Kunsthalle Mannheim

Die Schau "Becoming Cobra" mit fantastischen Tierwesen

Hier werden die Anfänge einer europäischen Kunstbewegung gezeigt.

25.11.2022 UPDATE: 25.11.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 54 Sekunden
In der Mannheimer Kunsthalle begegnet man nicht nur Tieren, sondern auch fabelhaften Mischwesen. Hier Constants „Fantastische Tiere“, 1947, Kunsten Museum of Modern Art Aalborg, Dänemark Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2022; Niels Fabæk

Von Susann Behnke-Pfuhl

Mannheim. Eine Mutter mit maskenhafter Fratze tanzt in der Mitte des Bildes. Ihre Kinder werden in die Welt geschickt, am Himmel sind Jagdbomber zu sehen und am Ende eines Weges der Friedhof. Dieses apokalyptische Bild malte der Künstler Henry Heerup 1943 zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Wie viele andere Künstler der europäischen Avantgardebewegung "Cobra" setzt er sich mit Gewalt, Tod und Krieg auseinander.

Der Name Cobra leitet sich von den (englischen) Anfangsbuchstaben der Städte Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam ab, in denen die Zentren der künstlerischen Produktion lagen. 1948 in Paris gegründet, sollte die Vereinigung für drei Jahre Bestand haben. Die Kunsthalle Mannheim zeigt nun die bis in die 1930er-Jahre zurückreichenden Anfänge dieser Gruppe, die die Gesellschaft über die Kunst beeinflussen wollte.

Kollektive wie "Høst" in Dänemark, "Experimentele Groep" in den Niederlanden und "Surréalisme Révolutionaire" in Belgien führten zu einem internationalen Netzwerk. In Deutschland entstand aufgrund des Nationalsozialismus keine avantgardistische Kunstentwicklung; daher sind nur zwei deutsche Künstler in der Schau vertreten. Der Maler Asger Jorn ist die Schlüsselfigur in Dänemark und als Vermittler entscheidend für die Bewegung; eine weitere zentrale Figur ist der belgische Dichter Christian Dotremont. Sie arbeiteten häufig an sogenannten "peintures-mots", Wortmalereien, wie man sich in der Ausstellung überzeugen kann. Der eine dichtete und der andere malte dazu.

Beeindruckend ist das Ölbild "Je lève, tu lèves, nous rêvons (Ich erhebe, du erhebst, wir träumen)" (1948). Den surrealistischen Zeilen Dotremonts setzt Jorn organische blaue Formen entgegen, die Hoffnung suggerieren sollen. Inspirieren ließen sich die Künstler von außereuropäischen Skulpturen, der "Art Brut", der skandinavischen Mythologie sowie der Kunst von Kindern. Dabei zeichnen sich die mehr als 120 Werke in Mannheim durch große stilistische Vielfalt aus. Auffallend häufig sind jedoch Tierdarstellungen und fabelhafte Mischwesen; sie beflügeln nicht nur die Fantasie, sondern drücken die Sehnsucht nach Natur aus. Constants "Fantastische Tiere" (1947) bildet sein Sujet in der Manier der "Art Brut" ab, Madeleine Kemény-Szemeres "Frau und Vogel" (1946) zeigt eine eulenähnliche Frau und Max Walter Svanbergs "Minotaurus" (1946) empfindet das Ungeheuer der Antike nach. Abbildungen oder Skulpturen von Vögeln beschwören die Freiheit in einer repressiven Zeit.

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