Prozess in Mannheim

Reiterstaffel-Polizisten weisen Tierquälerei-Vorwurf zurück

Zwei Beamte sollen Pferde mit Dosen, Schlägen und Pfefferpaste gequält haben.

07.12.2023 UPDATE: 29.02.2024 17:46 Uhr 3 Minuten, 26 Sekunden
Die beiden Angeklagten sitzen im Verhandlungssaal des Amtsgerichts. Foto: Uwe Anspach/dpa

Mannheim. (dpa) Zwei Polizisten der Reiterstaffel Mannheim haben Vorwürfe der Tierquälerei vor Gericht zurückgewiesen. Einer der Angeklagten rechtfertigte drei Schläge mit einer Gerte auf das Gesäß des Pferdes Corleone beispielsweise damit, er habe verhindern wollen, dass sich das Tier auf die Hinterbeine stelle.

"Es waren keine gewaltvollen Schläge, aber eine Gerte hat nur Sinn, wenn sie einen entsprechenden Effekt hat", sagte der 57-Jährige am Donnerstag am Amtsgericht Mannheim.

Eine frühere Kollegin sagte als Zeugin indes aus, es habe ein rauer Ton geherrscht, Pferde und Menschen seien angebrüllt und Tiere mit Schlägen bestraft worden. "Die Pferde wurden nur als Spielzeug, aber nicht als Lebewesen behandelt. Die Zustände waren so nicht tragbar", begründete sie ihre Anzeige. 

Nach zwei Jahren habe sie die Reiterstaffel wieder verlassen, sagte die Frau. "Es hat mich letztlich meinen Kopf gekostet, aber ich will wieder in den Spiegel schauen können." Ihre Ansichten für gewaltfreiere Dressuren seien von den erfahrenen Kollegen stets belächelt und ihre Kritik als die eines "hysterischen Pferdemädchens" abgetan worden.

Vorwürfe: Schläge, Klappersack und Pfefferpaste 

Den zwei Beamten wird zur Last gelegt, in mehreren Fällen Dienstpferde in einem erheblichen Ausmaß unter anderem mit Schlägen und einem Klappersack voller Konserven gequält sowie eine Pfefferpaste am Futtertrog angebracht zu haben. Sie haben Schmerzen der Tiere laut der Staatsanwaltschaft billigend in Kauf genommen und somit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. 

Der 57-Jährige verwies auf seine langjährige Erfahrung - er kenne Corleone "in- und auswendig". Das Tier sei ein "Problempferd" und die bei dem Vorfall darauf sitzende Beamtin sei noch relativ unerfahren gewesen. Schon in Übungseinheiten zuvor habe sich das Wirbeltier auffällig nervös verhalten. Da unruhig war, habe er mit der Gerte "dreimal bei mittlerer Intensität" aufs Gesäß geschlagen.

Ein 40 Jahre alter Beamter wies die Vorwürfe gegen ihn ebenfalls zurück. Tatsächlich seien Klappersäcke ein "normales Arbeitsutensil", um Pferde an Reize und Lärmpegel zu gewöhnen. Diese würden aber nie angebunden, sondern an einer Leine gezogen. Bei einem Vorfall aber habe sich die Schnur am Sattel verfangen. Eine Pfefferpaste habe er nie verwendet. Das Schlagen mit der Reitgerte auf die Hinterbeine eines Tieres sei eher Notwehr gewesen, um sicher aus der Box zu gelangen. 

Strafbefehle nicht akzeptiert

Die beiden Polizisten sind seit Jahren bei der Reiterstaffel. Der Jüngere war nach eigenen Angaben früher auch im Vorstand eines Reitvereins aktiv. Die vorgeworfenen Fälle sollen sich in den Jahren 2019 bis 2021 ereignet haben. Vor Gericht verhandelt wird nur deshalb, weil die Zwei Einspruch gegen Strafbefehle eingelegt hatten. 

Da eine Sachverständige an Corona erkrankt war, hatte das Mannheimer Amtsgericht kurz nach Beginn des Verfahrens im November die Verhandlung auf Ende Februar vertagt. Wegen der monatelangen Pause musste das Verfahren laut Gericht wieder neu begonnen werden. Sieben Zeugen sollen gehört werden. Weitere Termine sind für März geplant. 

