Häusliche Gewalt

Jede Stunde gibt es 13 Übergriffe

Polizeiliche Kriminalstatistik zu Gewalt in Partnerschaften. Gewalt wird oft nicht zur Anzeige gebracht.

25.11.2022 UPDATE: 25.11.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 28 Sekunden

Von Mareike Kürschner, RNZ Berlin

Berlin. In ihrem Job vor dem Ministeramt sei sie oft mit in Wohnungen gewesen, wenn die Polizei wegen häuslicher Gewalt gerufen wurde, erzählt Innenministerin Nancy Faeser (SPD). Dann hätten die Beamten die Frauen zur Seite genommen, meist in einen separaten Raum, und ihnen die Rechtslage erklärt.

Dennoch komme es oft eben doch nicht zu Anzeigen durch die Opfer, bedauert die Politikerin, die einst als Rechtsanwältin arbeitete. "Zeigen Sie die Taten an", appellierte Faeser deshalb mit Frauenministerin Lisa Paus (Grüne) und dem Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, die zusammen am Donnerstag in Berlin die polizeiliche Kriminalstatistik zu Partnerschaftsgewalt vorstellten. Die Kernaussage ist: Frauen sind besonders betroffen von Gewalt in Beziehungen. Jede Stunde wurden im Jahr 2021 in Deutschland 13 Frauen Opfer der Brutalität ihres aktuellen oder ehemaligen Partners. Das jedoch sind nur die Zahlen, die der Polizei bekannt sind. Sie gingen sogar leicht zurück. Doch die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Mit der Erzählung aus der eigenen Berufspraxis bringt Faeser auf den Punkt, was also immer noch ein großes Problem für Polizei und Politik darstellt: Dass viele Frauen sich nicht trauen, Taten zur Anzeige zu bringen und damit die Gewaltspirale zu durchbrechen.

Während zwar 2021 im Vergleich zum Vorjahr die Fälle von Gewalt in Partnerschaften leicht um 2,5 Prozent zurückgingen – von fast 146.700 im Jahr 2020 auf 143.000, ist im Fünfjahresvergleich ein Anstieg bei der Zahl der erfassten Opfer von 3,4 Prozent zu verzeichnen. Warum 2021 die Zahlen rückläufig waren – darüber rätselten Faeser, Paus und Münch. So haben die wegen Corona verhängten Beschränkungen zumindest statistisch nicht zu einem signifikanten Anstieg der Fälle von Partnerschaftsgewalt geführt.

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Allerdings sei es möglich, dass die Situation während der Pandemie auch das Anzeigeverhalten von Opfern beeinflusst hat, so Faeser. Denn häufig würden Gewalttaten zunächst im Umfeld der Betroffenen wahrgenommen, die dann zum Handeln ermutigt würden. Gerade in der Pandemie seien Frauen aber beispielsweise im Homeoffice gewesen und nicht mehr im gewohnten beruflichen Umfeld.

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" verzeichnete jedenfalls in den Pandemie-Jahren einen deutlichen Anstieg an Beratungen. 54.000 Mal seien sie telefonisch 2021 unterstützend tätig geworden, sagte die Leiterin der Einrichtung, Petra Söchting. Beratungen zum Thema häusliche Gewalt machten mit 60 Prozent den größten Teil der Anfragen ...