Hintergrund

26.09.2019 UPDATE: 04.10.2019 06:00 Uhr 1 Minute, 51 Sekunden

Die Chronik

Eine Übersicht über den Ärger einer Familie mit der Stadt:

> 1964 kauft Manfred Keller ein Grundstück in der Burenstraße, der heutigen Dr.-Emil-König-Straße. Er möchte ein Mehrfamilienhaus darauf errichten und lässt Pläne anfertigen.

> 1968 macht ein Bebauungsplan diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Der damalige Bürgermeister Peter Böhm lässt Keller wissen, dass sein Grundstück "ohne Umlegung bzw. neue Grenzregelung nicht bebaubar" ist.

> 2001: Jahrzehnte sind vergangen. Manfred Keller hat inzwischen seinem Sohn Holger und seiner Tochter Silke das Areal, das durch einen Zukauf gewachsen ist, überschrieben. Der damals amtierende Bürgermeister Dieter Mörlein hat großes Interesse daran. Vor allen Dingen als Parkmöglichkeit - etwa in Form einer Tiefgarage. Daher wird eine entsprechende Bebauungsplanänderung eingeleitet.

> 2005: Die Bebauungsplanänderung wird rechtskräftig. Obwohl die Kellers Einspruch eingelegt haben. Denn nun wird ihnen ein Stück ihres Grunds abgezogen für einen neuen Fußweg. Und sie sind im Falle einer Bebauung verpflichtet, eine Gemeinschaftstiefgarage zu bauen. Gleichzeitig nimmt die Stadt Verhandlungen mit den Kellers auf. Die Idee: ein Grundstückstausch. Die Kellers übernehmen und sanieren die maroden Häuser in der Wasserturmstraße 13-23, die Stadt bekommt im Gegenzug das Areal in der Burenstraße.

> 2009: Der Tausch Wasserturmstraße platzt. Die Stadt will die Häuser lieber selbst sanieren. Bürgermeister Mörlein liebäugelt aber noch immer mit der Dr.-Emil-König-Straße, wie die Burenstraße inzwischen heißt. Also schlägt er einen neuen Tausch vor: ein Grundstück in der Johanna-Kirchner-Straße. Der Gemeinderat stimmt dem zu, der Vertrag steht, der Notartermin ist ausgemacht. Auch hat die Stadt inzwischen alles, was noch auf dem Keller-Areal in der Dr.-Emil-König-Straße steht, abreißen und die Fläche schottern lassen. Den so entstandenen Parkplatz bewirbt die Stadt mehrfach im Amtsblatt: "Von diesem Parkplatz aus sind die Geschäfte in der Hauptstraße sehr gut zu erreichen", heißt es da. "Nutzen Sie den Platz." Allerdings wird der Notartermin zum Grundstückstausch einen Tag vorher von Mörlein ohne Nennung von Gründen abgesagt. Vermutlich war der Gegenwind im Neubaugebiet "Hinteres Lisgewann" zu heftig. Dort hatte eine Elterninitiative fast 500 Unterschriften gesammelt, um den Bolzplatz auf dem Tauschgelände in der Kirchner-Straße zu erhalten.