Disziplinarische Konsequenzen noch offen

Interne Konsequenzen bei der Polizei gab es bisher keine. Ob ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird, soll nach Angaben des Präsidiums Einsatz erst nach Abschluss des Strafverfahrens geprüft werden. 

Die Zahl der Beschäftigten und Tiere bei der Reiterstaffel in Mannheim schwankt den Angaben zufolge. Generell gebe es Bedarf an 15 vollqualifizierten Polizeipferden, 15 Polizeireitern sowie einer Leitung und 6 Menschen zur Betreuung der Tiere.

Update: Donnerstag, 29. Februar 2024, 17.46 Uhr


Von Marco Partner

Mannheim. Zwei Polizisten der Reiterstaffel Mannheim sind wegen des Verdachts der Tierquälerei angeklagt. Den Beamten wird zur Last gelegt, gleich in mehreren Fällen Dienstpferde in einem erheblichen Ausmaß unter anderem mit einer Reitgerte geschlagen, mit einem Klappersack voller Konserven gequält sowie eine Pfefferpaste am Futtertrog angebracht zu haben.

Sie haben Schmerzen der Tiere laut Staatsanwaltschaft billigend in Kauf genommen und gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Da eine Sachverständige an Corona erkrankt ist, verschob das Mannheimer Amtsgericht die weitere Verhandlung am Donnerstag kurz nach deren Beginn auf Ende Februar.

Sieben Zeugen sollen gehört werden. Weitere mögliche Termine sind für März geplant. Zur Verhandlung kommt es nur deshalb, weil die Beamten Einspruch gegen Strafbefehle eingelegt haben. Während des Prozessauftakts äußerten sich die beiden 40 und 55 Jahre alten Polizisten nicht.

Dem Jüngeren wird vorgeworfen, im Jahr 2020 den Jutesack voller Konserven an Pferd Camilo angebracht zu haben. Durch die Klappergeräusche geriet das Tier laut Staatsanwalt in Panik und rannte "aus Angst ununterbrochen und bis zur Erschöpfung".

Ende 2021 soll der Polizist ein Pferd mit einer Reitgerte geschlagen haben, sodass es sich auf die Hinterbeine stellte und aus der Box fliehen wollte. Bewertet wurde dies als erheblicher Schmerz und als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, der mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden kann.

Der ältere Beamte soll das Dienstpferd Corleone ohne Anlass mit der flachen Hand geschlagen haben. Um ein Fehlverhalten zu unterbinden, sei zudem an einem Futtertrog die Paste auf Pfefferbasis angebracht worden – und somit das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigt worden.

Fall kam durch Beschwerde ins Rollen

Die Beamten sind dem Polizeipräsidium zufolge noch bei der Reiterstaffel beschäftigt. Aufgeflogen war das Ganze durch eine Beschwerde. Details dazu blieben vor Gericht offen. Interne Konsequenzen gab es zunächst keine: "Von der Einleitung eines Disziplinarverfahrens wurde vorläufig abgesehen, der Vorgang wird nach Abschluss des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens abschließend geprüft", hieß es.

Dies kritisiert die Tierrechtsorganisation Peta in einer Stellungnahme und fordert "ein sofortiges Tier-Betreuungsverbot" für die Beamten sowie ein Disziplinarverfahren gegen die beiden Angeklagten.

Die Zahl der Beschäftigten und Tiere bei der Reiterstaffel in Mannheim schwankt den Angaben zufolge. Generell gebe es Bedarf an 15 vollqualifizierten Polizeipferden, ebenso vielen Polizeireitern und -reiterinnen sowie einer Leitung und sechs Personen zur Betreuung der Tiere.

(Der Kommentar wurde vom Verfasser bearbeitet.)
(zur Freigabe)
Möchten sie diesen Kommentar wirklich löschen?
Möchten Sie diesen Kommentar wirklich melden?
Sie haben diesen Kommentar bereits gemeldet. Er wird von uns geprüft und gegebenenfalls gelöscht.
Kommentare
Das Kommentarfeld darf nicht leer sein!
Beim Speichern des Kommentares ist ein Fehler aufgetreten, bitte versuchen sie es später erneut.
Beim Speichern ihres Nickname ist ein Fehler aufgetreten. Versuchen Sie bitte sich aus- und wieder einzuloggen.
Um zu kommentieren benötigen Sie einen Nicknamen
Bitte beachten Sie unsere Netiquette
Zum Kommentieren dieses Artikels müssen Sie als RNZ+-Abonnent angemeldet sein.