Heidelberg

Was passiert mit dem Normannenhaus?

SPD fordert Burschenschaft auf, das Gebäude der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen - Aber so einfach ist das nicht

09.10.2020 UPDATE: 14.10.2020 21:22 Uhr 11 Minuten, 38 Sekunden
Inzwischen sind weitere Fotos aus dem Normannenhaus aufgetaucht. Foto: privat

Von Sarah Hinney

Heidelberg. Die Ereignisse rund um die Burschenschaft Normannia beschäftigen auch die örtliche Politik. So hat die SPD Heidelberg bei ihrer jüngsten Jahreshauptversammlung einstimmig einen Initiativantrag beschlossen, der sich direkt an die Burschenschaft richtet. Sie fordert darin die Verantwortlichen der Normannia auf, die Aktivitäten im Haus einzustellen und das Gebäude der Heidelberger Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

Inzwischen sind weitere Fotos aus dem Normannenhaus aufgetaucht. Foto: privat

So heißt es: "Aus dem Gebäude nahe des Schlosses soll ein öffentlicher Ort der Toleranz entstehen, der unsere offene Gesellschaft repräsentiert und das soziale Miteinander fördert." Eingebracht wurde der Antrag von dem Stadtrat und Kreisvorsitzenden Sören Michelsburg. Er sagt: "Rechtsradikale Burschenschaften passen nicht in das weltoffene Bild unserer Stadt. In Heidelberg gibt es viele wichtige und sozial notwendige Projekte, denen schlicht der Platz fehlt." Auch Landtagskandidat Daniel Al-Kayal unterstützt den Antrag und würde ein Tätigwerden der Verantwortlichen begrüßen. Die Heidelberger Sozialdemokraten sind sich einig: Ein "Haus der Intoleranz und Ausgrenzung" könne zu einem Ort der Toleranz werden, wenn Verantwortung von den Betroffenen übernommen werde.

Aber so einfach ist das nicht. Einerseits spricht im Moment wenig dafür, dass diese Verantwortung übernommen wird. Denn: Wie die RNZ berichtete, waren den Alten Herren rechtsradikale, antisemitische und rassistische Vorfälle im Haus über Jahre nicht nur bekannt, sie wurden gezielt unter dem Deckel gehalten. Überdies wurden immer wieder Rechtsradikale ins Haus eingeladen. Sowohl der letzte als auch der aktuelle Vorsitzende des Altherrenvereins haben diese Tatsachen bestritten.

Andererseits gehört das Normannenhaus am Kurzen Buckel dem eingetragenen Verein "Studentenwohnheim Stückgarten". In dessen Satzung, die der RNZ vorliegt, heißt es: "Der Verein dient ausschließlich der Studentenhilfe. Er unterstützt das Studium und die Erziehungsarbeit an Studenten der Universität Heidelberg durch Bereitstellung und Unterhaltung eines Studentenwohnheims oder Aufenthaltsheimes". Hier stellt sich freilich die Frage, ob mit der Auflösung der Normannia-Aktivitas der Zweck des Vereins noch erfüllt ist – denn wo keine Studenten sind, braucht es auch keine Studentenhilfe.

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