Schönbrunner Gemeinderat kritisiert Windenergie-Debatte

Schönbrunner CDU-Gemeinderat Ingo Kreutzer beklagt Unzureichendes der Windenergiedebatte in der Verwaltungsgemeinschaft

05.05.2015 UPDATE: 06.05.2015 06:00 Uhr 3 Minuten, 24 Sekunden

Foto: dpa

Von Felix Hüll

Schönbrunn/Eberbach. Wirtschaftliche Einzelinteressen beherrschen die Windkraftdebatte; wer am Hebert Rotoren hinstellt, zerstört mehr, als er an Nutzen dabei heraus bekommt. Das sagt Ingo Kreutzer. Der pensionierte Unternehmensberater und Chemiker ist gleichzeitig Schönbrunner CDU-Gemeinderat und Mitbegründer der "Bürgerinitiative gegen naturfeindlichen Windkraftausbau". Im RNZ-Interview beklagt er, dass die Bürger und ihre politischen Vertreter nicht die erforderlichen Informationen erhalten, um eine gute Grundlage für ihre Entscheidung zu haben.

Was halten Sie von der aktuellen Windkraft-Diskussion?

Die Informationen sind unvollständig, gar irreführend. Nehmen Sie die Fotomontage, die bei der Infoveranstaltung der Stadt Eberbach gezeigt wurde. Sie ist unehrlich: auf der Aufnahme sind die Windräder kaum wahrzunehmen; sie sind in entsprechendem Licht aufgenommen und so einmontiert, dass gerade nicht der Eindruck aufkommt, den man erhält, wenn man von der Bundesstraße her sich fünf Kilometer vor Beerfelden die Windräder bei Erbach dort anschaut.

Es wird den Leuten auch nicht gesagt, dass Windräder laut sind. Natürlich ist das Rauschen vergleichsweise gering. Aber es hat den Charme eines tropfenden Wasserhahns. Das ist ein nächtlich deutlich wahrnehmbares, periodisch wiederkehrendes Geräusch. Einen tropfenden Hahn im Haus würde auch niemand akzeptieren. Auch nicht gesprochen wird über die Flughafenatmosphäre - das ständige Blinken der Warnleuchten. Auch zum Wertverlust von Immobilien oder zur Auswirkung auf Tourismus habe ich nichts gehört.

Warum geht Windenergie im Kleinen Odenwald am Hebert nicht?

Es geht um den Einfluss auf Menschen wie auf Tiere. Über Infraschall wird viel gestritten. Ich selbst habe noch vor etwa 30 Jahren eine über entsprechende Leiden klagende Frau für überempfindlich gehalten. Das war damals mein erster eher zufälliger Kontakt mit dem Thema Windenergie. Ich war im technischen Kundendienst und Verkauf in Dänemark unterwegs. Das Land gehört mit zu den Vorreitern bei Windkraft. Ein Geschäftspartner dort berichtete, dass rund 200 Meter von seinem Wochenendhaus ein Windrad steht. Seither klage seine Frau über Unruhe, Herzrasen und dass sie nicht schlafen könne. Wieder daheim in Kopenhagen habe sie keine Symptome mehr. Das kam mir jetzt wieder, seit ich mich in Schönbrunn mit Windkraftausbauplänen beschäftige und ich etwa letztes Jahr den Bericht über Auswirkungen von Windrädern auf eine dänische Nerzfarm las. Dort bissen sich die Tiere tot, andere hatten in auffallend hoher Zahl Fehlgeburten. Mittlerweile wartet man in Dänemark beim weiteren Ausbau der Windenergie an Land eine Studie ab, die 2017 fertig gestellt werden soll.

Und Sie? Auf welche Gutachten und Grundlagen beziehen Sie sich?

Sie können im Internet vieles selbst nachlesen. Ich empfehle Ihnen zudem eine Sendung von Report Mainz zum Thema und Zeitungsartikel. Zum Vorkommen von durch EU-Recht geschützten Vogelarten wie Wespenbussard oder Rotmilan weiß ich’s aus eigener Anschauung: ich bin Jäger und habe Belege dafür, dass wir hier drei Brutpaare Rotmilane und ein Brutpaar Wespenbussard haben, was inzwischen die Ornithologin im Rahmen eines für Reichartshausen angestrengten Gutachtens mir abseits davon bestätigt hat. In Eberbach hat auch der NABU ein Wespenbussardvorkommen eingeräumt.

Welchen Beitrag an erneuerbaren Energien wollen Sie denn beisteuern, wenn Windkraft der Natur und Umwelt wegen am Hebert nicht geht?

Sehen Sie sich die Dächer an: hier in Haag gibt’s Fotovoltaik. Man kann auf Bioenergie zurück greifen. Zwar wird man mit Holzpellets aus dem Schönbrunner Wald nicht den ganzen Ort beheizen können, aber in Haag entsteht ja jetzt das Modell einer Bioenergiedorfanlage, und in Moosbrunn gibt’s die Biogasanlage. Was ist dran am Gerücht, dass die Wasserkraftwerke der Neckarschleusen nicht auf Volllast gefahren werden?

In Eberbach läuft eine Bürgerbefragung bei Ihrer Ansicht nach unzureichender Vorinformation. Die fünf Gemeinden Eberbach, Schönbrunn, Aglasterhausen, Neunkirchen und Schwarzach haben für ihre beiden Verwaltungsgemeinschaften einen Vertrag zur gemeinsamen Konzentrationsflächenplanung geschlossen. Wie werden Sie sich jetzt weiter verhalten?

Ich bin ein demokratisch gesinnter Mensch. Wenn es eine Mehrheit gibt, dann füg’ ich mich. Aber ich glaube nicht, dass Sie in der Gemeinde Schönbrunn eine Mehrheit für Windkraftanlagen finden. Was Gemeinderat und Bürgerinitiative etwa rechtlich konkret tun können, werden wir angehen, sobald Ergebnisse aus Eberbach durch die Umfrage und deren für Juni/Juli geplanten Gemeinderatsbeschluss vorliegen.

Wie erwehren Sie sich des Vorwurfs, Sie handelten nach dem Motto: O Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’s windhöffigere andere an?

Das ist das dümmste Argument, das es gibt, weil es alle Fakten wegwischt. Für mich ist die Frage: Was gewinnen wir, was ist die Abwägung dabei? Mit Windkraft am Hebert gewinnt man wenig, aber man zerstört sehr viel dabei. Schauen Sie: Eberbachs Stadtverwaltung und die Windradinitiative IWE haben die Frage der Wirtschaftlichkeit ausgeklammert. Man erzeugt aber Energie dort, wo man sie am günstigsten erzeugen kann.

Wenn Sie wissen, dass man die Leistung von acht Windrädern am Hebert genau so gut von zwei Windrädern in der norddeutschen Tiefebene erzielt und dass es möglich ist, dort erzeugte Energie über Trassen ohne nennenswerten Verlust zu transportieren - wieso wird dann eigentlich die Fragestellung so unterdrückt?

Ich sehe hier vor allem Partikularinteressen am Werk: Planer von Windrädern verdienen um so mehr, je mehr entstehen, ebenso die Erzeuger der Windräder, und die Verpächter hoffen auf Einnahmen. Weil aber Betreiber solcher Anlagen selbst noch daraus Vorteile ziehen können, dass sie auch unwirtschaftliche Anlagen der erneuerbaren Energieerzeugung im Portefeuille haben, besteht hier für private Anleger mit Hoffnung auf Ertrag oder für Städte, die auf Pachtgewinne für ihren Haushalt hoffen, ein sehr, sehr großes Risiko.

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