Mosbach

Montagsspaziergängerin soll 1750 Euro zahlen

Verhandlung vor dem Amtsgericht: Die Richterin folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger kündigte Berufung an.

22.11.2022 UPDATE: 21.11.2022 16:11 Uhr 1 Minute, 48 Sekunden
Corona-Protest in Thüringen
Symbolfoto: dpa

Mosbach. (cao) "Das Urteil werden wir so nicht auf uns sitzen lassen", erklärte Verteidiger Thomas Amann gegenüber der RNZ. Fünf Minuten zuvor war seine Mandantin vor dem Mosbacher Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen à 50 Euro verurteilt worden.

Ohne Abstriche war Richterin Angela Haaß damit den Forderungen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Nach dem Teilgeständnis der Angeklagten sowie der Aussage von sechs Zeugen sah sie es als erwiesen an, dass die 30-Jährige Ende Januar einen nicht angemeldeten und damals auch per Allgemeinverfügung von der Stadt Mosbach ausdrücklich untersagen sogenannten Montagsspaziergang durch die Innenstadt angeführt hatte.

Ihr Verteidiger hatte auf eine Verwarnung mit Strafvorbehalt und entsprechenden Auflagen gehofft. Seine Mandantin habe nicht vorsätzlich gehandelt. Dass die Veranstaltung hätte angemeldet sein müssen, bzw. Montagsspaziergänge in Mosbach zu dieser Zeit verboten waren, sei ihr nicht bekannt gewesen. "Wir werden definitiv in Berufung gehen", machte Amann nach dem Urteilsspruch am gestrigen Montag deutlich.

Gleich zu Beginn der Verhandlung räumte die Angeklagte ein, einige der am 24. Januar 2022 auf Château-Thierry-Platz versammelten rund 150 "Spaziergänger" zum Loslaufen aufgerufen zu haben. Organisatorin des Protests gegen die Corona-Maßnahmen sei sie aber keinesfalls gewesen. "Ich war an dem Tag zum ersten Mal auf einem Spaziergang. Mein Nachbar hatte mich dazu eingeladen." Dort habe sie sich "von der Stimmung mitreißen lassen", sei in ihrer Begeisterung übermotiviert gewesen. Als sich einige Teilnehmende vorne in Bewegung setzten, habe sie jene weiter hinten nur darauf aufmerksam machen wollen. Warum sie bei der polizeilichen Vernehmung den Vorwurf denn vehement abgestritten habe, wollte die Staatsanwältin wissen. "Ich hatte Panik und wegen der Impfpflicht sowieso schon Existenzängste", so die Pflegehelferin.

Die ersten beiden Zeugen – eine Spaziergängerin sowie der besagte Nachbar – bestätigten die Einlassungen der 30-Jährigen nicht. Sie könne sich weder an die Angeklagte erinnern, noch an irgendwelche Aufrufe, sagte die Zeugin aus. Allein die Namen der Polizisten, die bei der Feststellung der Angeklagten auch ihre Personalien aufgenommen hatten, waren ihr noch im Gedächtnis. Der Nachbar betonte mehrmals, zuerst die "Versammlung vom Bürgermeister auf dem Marktplatz" besucht zu haben. Eigentlich habe er dann mit der Angeklagten Essen gehen wollen, sei auf dem Château-Thierry-Platz aber auf eine weitere ...

Auch interessant
Mosbach: Erst kam die Soli-Demo, dann die Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen
Mosbach/Buchen: Nächster Spaziergänger verurteilt
Dieser Artikel wurde geschrieben von:
(bearbeitet)
(zur Freigabe)
Möchten sie diesen Kommentar wirklich löschen?
Möchten Sie diesen Kommentar wirklich melden?
Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet. Er wird von uns geprüft und gegebenenfalls gelöscht.
Kommentare
Das Kommentarfeld darf nicht leer sein!
Beim Speichern des Kommentares ist ein Fehler aufgetreten, bitte versuchen sie es später erneut.
Beim Speichern ihres Nickname ist ein Fehler aufgetreten. Versuchen Sie bitte sich aus- und wieder einzuloggen.
Um zu kommentieren benötigen Sie einen Nicknamen
Bitte beachten Sie unsere Netiquette
Zum Kommentieren dieses Artikels müssen Sie als RNZ+-Abonnent angemeldet sein.