Zonta Club in Weinheim

179 Frauen sind 2016 durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen

Altes Rathaus in Orange machte am Montag auf häusliche Gewalt aufmerksam - Zonta-Präsidentin Gudrun Antoni erklärt die Aktion

26.11.2017 UPDATE: 27.11.2017 06:00 Uhr 2 Minuten, 5 Sekunden

Von Günther Grosch

Weinheim. Wegen des Dauerregens blieben die vom Zonta Club Weinheim vorbereiteten 179 Paar rote Schuhe am Samstag zwar in ihren Kartons verpackt. Stattdessen leuchtete aber - wie das Empire State Building und der Eiffelturm - das Alte Rathaus am Abend in Orange als Hinweis auf die von Zonta Weinheim genannte Zahl von 179 Frauen, die 2016 durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen sind.

"Wir wollen damit ein deutliches Zeichen setzen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Gewalt gegen Frauen ein globales Problem ist und zugleich vor unserer eigenen Haustür stattfindet", erklärt Zonta-Präsidentin Gudrun Antoni die weltweite Aktion "Orange the World", an der sich erstmals auch die bundesdeutschen "Zontians" beteiligten.

Das Problem sei aktueller denn je, wie der "Fall Harvey Weinstein" in den USA zeige, so Antoni. Angesichts von 160.000 Vergewaltigungen jährlich, so Zonta Weinheim, werde durchschnittlich alle drei bis vier Minuten eine Frau in Deutschland das Opfer einer solchen Gewalttat. Zonta will dagegen ein Zeichen setzen: "Wir wollen die Rechte der Frau stärken und mit den Aktionen auf die Problematik auch hier in Weinheim und in der Region aufmerksam machen."

Frau Antoni, welche Veränderungen erhoffen Sie sich durch die beiden Aktionen?

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Wir möchten mit den Menschen ins Gespräch kommen. Auf die herrschende Gewalt aufmerksam machen und die betroffenen Frauen ermutigen aufzustehen: sich zu melden, Hilfe zu suchen und Auswege aus diesen Situationen zu finden.

Was versteht man unter häuslicher Gewalt?

Das ist jede Art körperlicher oder psychischer Gewalt, die im häuslichen, also eigentlich geschützten Bereich passiert und vom eigenen Partner ausgeht.

Warum bleiben Frauen bei Männern, die ihnen wehtun?

Die meisten Frauen sind in diesen Situationen überfordert. Sie wissen oft nicht, welche Rechte sie haben. Dass sie ein Platzverbot für ihre Partner verhängen lassen können. Sie wissen nicht, wohin sie gehen können, wo sie Beratung erhalten oder sich Hilfe holen können. Sie haben Angst vor dem Alleinsein, möchten die Partnerschaft nicht aufgeben, hoffen auf Besserung und Veränderung. Wir hören auch oft, dass sie wegen der Kinder bleiben. Von der finanziellen Abhängigkeit haben wir noch gar nicht gesprochen.

Wo können sich Frauen Hilfe holen?

An vielen Stellen: Beim kostenlosen Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" (08000/116016); bei Einrichtungen wie Caritas, AWO und Diakonie. Beim Fraueninformationszentrum Mannheim (0621/379790), der Heidelberger Frauenberatungsstelle "Courage" (06221/840740), bei dem autonomen Frauenhaus in Heidelberg (06221/833088), dem Mannheimer Frauen- und Kinderschutzhaus Heckertstift (0800/1008121) sowie dem Mannheimer "Frauenhaus" (0621/744242).

Was ist wichtig, wenn man Opfer eines Übergriffs wird?

Hilfe holen, beraten lassen, Anzeige erstatten, nicht schweigen.

Wie können Frauenhäuser helfen?

Frauenhäuser bieten Frauen Schutz und Beratung für sich und ihre Kinder. Die Männer oder Partner wissen nicht, wo sie sind. Dort haben sie Zeit, über ihre Situation nachzudenken und ihre eigene Zukunft zu planen. Sie erhalten dort auch jegliche Unterstützung für einen Neuanfang.

Ist das neue Sexualstrafrecht, das meist auf "Nein heißt Nein" heruntergebrochen wird, aus ihrer Sicht ein Erfolg im Kampf gegen Gewalt an Frauen?

Auf jeden Fall. Jetzt hat der Wille der Frau einen anderen Stellenwert. Wenn sie "Nein" sagt, dann ist das jetzt auch ein "Nein". Jetzt haben die Frauen nicht mehr die Beweislast.

Auch in Flüchtlingsunterkünften werden Frauen Opfer von Gewalt. Wie können Sie diese erreichen?

Zonta steht im Dienst für alle Frauen. Weltweit, um deren soziale, wirtschaftliche und rechtliche Situation zu verbessern. Egal woher die Frauen kommen oder wo sie leben.

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