Schulen in Baden-Württemberg

Wenn überraschend der Stundenplan gekürzt wird

Für Familien bedeutet dies eine enorme Herausforderung. Vor allem im Bereich der Sonderpädagogik fehlen viele Lehrkräfte.

03.08.2022 UPDATE: 03.08.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 57 Sekunden
Vanessa Steiss (l.) wollte eigentlich wieder mehr arbeiten, wenn Sohn Levi eingeschult wird. Foto: Marina Klöss

Von Axel Habermehl, RNZ Stuttgart

Stuttgart. Vanessa Steiss weiß nicht, wie sie das schaffen soll. Ihr Sohn Levi (6) wird nach den Sommerferien eingeschult. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch nun hat Steiss erfahren, dass wegen Lehrermangels der komplette Nachmittagsunterricht ausfällt: Die Kinder sollen nur 28 statt 34 Wochenstunden erhalten.

"Am Ende des Tages ist es pure Verzweiflung", sagt Steiss. Am meisten ärgert sie, dass ihrem Sohn Bildung verwehrt werden soll, die ihm zustehe. Außerdem muss sie beruflich reagieren. "Für uns als Familie ist das nicht einfach so zu stemmen. Ich werde wohl meinen Arbeitsvertrag ändern müssen und weniger Stunden machen." Glücklicherweise mache ihr Arbeitgeber das mit. Einfach ist es trotzdem nicht. "Bei der aktuellen Wirtschaftslage: Wir brauchen das zweite Einkommen und ich glaube, das geht vielen Familien so."

Der Fachkräftemangel gilt seit Jahren als größtes Problem des Bildungssystems. In Baden-Württemberg fehlen tausende Pädagogen, bundesweit hunderttausende. Und die Lage droht sich in den kommenden Jahren zu verschärfen. Der Mangel betrifft Kitas, Schulen, sogar Hochschulen.

Die Folge an Schulen ist Unterrichtsausfall. Besonders groß ist die Not im Bereich Sonderpädagogik. Das betrifft Levi, der das Down-Syndrom hat. Das Kultusministerium hatte den Mangel schon 2019 abgesehen: In der Sonderpädagogik sei "bis zum Jahr 2024 mit einem Neubewerbermangel von kumuliert 650 Personen zu rechnen, bevor 2025 und 2026 Angebot und Bedarf weitgehend übereinstimmen", hieß es in einer Lehrerbedarfsberechnung. Ob es so kommt, bleibt abzuwarten. Neuere Prognosen sagen voraus, dass die Zahl der Schüler an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) bis 2030 von 37.000 auf 39.800 steigen soll.

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Nach Abschluss der regulären Einstellungsrunde und mit Blick auf das anstehende Schuljahr spricht die Gewerkschaft GEW von "oft verheerenden Zuständen" in der Sonderpädagogik. Nur in der Rheinschiene seien die freien Stellen besetzt worden, heißt es in einem Artikel der Gewerkschaftszeitung. "Durch die fehlenden Lehrer*innen an den SBBZ und in der Inklusion werden sich die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in Baden-Württemberg massiv verschlechtern."

Was das konkret heißt, wird Levi ab Herbst in Reutlingen erleben. Die Familie hat einen sehr guten Eindruck von der Schule. Doch dann kam die Mail der Schulleitung: "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die ...

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