst wird. "Dabei gibt es seine Wärme an das umgebende Wasser ab, und so entsteht der Dampf, der die Turbinen antreibt." Die Wände sind dünn, im Laufe der Jahre hätten sich durch Korrosion feine Risse gebildet. Und: "Das Wachstum der Risse lässt sich nicht sicher vorhersagen."

Insgesamt gebe es "16.000 Dampferzeuger-Heizrohre pro Reaktor", führt der Atomkraft-Experte aus: "Weil sie so dünn sind, damit sie die Wärme gut abgeben können, sind sie die neuralgische Stelle. Deshalb müssen sie nicht nur dicht, sondern auch sehr stabil sein." Obwohl teils seit 2018 bekannt, seien viele der Risse nicht wirksam behandelt worden. "Das Bersten von nur einem einzigen Rohr wäre ein schwerer Störfall."

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Aber wie sind die Risse entstanden? "Empfindlichkeit, Zugspannungen und Angriffsmittel" seien die entscheidenden Ursachen, erläutert Dieter Majer, früherer Leiter der Unterabteilung "Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen" im Bundesumweltministerium. Das "Angriffsmittel" seien vermutlich Chloride gewesen, entstanden durch "falsche Chemikalien im Kühlkreislauf".

Hinzu komme ein technisches Problem: Normalerweise gibt es ein ...

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