Eppelheim

Traditions-Bäckerei Stern ist Geschichte

Jürgen Höhnle geht nach 50 Arbeitsjahren in den Ruhestand. Ein Nachfolger fand sich nicht. "Bäcker ist ein aussterbender Beruf", sagt er.

01.08.2022 UPDATE: 01.08.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 33 Sekunden
Diesen Ofen hat Bäcker Höhnle täglich benutzt. Ab heute nicht mehr. Foto: Hüll

Von Felix Hüll

Eppelheim. Auf den Tag genau 50 Jahre, nachdem Jürgen Höhnle in der Kirchheimer Straße 2 am 1. August 1972 bei seinem Vater als Bäcker angefangen hat, dreht er jetzt den Schlüssel endgültig rum: Seit Montag ist die Bäckerei Stern Geschichte.

Und das nicht nur als Nahversorger mit Brötchen, Konditorwaren und als Café sowie Treffpunkt direkt an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 22. Auch die Kantinen von SAP, Prominent, des Caritas-Altenheims oder – natürlich – der Wild-Werke haben ab jetzt einen neuen Lieferanten für frische Backwaren – Bäcker Höhnle hat aufgehört. Damit endet dieser Handwerksbetrieb in der vierten Generation.

Begonnen hat ihn Jakob Stern mit seiner Frau Elisabeth 1901. Bei "Bäckerei und Kolonialwaren" gab’s neben Lebensmitteln über Backwaren hinaus auch Waschmittel oder ein Petroleumfass – ein "Nahversorger", bei dem man klopfen konnte, etwas besorgen und danach zu Hause weiter kochen.

1948 starb der Gründer. Einer seiner vier Söhne, Adam, übernahm mit Frau Gertrud und den Töchtern Käthe und Silvia nach der Inflation die Bäckerei. In den 1950er Jahren entstand das noch heute bestehende Gebäude der Bäckerei Stern. In den 70er Jahren wurde modernisiert.

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1975 übernahm Adam Sterns Tochter Käthe mit ihrem aus Plankstadt eingeheirateten Mann Wolfgang Höhnle die Bäckerei. Jürgen Höhnles Vater starb Ende der 80er Jahre, aber Mutter Käthe und Sohn Jürgen führten den Betrieb weiter, bauten erneut aus, erneuerten die Betriebstechnik und erweiterten das Geschäft beim Beliefern externer Großkundschaft.

2008 ging die Firma komplett auf Jürgen Höhnle über. 14 Jahre später steht der Urenkel des Gründers an der Pensionsaltersgrenze. "Bäcker ist ein aussterbender Beruf", sagt Höhnle, der von nur noch drei Lehrlingen im Rhein-Neckar-Kreis weiß – allesamt Söhne von Bäckermeistern. Zumindest in diesen Fällen werden sie den ererbten Betrieb wohl noch weiterführen wollen.

Letztmals am Samstag gab’s in der Bäckerei Stern gefüllte Auslagen im Verkauf. Foto: Hüll

Zum letzten Verkaufstag am Samstag füllte sich der Verkaufsraum der Bäckerei Stern mit Kunden, die neben den letzten Einkäufen hier nette Worte wechselten, wie etwa Jürgen Höhnles einstmaliger Eppelheimer Lehrer Franz Pitronik.

Dieser erinnerte sich, "als wäre es gestern gewesen" daran, dass 1961 "der Jürgen" eingeschult wurde, während im selben Jahr seine Tante Silvia die Schule verließ: Silvia Kamuf war eigens aus der Pfalz "zum Abschied" gekommen, ebenso Anita Windorfer, die zweite Enkelin des Bäckereigründers Jakob Stern.

Ort des Geschehens

Gemeinsam dankten diese Enkelinnen des Bäckereigründers sowie der Urenkel Jürgen Höhnle jetzt den letzten Kunden "für kurze oder jahrzehntelange Treue".

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