Walldorf. (rö) Walldorfs Kämmerei hat ihre Altlasten abgearbeitet und ist auf dem aktuellen Stand: In der letzten Sitzung 2019 konnte Boris Maier dem Gemeinderat die Jahresrechnung 2018 vorlegen, im Lauf des Jahres hatte er bereits die Zahlen für 2014 bis 2017 präsentiert. Und auch aktuell fällt das Ergebnis wieder deutlich erfreulicher als die Planung aus: Das Jahr schloss mit einem Finanzierungsmittelüberschuss von 35 Millionen, erwartet hatte der Kämmerer ein Minus von 55 Millionen.
Grund für die Diskrepanz ist vor allem die extrem höher ausgefallene Gewerbesteuereinnahme: Im Haushaltsplan hatte man mit 120 Millionen Euro gerechnet, tatsächlich eingenommen wurden 210 Millionen, vor allem dank nicht erwarteter Steuernachzahlungen. Das sei "schon eine relativ große Summe", so Maier, allerdings "kein ganz neues Hoch". Denn: "Das werden wir dieses Jahr haben", geht die gute finanzielle Entwicklung nach seinen Worten weiter. Im Plan blieb dagegen zum Beispiel der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer mit 10,4 Millionen.
Auf der Ausgabenseite stieg die Gewerbesteuerumlage um 23,3 auf 54,3 Millionen Euro an. Bei den Bauprojekten wurden von geplanten rund 29 Millionen nur 14,8 Millionen zur Auszahlung gebracht – laut Maier werden die Auszahlungen vor allem bei den großen Projekten "durch Verzögerungen beim Baufortschritt oder bei der Abrechnung" in die folgenden Jahre verschoben. Im eigentlich positiven Fazit des Kämmerers schwang ein kleiner Wermutstropfen mit: "Die Geldanlagen gehen immer weiter nach oben, die Zinsen nach unten." Die liquiden Mittel der Stadt hatten zum Jahresende 2018 eine Höhe von 448 Millionen Euro.
Gar von einer "Punktlandung" konnte für den Eigenbetrieb Wohnungswirtschaft dessen Leiter David Högerich berichten: Der Jahresfehlbetrag liegt wie geplant bei rund 230.000 Euro.
"Ein ertragsreiches Haushaltsjahr" sah für die CDU Jutta Stempfle-Stelzer. Sie sprach die Verpflichtung an, "angemessen und planvoll mit den Geldern umzugehen". Manfred Zuber (SPD) sah sich "mit Zahlen erschlagen", nachdem nun innerhalb eines Jahres neben der Eröffnungsbilanz auch ganze fünf Jahresrechnungen vorgelegt wurden. Die Forderung des Gemeinderats, darauf zu drängen, sei aber "mehr als berechtigt" gewesen und man gehe davon aus, dass es künftig "nicht mehr so lange dauert".
Aus Sicht von Wilfried Weisbrod (Grüne) dürfe man nicht vergessen, dass der Rhein-Neckar-Kreis "am Tropf" der Gemeinden Walldorf und St. Leon-Rot – und deren dank SAP hoher Gewerbesteuereinnahmen – hänge. Die Astorstadt spüre aber auch die Kehrseite dieser Entwicklung: "Siedlungsdruck, Verkehr, ökologische Auswirkungen." Für Matthias Renschler (FDP) war in der Jahresrechnung "alles gut, die Zahlen sind hervorragend".