15. Triennale der Kleinplastik

Kunst muss nicht groß sein, um groß zu sein

Die renommierte Triennale der Kleinplastik geht ab 4. Juni in Fellbach über die Bühne.

20.05.2022 UPDATE: 22.05.2022 06:00 Uhr 1 Minute, 24 Sekunden
Elke aus demMoore. Foto: Privat

Von Harald Berlinghof

Fellbach. Wir leben im digitalen Zeitalter. Das geht soweit, dass mittlerweile bei zahlreichen Menschen Phantomvibrationen auftreten. Sie glauben, sie würden auf dem Handy angerufen, aber da ist nichts. Dann gibt es da die Vibrationen der Atome und Moleküle im Nanobereich. Daran gibt es nichts zu deuteln. Aber manche, wie auch ein Autor der "Stuttgarter Nachrichten", der sich dem Thema der 15. Triennale der Kleinplastik nähern wollte, denken bei "Vibrationen" an etwas ganz anderes. So viel zum Thema Feuchtgebiete.

Da hat sich die Kuratorin der 15. Triennale der Kleinplastik, die ab 4. Juni in Fellbach eröffnet wird, etwas eingebrockt. Dabei möchte Elke aus dem Moore mit dem Titel "Die Vibration der Dinge" nur auf die Lebendigkeit aller Kunstobjekte aufmerksam machen. Dass sie lebendig sind, je nach Kontext in ihren Aussagen variieren können und ihre Bedeutung sowie Glaubwürdigkeit verstärken oder verlieren können. Sie stellt die Frage nach der Wirklichkeit und Wahrheit der Objekte. Alles, was lebt, vibriert. Alles, was vibriert, lebt. Das wusste auch schon Carlos Castanedas Schamane Don Juan.

Doch dieses geradezu mystische Vibrieren führt zu einer Thematik, die sich auch als Uneinheitlichkeit in der Aussage umschreiben lässt. Ein Ding spricht zu uns, aber nicht immer eindeutig, sondern je nach Umgebung, Stimmung und Gefühlslage des Betrachters sehr differenziert. Fehlende Eindeutigkeit in unserer gesellschaftlichen Entwicklung und unserem Befinden verunsichern aber. Und Verunsicherung bewirkt eine Suche nach Halt. Doch dort, wo Wünsche, Rituale und Vibrationen der Seele als real angenommen werden, lauert die Magie. Und die Kunst hat schon immer einen Zugang zu dieser Welt eröffnet.

Rund 60 künstlerische Positionen hat die Kuratorin, die gleichzeitig Direktorin der Stuttgarter Akademie Schloss Solitude ist, zur diesjährigen Triennale im Sommer eingeladen. Mit ihrem Veranstaltungsrhythmus von drei Jahren hebt sich die Ausstellung bewusst von der Biennale in Venedig (alle zwei Jahre) und der documenta (zunächst im vier-, dann im fünfjährigen Rhythmus) ab. Die erste Triennale der Kleinplastik in Fellbach wurde 1980 von Heinz Fuchs, dem damaligen Leiter der städtischen Kunsthalle Mannheim kuratiert. Aus dem begrenzten Raum in der Alten Kelter hat man in Fellbach eine Tugend gemacht, indem man sich bewusst auf "Kleinplastik" beschränkt. Was keine festgelegte Dimension in Zentimetern oder Millimetern beinhaltet. "Kleinplastik" meint eher nur, dass sie "keine Großplastik" ist.

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