Brezeln und Verspätung zum Start in Leimen
Seit Montag fährt die Straßenbahn wieder bis zur Endhaltestelle. Es war ein Auftakt mit kleinen Hürden.

Von Sabrina Lehr
Leimen. Es war Punkt 4.41 Uhr am Montagmorgen, als am Leimener Friedhof eine Premiere stattfand: Zum ersten Mal nach fast zweijährigen Bauarbeiten startete an der frisch gestalteten Endhaltestelle eine reguläre Straßenbahn der Linie 23 gen Heidelberg. Sie war die erste, die Passagiere auf der 800 Meter langen neuen Gleisanlage bis zum Kurpfalz-Centrum transportierte. Durchaus ein symbolisches Bild: Mit der Jungfernfahrt ließ die 23er-Bahn der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) 23 Monate Bauarbeiten an den Gleisen mit all ihren Einschränkungen hinter sich.
Ende gut, alles gut, für die rund 15 Millionen Euro schwere Großbaustelle von Stadt und RNV, die die Leimener seit März 2020 auf Trab gehalten hatte? Nicht ganz. Zwar lief der erste Tag zurück im Normalbetrieb laut RNV-Sprecher Florian Benz "ganz gut", aber eben auch nicht ganz ohne Komplikationen: Am Vormittag hatte sich eine Verspätung in den Fahrplan eingeschlichen. "Das Fachpersonal, die neue Strecke und die Signalschaltung müssen sich noch etwas aneinander gewöhnen", erklärte RNV-Sprecher Benz. Es sei zwar nur um wenige Minuten gegangen, die im Fahrplan aber "nur schwer wieder rauszufahren" seien.
Und zumindest ein Teil der neuen Strecke zeigte sich zum Start in den Linienbetrieb ebenfalls nicht in Bestform: An einer Weiche nahe der Haltestelle Moltkestraße "ruckelte" es beim Verschieben der beweglichen Teile noch – trotz einer gerade abgeschlossenen Testwoche, bei der die neue Strecke erprobt worden war. Schuld ist der RNV zufolge ein Antriebsproblem. "Da müssen wir noch mal ran", so Benz. Angst vor einer neuerlichen Großbaustelle muss aber niemand haben. "Das geschieht im laufenden Betrieb", versicherte Benz.
Ihre Fahrgäste indes hieß die RNV nicht nur mit drei neuen, modernen und barrierefreien Straßenbahnhaltestellen an Friedhof, Moltkestraße und Kurpfalz Centrum "willkommen zurück". Für die ersten Fahrgäste gab es jeweils eine Brezel – eingepackt in eine Tüte mit der vielsagenden Aufschrift "Wir haben’s gebacken bekommen!" Ganz stimmte das Sprüchlein nicht: Denn was es zumindest an der Endhaltestelle Leimen Friedhof nicht gab, war ein Fahrkartenautomat. Dieser wird Florian Benz zufolge am heutigen Dienstag erst aufgebaut. Umsonst gab’s die Fahrt mit der Straßenbahn trotzdem nicht. Passagiere mussten den Fahrschein an einer der nächsten Stationen ziehen ...