"March for Science" in Heidelberg

1800 Menschen demonstrierten für eine freie Wissenschaft (plus Fotogalerie)

Die Demonstration, die am Samstag auch in 600 anderen Städten weltweit stattfand, zog vor allem Wissenschaftler und Studenten, aber auch einige Nicht-Akademiker an.

23.04.2017 UPDATE: 23.04.2017 15:12 Uhr 1 Minute, 15 Sekunden
Rund 1800 Menschen nahmen in Heidelberg am "March for Science" teil. Auf dem Uniplatz hielten 13 Redner leidenschaftliche Plädoyers für die Freiheit der Wissenschaft und Forschung. Foto: Philipp Rothe

Von Sebastian Riemer

Heidelberg. Rund 1800 Menschen gingen am Samstag in Heidelberg für eine freie und offene Wissenschaft auf die Straße. Der "March for Science", der am gleichen Tag auch in über 600 anderen Städten auf der ganzen Welt stattfand, zog vor allem Wissenschaftler und Studenten, aber auch einige Nicht-Akademiker an. Auch aus Mannheim, Karlsruhe oder Mainz reisten viele Teilnehmer an.

Mit teilweise humorvollen Transparenten ("Alternative facts are √-1") und Sprechchören ("Fakten sind sexy") ging es nach dem Auftakt am Friedrich-Ebert-Platz zur zentralen Kundgebung auf dem Universitätsplatz. Dort skandierten Hunderte zur Musik der Band "Balsamico" zum abgewandelten Queen-Song den Slogan "Science will rock you".

Insgesamt 13 Redner hielten in kurzen Beiträgen leidenschaftliche Plädoyers für die Freiheit der Wissenschaft und Forschung. "Wissenschaft ist wichtig, um starke Persönlichkeiten hervorzubringen – sie ist konstitutiv für die liberale Demokratie und Lebenselixier für eine offene Gesellschaft", sagte etwa Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Insbesondere die Wissenschaftler gaben sich in ihren Reden durchaus selbstkritisch und schrieben der akademischen Welt eine Mitverantwortung dafür zu, dass wissenschaftliche Ergebnisse immer häufiger ignoriert würden. "Wenn Wissenschaftler in Diskursen signalisieren, sie seien die allein Wissenden, setzt das andere automatisch ins Unrecht", sagte etwa Beatrice Lugger vom Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation. Sie plädierte für einen Dialog mit der Gesellschaft auf Augenhöhe – und mehr Emotion bei der Wissenschaftsvermittlung.

Nach rund drei Stunden ging die Demo zu Ende – und die Veranstalter, eine Gruppe von 20 Studenten, Wissenschaftlern und Nicht-Akademikern, zogen ein rundum positives Fazit. "Das war ein großartiger Tag, aber das war erst der Anfang", sagte Jörg Langowski, Biophysiker am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. "Wir werden weiter kämpfen für eine offene Wissenschaft."

In Freiburg gingen nach Angaben der Polizei rund 2500 Menschen auf die Straße. Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie "Für Fakten gibt es keine Alternative". In Tübingen sollen mindestens 1500 Teilnehmer demonstriert haben. In der Landeshauptstadt fiel der Marsch kleiner aus: In Stuttgart waren es nach Angaben der Organisatoren 400 Teilnehmer - die Polizei sprach hier von 250 Demonstranten.

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