Bürgerentscheid Ochsenkopf

Ist die Bahnstadt heißer als der Betriebshof?

Ja, sagt der Nabu, denn er hat nachgemessen - Am "kältesten" ist es auf der Ochsenkopfwiese

16.07.2019 UPDATE: 17.07.2019 06:00 Uhr 1 Minute, 39 Sekunden

Der geplante Park an der Pfaffengrunder Terrasse ist heute eine Schotterfläche. Foto: privat

Heidelberg. (hö) Ist, wie Baubürgermeister Jürgen Odszuck behauptete, der Betriebshof in Bergheim die größte Hitzeinsel in der Stadt? Der Naturschutzbund (Nabu) hat nun nachgemessen - und kam zu dem Ergebnis: In der Bahnstadt ist es teils deutlich heißer. Am Mittwoch, 26. Juni, war es in der ganzen Stadt sehr warm. Nabu-Sprecherin Cornelia Wiethaler schaute am Betriebshof in der Karl-Metz-Straße (am Landfriedkomplex) vorbei und maß 36,8 Grad, ging dann um die Ecke in die Emil-Maier-Straße (am Kreativwirtschaftszentrum) und ermittelte mit ihrem Thermometer 37,6 Grad - während es am Bürgerhaus in der Bahnstadt (Gadamerplatz) 40,1 Grad und am Spielplatz an der Promenade 40,5 Grad heiß war. Zum Vergleich: Die Temperatur auf der Ochsenkopfwiese lag, je nach Messpunkt, bei 33,5 oder bei 35,3 Grad.

An weiteren zwei Tagen, an denen es windig und deutlich kühler war (2. und 3. Juli) wiederholte sie ihre Messungen - mit ähnlichen Ergebnissen: Am Dienstag, 2. Juli, maß sie auf der Ochsenkopfwiese 24,5 Grad - an ihrem östlichen Teil, zur Gneisenaustraße hin, 25,9 Grad -, am Betriebshof/Karl-Metz-Straße 26,8 Grad, am Betriebshof/Emil-Maier-Straße 28,5 Grad, während es am Bahnstadt-Bürgerhaus 29,0 und am Spielplatz an der Promenade gar 29,6 Grad waren; nicht viel anders war es am darauffolgenden Tag. Deswegen ist sich Wiethaler sicher: "Die Aussage, der Betriebshof sei die größte Hitzeinsel Heidelbergs, ist falsch." Und deswegen zweifelt sie auch die neuerlichen Ergebnisse des Klimagutachtens an, das bekanntlich gegen die Bebauung der Ochsenkopfwiese keine großen Einwände hatte (RNZ vom 26. Juni): Die beauftragte Firma "Geo-Net Umweltconsulting" habe eben nur Modelle berechnet, aber nie selbst nachgemessen, wie es nun Wiethaler getan hat.

Hintergrund

RNV informiert über Vorhaben

Soll der Betriebshof auf den Ochsenkopf umziehen? Bei der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) ist die Antwort auf diese Frage längst gefallen. Hier wirbt man für die

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RNV informiert über Vorhaben

Soll der Betriebshof auf den Ochsenkopf umziehen? Bei der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) ist die Antwort auf diese Frage längst gefallen. Hier wirbt man für die Verlagerung. Wenige Tage vor der Abstimmung lädt das Nahverkehrsunternehmen jetzt dazu ein, seine Neubaupläne kennenzulernen. Warum es laut RNV keine Alternative zum Ochsenkopf gibt - darüber wird im Rahmen von Rundfahrten in einer historischen Straßenbahn zwischen Bismarckplatz und Kirchheim am Donnerstag, 18. Juli, informiert. Los geht es am Bismarckplatz um 17, 18 und 19 Uhr. Das Angebot gibt es auch am Samstag, 20. Juli, von 14 bis 21.30 Uhr. Dann verkehren die Bahnen im 20-Minuten-Takt zwischen Bismarckplatz und Bahnstadtfest. Am selben Tag, von 9 bis 12 Uhr öffnet die RNV für Interessierte die Tore des bestehenden Betriebshofs in der Bergheimer Straße 155.

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Zudem erlaubt sich Wiethaler die Nachfrage, wie glaubwürdig die Aussage der Stadt sei, auf dem Gelände des heutigen Betriebshofs einen Park zu errichten - und verweist auf den "Vorzeigestadtteil Bahnstadt". Hier wurde "den Bewohnern beispielsweise auf der Pfaffengrunder Terrasse ebenfalls ein schöner Park mit hoher Aufenthaltsqualität versprochen, der bereits vor drei Jahren fertig sein sollte. Die Fläche ist heute komplett geschottert, mit einer Sitzgarnitur, zwei Tischtennisplatten, einem Beet dekoriert sowie mit Bäumen in Pflanzkästen umstellt. Ein Park ist versprochen". Überhaupt gebe es in diesem Stadtteil nur relativ wenig Grün, von einem Park ganz zu schweigen. Und weil hier so viel Fläche versiegelt worden ist - sei es am Spielplatz, sei es an der Pfaffengrunder Terrasse, sei es auf dem Gadamerplatz -, sei es auch kein Wunder, dass hier die Wärmebelastung besonders hoch sei.

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Das nimmt, nicht ganz überraschend, Wiethaler zum Anlass, für den Erhalt der drei Hektar großen Ochsenkopfwiese (samt ihrer 200 Pflanzenarten und rund 100 Bäume) zu plädieren. Denn erstens sei sie schon eine existierende "Kälteinsel" in Bergheim, und zweitens sei der angekündigte Betriebshof-Park weniger als halb so groß.

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