Mannheim

Regenbogen-Architektur statt Regenbogen-Binde

Die Mannheimer Ausstellung zeigt queere Baukunst mit augenzwinkernden Anspielungen.

24.11.2022 UPDATE: 24.11.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 14 Sekunden
Blick in die aktuelle Mannheimer Architektur-Ausstellung. Foto: Marco Partner

Von Marco Partner

Mannheim. David Hockney, Freddie Mercury, Guido Westerwelle: Schwule Künstler, Musiker oder Politiker sind längst kein Geheimnis mehr. In der Welt der Architektur stellt Homosexualität aber ähnlich wie beim Fußball, bei dem gerade um Regenbogen- und One-Love-Binden gestritten wird, immer noch ein Tabu dar. Mit der Ausstellung "Das Coming-Out der Architektur" soll damit gebrochen werden. Der Mofa-Verein, Mannheims Ort für Architektur, hat dafür die deutschlandweit erste queere Baukunst-Schau ins Kreativwirtschaftszentrum C-HUB in den Jungbusch geholt.

Ist es relevant, ob ein Architekt schwul oder eine Architektin lesbisch ist? Für das Gebäude und deren Bewohner mag das zweitrangig sein. Uwe Bresan, selbst Architekt im Ruhrgebiet, hat diese Frage zunächst einmal historisch beantwortet. Gemeinsam mit dem Frankfurter Architekturhistoriker Wolfgang Voigt hat er den Band "Schwule Architekten – Verschwiegene Biografien vom 18. bis zum 20. Jahrhundert" herausgebracht. Porträts von Eduard van der Nüll, dem Schöpfer der Wiener Hofoper, dem Hamburger Stadtbaurat Fritz Schumacher bis hin zur ersten Trans-Architektin Hildegard Schirmacher kommen dabei zum Vorschein. Und mit ihnen die andauernde Angst vor Entdeckung und strafrechtlicher Verfolgung, weshalb viele Architekten ihre sexuelle Identität nur im Verborgenen ausleben konnten.

Das Buch ist auch die Vorlage für die Ausstellung. Dabei wird jedoch weniger auf die Vertreter der Vergangenheit eingegangen, vielmehr werden bekannte Bauwerke spielerisch und humorvoll mit erotischen Bildmotiven und "schwul" wirkenden Attitüden aufgeladen. In einem Raum dominieren rote Skulpturen, die sich zu Gebäuden auftürmen. Mit schweren Ketten sind sie behangen, und viele kleine Bildchen daran gepinnt. Darauf sind Posting-Collagen von "TheQueerArchitect" zu entdecken, einer anonymen Künstlergruppe, die auf Instagram ikonische Bauwerke gerne ironisch umdreht.

Ein muskelbepackter Arnold Schwarzenegger posiert vor Le Corbusiers Weissenhofsiedlung, Star-Wars-Schauspieler Adam Driver reitet mit nacktem Six-Pack-Bauch vor einer rosa Ranch des mexikanischen Architekten Luis Barragán. Selbst vor Altmeistern wie Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) wird nicht Halt gemacht. Was wäre denn, wenn sich im Becken des berühmten Barcelona-Pavillons statt Georg Kolbes graziler Frauengestalt ein nackter Faun rekelte? Würde das Meisterwerk der Moderne seine Unschuld verlieren? Und nahm ...

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