Bewerbungsfoto

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So wichtig ist das Bewerbungsfoto

29.01.2018 UPDATE: 29.01.2018 14:33 Uhr 2 Minuten, 44 Sekunden
Ohne Foto geht es meistens nicht, sagen Experten - auch wenn es rechtlich gesehen keine Pflicht sein darf.​  Foto: Christin Klose/dpa

Berlin/Reichenbach (dpa)  Besonders attraktiv muss auf seinem Bewerbungsfoto niemand sein - aber sympathisch. "Das Foto ist der emotionale Weichensteller", sagt bewerbungs- und Karrierecoach Jürgen Hesse. Damit das gelingt, gibt es jedoch einiges zu beachten - den Adressaten zum Beispiel.

Denn was bei Bewerbungsfotos für manche Unternehmen durchaus angemessen ist, wirkt bei anderen übertrieben. Hosenanzug oder Hemd und Krawatte sind also nicht immer das passende Outfit. Und wer sich bei einer Werbeagentur oder auf andere Jobs in der Kreativbranche bewirbt, könne neben einem lässigen Outfit ruhig auch einen ungewöhnlichen Bildausschnitt wählen, sagt Judith Engst, die ein Buch zum Thema geschrieben hat. Bei Banken hingegen sei nach wie vor konservative Kleidung gefragt.

Rechtlich gesehen sind Bewerbungsfotos inzwischen nicht mehr erforderlich. Denn seit 2006 gilt in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Es soll verhindern, dass Menschen bei der Einstellung diskriminiert werden – beispielsweise aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihres Alters. "Die gesetzliche Lage sieht vor, dass die Auswahl nur auf fachlicher Qualifikation beruhen darf", erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Sozialrecht. Ein Foto ist daher kein Muss.

Praktisch sei es allerdings schwierig, eine Diskriminierung aufgrund eines Fotos nachzuweisen, wenn dessen Einsendung nicht gerade aktiv eingefordert wurde. "Dazu gibt es bisher keinerlei Rechtsprechung", sagt die Anwältin. Und die meisten Personaler wollen noch immer ein Fotos sehen - weil sie wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben, wie Judith Engst erklärt. "Da klaffen Theorie und Praxis auseinander."

Zumindest ist das in Deutschland so. In den USA hingegen werden schon länger anonyme Bewerbungsverfahren verwendet, erklärt Bernd Blessin aus dem Präsidium des Bundesverbands der Personalmanager (BPM). Große Unternehmen, die international agieren, wenden diese Methoden zunehmend auch in Deutschland an. Dabei geht es vor allem darum, Klagen wegen Diskriminierung zu vermeiden. "Aber ich glaube nicht, dass dieser Trend in dieser Breite im deutschen Mittelstand ankommen wird."

Jürgen Hesse bezeichnet das Foto sogar als den wichtigsten Teil einer schriftlichen Bewerbung - auch wenn das vielen nicht bewusst sei. Dabei könne ein sympathisches Bild den Ausschlag für die Einladung zum Gespräch geben, wenn man dadurch aus der Reihe der vielen qualifizierten Bewerber hervorsticht.

Bernd Blessin kennt das aus der Praxis: Er hat unter anderem bei Coca-Cola und Gerling als Personaler gearbeitet und leitet nun das Personalmanagement bei der Vereinigten Postversicherung (VPV). Wenn ...