BASF-Unglück in Ludwigshafen: Oberbürgermeisterin Lohse drängt weiter auf Aufklärung
Vier Menschen kostete das BASF-Unglück vom Oktober das Leben. Drei Monate danach bekräftigt Oberbürgermeisterin Lohse die Forderung nach umfassender Aufarbeitung.

Ludwigshafen. (dpa) Zwölf Wochen nach dem tödlichen Unglück bei der BASF in Ludwigshafen dringt Oberbürgermeisterin Eva Lohse auf eine lückenlose Aufklärung des Falles. "Die chemische Industrie birgt Gefahren, deswegen ist die Sicherheitsfrage von ganz großer Bedeutung, und das ist auch allen Beteiligten bewusst", sagte Lohse der Deutschen Presse-Agentur.
"Deswegen ist es richtig und wichtig, dass dieser Unfall ganz minuziös aufgearbeitet wird. Und wenn man sieht, was man eventuell anders und besser machen kann, um sowas zu verhindern, dann müssen selbstverständlich auch entsprechende Konsequenzen gezogen werden." Es sei wichtig, "dass die BASF da auch Rede und Antwort steht".
Zugleich betonte Lohse, eine Anfang Dezember eigens zu diesem Thema einberufene Bürgerversammlung mit Vertretern von BASF und Stadt als Rednern sei der richtige Weg, mit diesem Thema in der Öffentlichkeit umzugehen. Es gehe darum, "Transparenz herzustellen, zu diskutieren, Ängste aufzunehmen, Antworten zu geben". Nach ihren Angaben wird es "auch weiterhin Bürgerforen geben".
Am 17. Oktober war es auf dem Gelände der BASF zu einem Brand und zu einer Explosion gekommen. Drei Menschen wurden getötet, ein vierter starb später im Krankenhaus. 29 Menschen erlitten Verletzungen, sieben von ihnen schwere. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal vermutet, dass ein Mitarbeiter einer Fremdfirma eine falsche Rohrleitung angeschnitten und damit den Brand ausgelöst hat, dem die Explosion folgte. Der Mann selbst hat sich laut Anklagebehörde noch nicht geäußert.
Das Unglück war der folgenschwerste Zwischenfall in einer Reihe von Pannen, die es 2016 bei der BASF gegeben hatte. Der Ludwigshafener Ordnungsdezernent Dieter Feid sagte danach, der hohe Vertrauensvorschuss, den die BASF sich erarbeitet habe, sei wegen der vielen Ereignisse "zumindest in Teilen durchaus erschüttert".
"Wir sind eine Traditions- und Schicksalsgemeinschaft", sagte Lohse über das Verhältnis von Stadt und Unternehmen. Nun sei es wichtig, den Blick nach vorne zu richten und, "wenn Vertrauen verloren gegangen ist", dies gemeinsam wieder zurückzugewinnen. "Denn es geht uns schon grundsätzlich um die Frage des Industriestandortes Deutschland. Wir brauchen die Industrie, denn sie ist die Quelle unseres Wohlstandes. Und die Industrie braucht umgekehrt aber auch die Akzeptanz der Bevölkerung."
Die von ihr initiierte Bürgerversammlung mit Erklärungen von BASF-Verantwortlichen sei dafür die richtige Maßnahme. Und wenn es in jüngster Zeit zu wenig Kontakt zwischen dem Unternehmen und der Stadt sowie der Gesellschaft gegeben habe, dann sei dies inzwischen verstanden worden. Deshalb werde es auch weiter Foren geben.
An dem ersten Treffen hatten neben der Oberbürgermeisterin auch BASF-Standortleiterin Margret Suckale und Werksleiter Uwe Liebelt teilgenommen. Mehrere Hundert Menschen waren seinerzeit gekommen.