Berlin

Hitzehilfe kümmert sich um Obdachlose

Hitzewellen machen Menschen, die auf der Straße leben, besonders zu schaffen. Sie können nicht einfach eine kühle Dusche oder frische Kleidung aus dem Schrank nehmen.

03.08.2022 UPDATE: 03.08.2022 21:56 Uhr 2 Minuten, 16 Sekunden

Berlin. (epd) Während Berlin-Touristen auf Liegen an der Spree gegenüber vom Hauptbahnhof kühle Drinks schlürfen, sitzen auf der anderen Seite obdachlose Menschen im Schatten einer Unterführung unter den Gleisen. An diesen Ort im Regierungsviertel verirren sich keine Touristen. Er ist eine der Stationen, die die Hitzebusse der Karuna-Sozialgenossenschaft anfahren. Ingo Bauer öffnet die Schiebetür, holt ein Sechser-Pack mit Wasserflaschen und stellt es auf den Boden. Sein Kollege Ayhan Atlin fragt die Menschen, die unter der Brücke Zelte aufgeschlagen haben, was sie brauchen. Die beiden Obdachlosen-Lotsen bieten außerdem blaue Trinkflaschen aus Metall, in Plastiksäcke abgefülltes Wasser zum Waschen, Sonnencreme, Zahnpasta und andere Hygiene-Artikel an.

Roberto Boca nimmt eine Flasche Wasser. Er sei seit drei Wochen in Berlin und suche Arbeit, sagt der 27-jährige Italiener. Einen Platz im Wohnheim hat er nicht bekommen, aber er beklagt sich nicht.

Am Morgen hat das Team von Karuna in der Zentrale abgesprochen, welcher der insgesamt drei Busse der Initiative welche Orte anfährt, an denen sich gewöhnlich Obdachlose aufhalten. Jeweils zwei Mitarbeiter fahren in einem Bus. Unter einer Brücke an einer befahrenen Kreuzung liegt ein Mann, der sich eingenässt hat und zu schlafen scheint. "Hast du Schmerzen?", fragt Altin ihn. "Schaffst du es, hochzukommen? Trinkst du einen Schluck Wasser? Willst du dich frisch machen oder möchtest du weiterschlafen?" Der Mann scheint unter Alkoholeinfluss zu stehen und lehnt jede Hilfe ab.

"Das ist traurig, da kann man nichts machen, nein ist nein", sagt Altins Kollege Bauer: "Wir können Wasser verteilen, aber wir können sie nicht retten, sie können sich nur selber retten, wenn sie ihre Sucht besiegen." Bauer hat selbst Jahre lang auf der Straße gelebt. Er weiß aus Erfahrung, was es heißt, bei Hitze kein Dach über dem Kopf zu haben: "Der Teer verbrennt dich." Jetzt lebt er in einem kleinen Haus, das nicht größer als der Hitzebus ist. Mit leiser, aber eindringlicher Stimme fordert er, Menschen, die auf der Straße leben, die Möglichkeit zu geben, in Teichen in Parks schwimmen zu gehen. "Sie können es sich nicht leisten, ins Hallenbad zu gehen", setzt er zur Erklärung hinzu.

Zwischen den Vordersitzen des Busses steckt eine graue Plastikkiste. Das sei sein Büro, sagt Altin stolz. Die Mitarbeiter der Hitzehilfe verteilen nicht nur Wasser und Sonnencreme. Sie haben auch Adressen von Ansprechpartnern parat, die Hilfe leisten können. Altin verteilt bei Bedarf überdies Hundefutter.

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