Weinheim

Die Mischung aus Fuß- und Abiball war geglückt

Abschlussfeier des Bonhoeffer-Gymnasiums und Deutschland gegen Spanien liefen parallel. Bei "Major Tom" gab’s kein Halten mehr.

09.07.2024 UPDATE: 09.07.2024 04:00 Uhr 3 Minuten
Großer Jubel brandete auf, als die 83 Absolventinnen und Absolventen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums die Zeugnisse von ihren Kursleitern erhielten. Foto: Kreutzer

Von Edda Nieber

Weinheim. Grund zum Jubeln gab es am Freitag in der Stadthalle trotz des deutschen EM-Dramas reichlich. Beim Abiball des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums wurden 83 schicke, stolze und aufgeregte junge Menschen aus ihrer Schulzeit verabschiedet. Nervös saßen die Abiturienten in den vordersten Reihen, während das Schulorchester sie beschwingt und fetzig auf den Abend einstimmte, mit dem sie einen wichtigen und prägenden Lebensabschnitt besiegeln sollten. Dass sie gleich ihr letztes Zeugnis bekommen, klinge seltsam, so die kommissarische Schulleiterin Andrea Volz: "Aber ich finde, das klingt auch wahnsinnig gut!". Es fühle sich noch sehr unwirklich an, gab Scheffelpreisträgerin und Abiturientin Josefine Hettche zu: "Ich bin erleichtert, aber auch traurig über das, was jetzt zu Ende geht."

Schulstreik in Elternrede erwähnt

Es sei Tradition, sich in der Abi-Rede auf das Motto zu beziehen, wusste wiederum Schulleiterin Volz, im Falle des Bonhoeffer-Gymnasiums lautet dies: "Mabio Kart – nach zwölf Jahren im Ziel". Obwohl sie einräumte, nicht viel über das Videospiel "Mario Kart" zu wissen und mit Hilfe eines Kollegen in diese Welt eingeführt worden zu sein, fand sie Parallelen zu den Abiturienten und deren Schulzeit: "Zwölf Jahre seid Ihr wie Mario und seine Freunde immer wieder mutig an die Startlinie getreten, um Runde um Runde im Rennen um die Abiturtrophäe zu absolvieren."

Was die Abiturienten auf diesen Runden erlebt hatten, zeigte Volz in einer Fotopräsentation, die mit Klassenfotos und Bildern von Ausflügen und Projekttagen einige Erinnerungen weckte und die Absolventen zum Schmunzeln, Lachen und Juchzen brachte. Auch die Eltern hatten, neben einigen Dankesworten, eine kleine Präsentation vorbereitet, auf der man unter dem Motto "Von der Schultüte zum Abiball" Kinderbilder und aktuelle Fotos sah, die einmal mehr verdeutlichten, wie sehr sich die eigenen Kinder in und durch die Schulzeit verändert hatten.

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Der Weg sei kein leichter gewesen, so Volz, obwohl sie es ihnen Schülern von Herzen gegönnt hätte: So erinnerte sie an die Coronapandemie, unter der der Jahrgang besonders litt. "Ihr habt Krisen gemeistert", betonten auch die Eltern und kamen kurz auf den Streik zu sprechen, der Ende letzten Jahres die Schulgemeinschaft in die Schlagzeilen brachte. So dankten die Elternvertreter einem damals an eine andere Schule abgeordneten Verbindungslehrer für dessen "Mut". Die von vielen als "Zwangsversetzung" eingeordnete Maßnahme des Regierungspräsidiums Karlsruhe sollte laut Behördenangaben zur Wiederherstellung des Schulfriedens beitragen, der im Zuge von innerschulischen Konflikten und offener Kritik an der damaligen (und dann zurückgetreten) Schulleiterin gefährdet gewesen sei.

Die heutigen Abiturienten hätten nie aufgegeben und seien zu souveränen Rennfahrern geworden, lobte wiederum die Schulleiterin im Kontext des Abi­mottos. Sie betonte das Engagement vieler Schüler, etwa in der SMV, dem Chor oder der Theater-AG. Auch das Orchester werde langjährige Mitglieder verlieren, bedauerte dessen Leiter Wolfram Schmidt und bedankte sich bei zwölf Abiturienten, die an ihrem großen Tag mit Instrumenten auf der Bühne standen.

Anders als die Protagonisten des Videospieles hätten die Schüler nicht alleine, sondern gemeinsam gekämpft, betonte Volz. So auch bei den Prüfungen, die manche noch am Tag des Abiballs absolvierten. Nach der Anspannung Freude und Erleichterung zu sehen, berühre und mache diesen Tag zum schönsten des Schuljahrs. Ein schöner Tag sollte auch der des Abiballes werden, obwohl einige sicher lieber Fußball geschaut hätten und vielleicht auch kurz haben. "Wir haben uns den Termin nicht ausgesucht", so eine Abiturientin, die Volz für ihre emotionalen Worte dankte und versprach, den Spielstand durchzusagen.

Mit dem "Final Countdown" erhoben sich dann die Absolventen und wurden, jeder mit eigenem Lied, auf die Bühne gerufen, wo sie sich das lang ersehnte Zeugnis abholten. Unter tosendem Applaus betraten die vier Kurse, einer nach dem anderen, die Bühne und den neuen Lebensabschnitt; die meisten in Ballkleidern oder mit Anzug und Krawatte, mit federndem Schritt und Strahlen im Gesicht. Bei manchen Absolventen war man sich nicht sicher, ob es sich um Torjubel oder Glückwünsche handelte, so stimmkräftig wurden sie beglückwünscht. Spätestens als zwei ihrer Mitschüler zu "Major Tom" einliefen, grölte die Halle aus vollen Kehlen. Die Mischung zwischen Fuß- und Abiball, irgendwie schienen sie sie hinzubekommen, und kurz nach Ende des offiziellen Teils bejubelte man den zwischenzeitlichen Ausgleich Deutschlands gegen Spanien.

Auf die Zeugnisvergabe folgte die Preisverleihung, die viele betraf. Insgesamt war der Jahrgang mit einem Schnitt von 2,2 (ohne Berücksichtigung einiger Nachprüfungen) erfolgreich. Danach schienen es die Abiturienten nicht mehr auf ihren Stühlen auszuhalten, weshalb sich die Reihen leerten und das Orchester etwas unterging. Zur Rede der Scheffelpreisträgerin Josefine Hettche waren sie dann aber wieder da.

"Get ready for this", sage eine Figur aus dem Videospiel, wenn sie sich auf Neues vorbereitet, wusste Volz: "Und Ihr seid ready". Mit guten Ratschlägen und einem Zitat von Schulnamensgeber Dietrich Bonhoeffer verabschiedete sie den Jahrgang in eine ausgelassene Feier mit Familien, Freunden und Lehrern.

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