Neckargemünd

Realschule nimmt nach tragischem Vorfall an Mobbing-Pilotprojekt teil

Wen verletze ich mit meinem Handeln? Eine zweite Schulsozialarbeiterin wurde eingestellt.

11.07.2024 UPDATE: 11.07.2024 04:00 Uhr 1 Minute, 56 Sekunden
Schulleiter Ulrich Falter (2.v.l.) und weitere Engagierte stellten das Projekt „Mobbing & Du“ vor. Foto: A. Dorn

Neckargemünd. (agdo) Andere ausgrenzen, Gerüchte über diese verbreiten, sie lächerlich machen, peinliche Fotos oder Videos in sozialen Medien veröffentlichen, Beleidigungen im Klassenchat – all das lässt sich unter dem Begriff Mobbing zusammenfassen. Die Realschule Neckargemünd nimmt mit Beginn des neuen Schuljahrs 2024/25 am Pilotprojekt für das Präventionsprogramms "Mobbing & Du – schau hin und nicht zu" teil.

Das Projekt wurde von der Universitätsklinik Heidelberg und der Baden-Württemberg Stiftung ins Leben gerufen. Vorerst 40 Schulen in ganz Baden-Württemberg sind an dem Projekt beteiligt.

Auslöser für die Teilnahme der Realschule Neckargemünd am Präventionsprogramm sei der Suizid eines Schülers nach Mobbingvorfällen gewesen, berichtete Schulleiter Ulrich Falter. Nach dem tragischen Vorfall hatte sich die Schule an Tanja Kramper, Geschäftsführerin des Vereins Kommunale Kriminalprävention, gewandt. Über sie kam der Kontakt zur Universitätsklinik Heidelberg und zur Arbeitsgruppe Mobbingprävention zustande.

Eigentlich waren nur 40 Schulen für jenes Pilotprojekt vorgesehen, erzählte Psychologinnen Vanessa Jantzer von der Arbeitsgruppe Mobbingprävention der Universitätsklinik Heidelberg. Aufgrund des Vorfalls hatte man die Realschule aber noch mit aufgenommen, eigentlich war das Pilotprojekt schon voll. Somit waren 41 Schulen mit im Boot, mittlerweile hat eine Schule jedoch abgesagt.

In jenem Präventionsprogramm "Mobbing & Du – schau hin nicht zu" werden Lehrkräfte unter anderem mit Rollenspielen geschult, wie man etwa Mobbing erkennt und beendet sowie zukünftiges Mobbing verhindert. Außerdem wird nahegebracht, was Ursachen und Folgen von Mobbing sind. Unterschieden wird auch direktes Mobbing durch Worte und Taten oder indirektes Mobbing durch Ausgrenzen oder Lügen verbreiten.

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Aufgegriffen wird zudem, wie "harmloser" Spaß sich von Konflikten oder Mobbing unterscheidet. Die Lehrer bekommen zudem einen kleinen Block, auf dem Vorfälle etwa in der Pause unter anderem mit Beschreibung des Mobbing-Vorfalls, Betroffenen und Täter notiert werden. Derzeit hat ein Kernteam aus vier Lehrern sowie Schulleiter Ulrich Falter und dem stellvertretenden Schulleiter Matthias Vogt Schulungen bekommen. In den kommenden Wochen werden alle Lehrer miteingebunden.

Gleiches gilt ab dem kommenden Schuljahr auch für die Schüler: Die Schule hat eine Klassenratstunde, in der Belange der Klasse besprochen werden und in der nun auch das Thema Mobbing zukünftig aufgegriffen werden soll. Mit ins Boot sollen auch die Eltern genommen werden, das Präventionsprogramm soll langfristig an der Schule stattfinden. Die Schule hat derzeit 550 Schüler und 45 Lehrer.

In der März-Sitzung des Neckargemünder Gemeinderats hatte Schulleiter Ulrich Falter Bürgermeister Frank Volk das Anliegen geschildert, wie wichtig es sei, eine weitere Schulsozialarbeiterin an die Schule zu bekommen.

Frank Volk sei dem sehr aufgeschlossen gewesen, erzählte Ulrich Falter. Seit Juli, also knapp drei Monate später, hat die Schule nun eine weitere Schulsozialarbeiterin und somit jetzt zwei.

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation von 2020 sind im Bereich des Schulmobbings etwa zehn Prozent jeder Klasse betroffen. Das bedeutet zwei bis drei Schüler pro Klasse. Die Täter machen fünf Prozent aus, in jeder Klasse sind es ein bis zwei Schüler.

Die Baden-Württemberg Stiftung und das Universitätsklinikum Heidelberg sind der Ansicht, dass Mobbing im Verantwortungsbereich der Schulen liegt. Jeder Einzelne könne etwas gegen Mobbing tun, indem man hinschaue und nicht nur zuschaue.

Hintergrund

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800/1110111 und 0800/1110222 sowie 116123. Auch eine Beratung über

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Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800/1110111 und 0800/1110222 sowie 116123. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.

Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen/

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