Heidelberg

Mit Humor und Kreativität durch die Krise

Proben online oder im Zelt: Sport- und Gesangsvereine müssen sich an ständig wechselnde Regeln anpassen.

21.05.2021 UPDATE: 12.05.2021 06:00 Uhr 2 Minuten, 2 Sekunden
Virtuelle Chorprobe im WG-Zimmer: Die anderen Sänger von „Blue Notes“ kann Eva Fritsche nur auf dem Bildschirm sehen. Das Ensemble des MGV Liederkranz Handschuhsheim trifft sich coronabedingt nur digital. Foto: Rothe

Von Karla Sommer

Heidelberg. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es amüsant. "Ein bisschen witzig ist es dann schon", denkt sich Beate Mertes vom Handschuhsheimer Liederkranz 1847, wenn sie vor dem Computer sitzt und auf die vielen bekannten Gesichter schaut, die "Zoom", ein Anbieter von Videokonferenzen, ihr digital ins Haus schickt. Man hat sich zur Chorprobe verabredet – coronabedingt online. Die Not, nicht wie gewohnt zusammenzukommen, machte den Liederkranz erfinderisch, denn man wollte die Proben nicht ausfallen lassen und den musikalischen, aber auch menschlichen Zusammenhalt nicht gefährden.

"Eigentlich ist das kein Chorgesang", erzählt Beate Mertes, "denn man hört sich nicht – nur den Chorleiter". Der ist sozusagen der Moderator und spielt am Klavier ein Lied und die einzelnen Stimmen vor. Dann singt jeder in seiner Stimmlage mit – so gut es geht. Dass diese etwas unglücklichen, aber zurzeit einzig möglichen Chorproben bald ein Ende haben, darauf hoffen alle im Handschuhsheimer Gesangsverein. Deshalb plant man für die anstehende Zeit mit weiteren Lockerungen, die Chorproben in ein Zelt auf einen Handschuhsheimer Acker zu verlegen.

Das acht mal zwölf Meter große Zelt hat man gekauft, den Acker planiert und mit Rindenmulch belegt. Beim Ordnungsamt wurde auch ein Hygienekonzept vorgelegt, die Entscheidung steht noch aus. So hoffen die Sängerinnen und Sänger jetzt auf ein zwar begrenztes, aber dennoch gemeinsames Singen. Ein Anfang ist gemacht – es sei denn... Aber daran will keiner im Chor jetzt denken.

Ein Zelt brauchen die Sportvereine für ihre Aktivitäten kaum, aber – wie bei der Sportgemeinschaft Heidelberg-Kirchheim (SGK) – abgetrennte Trainingsareale auf dem Sportplatz und viel Geduld und Nerven, denn mit steigenden und sinkenden Inzidenzzahlen ändern sich auch die Regeln. Zurzeit gilt, dass auf Außensportanlagen nur Gruppen von maximal 20 Kindern bis einschließlich 13 Jahre trainieren dürfen.

Das liest sich dann auf der SGK-Internetseite so: "Die Trainer nehmen die Übungsgruppe am Eingangstor in Empfang und gehen geschlossen auf das Gelände. Das Gelände muss immer verschlossen sein." Festgehalten ist auch, welche Sportler welchen Eingang wählen, der verschlossen sein muss. Und weiter: "Es ist bei jedem Training eine Teilnehmerkarte auszufüllen, die elektronisch bereits heruntergeladen werden kann. Diese muss am Ende des Trainings in die Briefkästen geworfen werden. Eltern und Zuschauer sind nicht zugelassen. Es besteht eine Maskenpflicht auf dem Sportgelände, eine medizinische Maske oder eine FFP2-Maske." Der gut gemeinte Wunsch kommt zuletzt: "Wir wünschen euch sehr viel Spaß beim Wiedereinstieg ins Training."

Nicht nur für die Jugend ist die Situation alles andere als leicht, auch der SGK-Vorstand kämpft gegen die wechselnden Regeln. "Man muss sich ständig informieren, was geht und was nicht", so Marliese Heldner, wobei jede Sportsparte ein anderes Konzept hat. Auch sie nimmt die Auswüchse der Corona-Regeln nicht immer, aber manchmal mit Humor: "Sonst wird man ja verrückt." Und sie hat noch ein anderes Problem: die Auswirkungen von Corona auf die Menschen. Sie fragt sich, ob Vereinssport je wieder so unbeschwert sein wird, wie er mal war. Und ob sich die wichtige soziale Komponente, die Vereine haben, nämlich "dass jeder mitgenommen wird, Spaß hat und sich auspowern kann", über die Pandemie hinaus hält, sind ihre Bedenken. Die gehen über die aktuellen monetären Sorgen so mancher Vereine hinaus. Dennoch ist man in beiden Vereinen dankbar, im Rahmen der Corona-Soforthilfe einen Landeszuschuss bekommen zu haben.

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