Eberbach

Arboretum lockt im Frühling mit fremdländischen Pflanzen

Vom Kaukasus bis nach Japan: Der Park wurde vor nunmehr 30 Jahren angelegt.

04.04.2024 UPDATE: 04.04.2024 04:00 Uhr 2 Minuten, 40 Sekunden
Am Ende der Pestalozzistraße eröffnet sich das jetzt 30 Jahre alte Eberbacher Arboretum. Foto: Rainer Hofmeyer

Von Rainer Hofmeyer

Eberbach. Wenn das Wetter jetzt besser wird, der Frühling im Neckartal einzieht, dann könnte genau das eintreten, was der damalige Bürgermeister Horst Schlesinger vor nunmehr 30 Jahren gewollt hat: Das Eberbacher Arboretum am Kreuzberg in der Steige zieht Touristen an, lockt sie als Konsumenten in die Stadt.

"Attraktiver werden für den Fremdenverkehr", war Schlesingers Devise. Das sagt er heute noch. Der Anziehungspunkt sollte ein Park sein, auf dem "fremdländische" Gehölze angepflanzt werden, als gehegte und gepflegte Fläche. Den Eberbacher Bannwald in der Ausprägung eines heimischen Urwalds hatte sich Schlesinger als die andere Attraktion vorgestellt, die man sich selbst überlassen wollte.

Im Gegensatz von so mancher Eberbacher Errungenschaft von früher ist das Arboretum immer noch in bestem Zustand. Dort findet man in 17 Teilflächen geografische Bereiche, die von Pflanzen aus allen Teilen der USA, aus Kanada, Südamerika, Nordafrika und Nordeuropa besetzt sind. Der Kaukasus, West-Himalaya, die Mandschurei, Korea und Japan sind ebenfalls vertreten. Der Begriff "Arboretum" leitet sich aus dem Lateinischen "arbor für "Baum" ab.

Tafeln des Naturparks erklären die Pflanzen. Foto: Rainer Hofmeyer

Das Eberbacher Arboretum ist teilweise auf Erdaushub und Bauschutt angelegt worden. Die Fläche hatte man zunächst mit Erde überdeckt und als Wildwiese genutzt. Wie so oft, stand zuerst einmal der Ohrsberg im Blickpunkt des touristischen Angebotes, das sich Schlesinger ausgedacht hatte.

Doch dort wäre der Standort für viele Gehölze eines Arboretums ungeeignet gewesen. Ein Nebeneffekt: Das Arboretums am Ende der Pestalozzistraße nahe der Realschule sollte auch dem naturkundlichen Unterricht dienen.

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Schlesinger ließ Forstrevierleiter Hubert Richter von Anfang an "freie Hand". "Ohne Richter wäre es nicht gelaufen", lobt er heute. Der Eberbacher Bürgermeister war seinerzeit kraft Amtes auch Vorsitzender des Naturparks Bergstraße-Odenwald. Er sorgte in dieser Funktion dafür, dass das Arboretum mit großen Infotafeln ausgestattet wurde. Die hat man im Laufe der Jahre erneuert und auf den heutigen Stand der Belegung der Anlage gebracht.

An einigen Tafeln gibt es QR-Codes, die über Smartphones weitere Informationen erschließen. Am 13. Oktober 1994 wurde das Arboretum offiziell eingeweiht. Der Gemeinderat hatte bereits im Frühjahr 1989 seine Zustimmung erteilt. Die Finanzierung erfolgte durch die Stadt und mit Förderung des Naturparks sowie der "Gesellschaft deutsches Arboretum".

Im Gelände wurde ein Fahrweg angelegt, 1992 ein Fußwegenetz eingerichtet. Ursprünglich hatte man das Arboretum noch zum Schutz vor Wild eingezäunt. Der Zaun fiel 2017 wieder.

So manches im Arboretum verdankt man ehrenamtlichem Einsatz und großzügigen Spenden. Das THW verlegte im Jahr 2000 einen massiven Steintisch aus dem Karlstal ins Arboretum - heute Mittelpunkt eines beliebten Rastplatzes. Ein einheimisches Ehepaar stiftete ein Steinkreuz, das 2003 vom Eberbacher Bildhauer Gerald Hildenbrand gefertigt worden ist.

Bürgermeister Schlesinger bekam auch sein Andenken im Arboretum. 1996 pflanzte er dort einen Ginkgobaum, der ihm zu seinem Abschied 1996 aus dem Amt namentlich gewidmet wurde.

Im Gegensatz zu vielen Arboreten ist das Eberbacher klein und übersichtlich. Mit vier Hektar beträgt es allenfalls ein Tausendstel des riesigen Stadtwaldes. Das Kleinteilige hat jedoch auch seinen Vorteil. Der Besucher hat nach seinem ausgiebigen Aufenthalt am Ende wirklich das Gefühl, alles gesehen zu haben. Neben den "Fremden" sollte das Eberbacher Arboretum stets auch den Einheimischen gefallen.

Info: Hubert Richter: Das Arboretum am Kreuzberg, Eberbacher Geschichtsblatt 2023



Waldkindergarten am Arboretum eröffnet im Mai

Der neue Waldkindergarten im Arboretum soll ab Mai eröffnet werden. Dies teilte Stefan Lenz, geschäftsführender Vorsitzender des Postillion e.V., der unter anderem die Waldkindergärten in Eberbach und einen weiteren in Hirschhorn betreibt, mit. Der erste Waldkindergarten Eberbachs auf dem Gelände des ehemaligen Vogelparks sei ausgebucht.

Wegen des weiteren Bedarfs wird am Itterberg auf dem Gelände des Arboretums im Norden des Stadtwaldgebiets am Ende der Pestalozzistraße eine zweite Waldkindergartengruppe aufgebaut. "In dem attraktiven Gelände können sich die Kinder viel bewegen", sagt Lenz. Als "Unterkunft" gibt es dort einen geräumigen Bauwagen, "in den sie sich auch zurückziehen können".

Der Kindergarten ist von Montag bis Freitag in der Zeit von 7.30 bis 13.30 Uhr geöffnet. Er soll Platz für 20 Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt anbieten. Der Gemeinderat hatte den Aufbau des neuen Kindergartens bereits im Jahr 2022 beschlossen.

Ort des Geschehens

Doch "die baurechtliche Genehmigung zog sich sehr lange hin, sodass der Kindergarten jetzt tatsächlich erst ab Mai 2024 den Betrieb aufnehmen kann", so Lenz. Eltern, die an einem Platz dort für ihr Kind interessiert sind, finden weitere Informationen unter www.postillion.org 

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