Gedenken an Gefallene

Ernste Töne bei Weinheimtagung auf der Wachenburg (Update)

Wenn die Freiheit Opfer fordert: Rede zum Gedenken gefallener Corpsbrüder thematisierte die Bereitschaft, sich Unterdrückern zu erwehren.

11.05.2024 UPDATE: 12.05.2024 19:51 Uhr 2 Minuten

Weinheim. (keke) 25 Weinheimer Corpsstudenten starben im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Etwa 800 Corpsbrüder verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Mehr als 1700 fielen im Zweiten Weltkrieg. "Bei jedem der mehr als 2500 Gefallenen handelte es sich um einen hoffnungsvollen jungen Menschen, der durch den Tod um seine Zukunft gebracht wurde": Volker Persch vom Corps Bavaria Stuttgart und Patrick Largent als Erster Vorortsprecher nannten am Samstag vor der Ehrenhalle der Wachenburg die Bewahrung des Andenkens an die Angehörigen des Weinheimer Senioren Convents (WSC) als einen der wichtigsten Gründe, warum sich in der Stadt alljährlich bis zu 3000 Corpsangehörige zur "Weinheimtagung" versammeln. Nur wer wisse, was vorher war, könne den Weg in die Zukunft gehen, so Largent.

Auf den Inhalt der Inschrift der 1910 enthüllten Gedenktafel, die den Grundstein der Ehrenhalle bildet, baute Persch seine Gedenkrede auf. "Schön und ehrenvoll ist es, für das Vaterland mutvoll zu sterben" wird darauf der über 2000 Jahre alte Satz des römischen Dichters Horaz zitiert. "Kritische Kinder einer aufgeklärten Zeit" fragten sich, ob dieser Anspruch heute noch gilt. Bei aller gebotenen Ehrfurcht vor Soldaten, die im Krieg getötet wurden, müsse es erlaubt sein, die Frage zu stellen: "Wollen, ja sollen wir für das Vaterland sterben?".

Der Appell zum Opfergang für die Heimat sei jahrhundertelang missbraucht worden. Man tue gut daran, ihn misstrauisch zu hinterfragen, führte Persch aus. Herrscher hätten schon immer Menschen in Kriege geschickt, die sie nicht fürs Vaterland führten, sondern aus Gier, Geltungssucht oder Leichtsinn. Napoleon, Hitler und Putin seien nur drei Beispiele für eine derart menschenverachtende Politik.

Jeder verantwortungsvoll handelnde Mensch sollte indes Ziele haben, die über sein eigenes Wohl und materielle Vorteile hinausgehen. Was nicht mehr, aber auch nicht weniger heiße, als selbstbestimmt zu denken, zu reden und zu handeln: frei von Unterdrückung durch Herrschende aus dem eigenen oder einem fremden Land. "Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit. Und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut", zitierte Persch den griechischen Philosophen Perikles. Freiheit und Gerechtigkeit: Nicht zufällig preise die deutsche Nationalhymne diese Ideale. Wie weit aber sei die Gesellschaft bereit, dafür zu gehen? Es sei leicht, von anderen Taten zu fordern, die man selbst nicht habe vollbringen müssen. Er habe zeitlebens in Frieden und Freiheit leben können. Es wäre wohlfeil, wenn er als "Alter Herr" die Jugend dazu aufrufen würde, sich für die Freiheit totschießen zu lassen, so Persch. Auf der anderen Seite müsse aber auch klar sein: Die Alternative zur Freiheit laute, sich Gewalt und Willkür zu beugen: "Demütigung, Folter, Giftanschläge auf Kritiker, Massaker an Zivilisten bis hin zum Massenmord."

Die Ukrainer hätten 2022 beim russischen Überfall vor der Alternative Willkür und Lüge oder Recht und Freiheit gestanden. "Sie haben sich für die Freiheit entschieden." Trotz aller Opfer. "Und wenn wir unsere Freiheit schätzen, werden wir die gleiche Wahl treffen müssen", sagte Persch. Dies bedeute, Deutschland auf den Verteidigungsfall vorzubereiten, die Bundeswehr angemessen zu bewaffnen und die Bereitschaft zu kommunizieren, die Waffen gegen eine Bedrohung unserer Freiheit einzusetzen. "Je glaubhafter wir unsere Bereitschaft zum Kampf für unsere Freiheit ausstrahlen, desto geringer wird das Risiko, die Waffen einsetzen oder für unsere Freiheit sterben zu müssen."

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