Identität

Fünf Freunde gehen im Odenwald auf die Jagd

Ihr Hobby ist umstritten, aber die jungen Jäger im Odenwald fühlen sich damit ihrer Heimat, der Familientradition und dem Naturschutz verbunden.

19.05.2022 UPDATE: 22.05.2022 06:00 Uhr 6 Minuten, 34 Sekunden
Benny vor seinem Hochsitz von dem aus er eine Fläche junger Baumsetzlinge im Blick behält. Foto: Peter Dorn

Von Jana Schnetz

Buchen/Mudau. Es ist 6.30 Uhr. Leise kündigt sich der Tag mit einem pink-orangefarbenen Streifen am Horizont an. Nebel liegt noch im Tal, aber Vogelgezwitscher ist schon zu hören. Ein Morgen wie aus dem Bilderbuch. Schon seit über einer Stunde sitzen wir auf dem Hochsitz im Kandelwaldweg und beobachten die erwachende Natur. Rehe sind vorbeigezogen, ein Bock, zwei Wildschweine.

Mit einem "Waidmanns Heil!" hatte mich Benny in der Früh begrüßt. Freundliches Lächeln, einen Kaffeebecher in der Hand. Wir sind in einem 470 Hektar großen Jagdrevier zwischen Buchen und Mudau, das die fünf Freunde Benny, Patrick, Florian, Torben und Gregor gemeinsam gepachtet haben. Die fünf sind im selben Ort aufgewachsen und kennen sich von Kindesbeinen an. Heute sind sie zwischen Mitte 20 und Mitte 30 und haben ein für ihre Altersgruppe eher ungewöhnliches Hobby. Statt ins Fitnessstudio oder zum Fußball gehen sie als Jäger in den Wald.

Die Jägerei ist zwar ein traditionelles und gerade auch bei Tierfreunden nicht unumstrittenes Hobby, doch in den letzten Jahren setzen sich vermehrt junge Leute wie Benny und seine Kumpel auf die Hochsitze. Die Zahl der erworbenen Jagdscheine nimmt zu; auch immer mehr Frauen interessieren sich für die Tradition. Das hat das Quintett im vergangenen Oktober erlebt. An der Drückjagd in ihrem Revier – zusammen mit Jägern der Nachbarreviere veranstaltet – nahm auch ein Ehepaar teil und Jägerinnen, teils sogar noch jünger als der 24-jährige Torben. Es sei eine schöne Entwicklung, dass ihr Hobby nicht mehr nur als Zeitvertreib für die ältere Generationen gesehen werde. Gerade Frauen würden frischen Wind in die Jagd bringen: "Es ist für uns auch von Vorteil, sich mit einer Jägerin zu unterhalten", sagt Florian. "Sie haben teils ganz andere Sichtweisen auf die Jagd und ich glaube, sie denken noch einmal mehr über jeden Schritt nach und sind vorsichtiger."

Florian und Benny sind für rund 470 Hektar Feld und Wald zuständig. Foto: Peter Dorn

Wir aber sind nun auf dem Hochsitz, um von den Jungs zu erfahren, warum sie sich begeistern für dieses Hobby, dem ein eher klischeebehaftetes Image anhängt.

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Torben und Gregor sind Brüder und folgen ihrem Vater nun sogar in fünfter Generation. Die Jagd ist bei ihnen Familientradition. Uropa, Opa, Vater und Onkel. "Das war schon ein Grund, warum wir das auch machen wollten." Also entschieden sie sich, mit 16 den Jagdschein zu machen. Im April vergangenen Jahres übernahm das Quintett dann das Revier in Laudenberg für die in der Jagd übliche Pachtzeit von neun Jahren. "Die lange Pacht ist von Vorteil, wenn man sein Revier nachhaltig bewirtschaften will", erklärt Benny. Auch ...