Sinsheim

Viele wissen nicht, was ein "Metaller" überhaupt macht

Unternehmer diskutierten in der Friedrich-Hecker-Schule.

23.11.2022 UPDATE: 23.11.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 39 Sekunden
Früher Azubis in ihrem Handwerk, heute erfolgreiche Unternehmer. In der Friedrich-Hecker-Schule tauschten sich – von links nach rechts – Rektor Thomas Brunner, Thomas Nerpel, Thomas Hammer, Eugen Reimche, Werner Fischer und Knut Meißner über die Ausbildungskrise und die Chancen in der Metallbranche aus. Foto: Berthold Jürriens

Sinsheim. (bju) Das Modell der dualen Ausbildung hat international einen guten Ruf, doch im "Ländle" ist es längst kein Selbstläufer mehr. 2022 stieg die Zahl der Ausbildungsplätze im Südwesten nochmal um fast acht Prozent und somit auf 75.200 an. Doch die Bewerberzahl sank zum gleichen Zeitpunkt um 3,1 Prozent auf 47.200. Rund 43 Prozent der Betriebe können ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen. Eine alarmierende Entwicklung, die auch die Friedrich-Hecker-Schule (FHS) für den Bereich Metalltechnik erlebt. Dies war jetzt bei einer Talkrunde mit Schulleiter Thomas Brunner und den Chefs lokaler Metallbetriebe zu erfahren.

Viele Unternehmen können sich zwar kaum vor Aufträgen retten, haben jedoch nicht die personellen Ressourcen, diese abzuarbeiten. Und die jungen Menschen fehlen der Industrie heute als Azubis und in Zukunft als Facharbeiter. Die Gründe sind vielschichtig. "Das Problem, freie Ausbildungsplätze zu besetzen, ist nicht neu, aber die Corona-Krise hat die Situation verschärft", sagt Brunner, der mit Sorge die sinkenden Schülerzahlen in der Metalltechnik betrachtet. Auch der demografische Wandel wirft seine Schatten voraus, denn weniger Schulabgänger drängen auf den Ausbildungsmarkt. Dazu habe die Attraktivität der klassischen Ausbildung Einbußen erfahren. Immer mehr Schüler machen Abitur und beginnen ein Studium, und gleichzeitig gibt es veraltete Vorstellungen über den Berufsalltag einer Fachkraft in einem Lehrberuf. Dabei bestätigen die Unternehmer: Handwerk habe goldenen Boden, biete Innovationen und zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten; auch die Gründung einer eigenen Firma sei eine Perspektive.

"Schmutzige Hände", antwortet Thomas Nerpel von Nerpel Maschinen- und Apparatebau etwas plakativ auf die Frage nach einem großen Vorurteil dieses Berufszweigs. Dass indes viele dieser Ausbildungsberufe komplexe Tätigkeitsprofile und ein hoch technologisiertes Arbeitsumfeld bieten, sei vielen jungen Menschen, aber vor allem auch Eltern und Lehrern selbst, oft gar nicht bekannt.

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Auch deswegen spricht Werner Fischer von Fischer Werkzeugbau etwas provokant von "Händen wie eine Hebamme", die so mancher in Metallberufen hätte, weil Maschinen bedient werden müssen. Das "Imageproblem des Handwerks", wie es Knut Meißner von Schmitt + Meißner bezeichnet, sei aufgrund der staatlich verordneten Corona-Auflagen verstärkt worden: "Berufsberater kamen nicht mehr in die Schulen, ...

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