Mali

Wenn Kinder zu Goldgräbern werden

Dürre und Gewalt treiben immer mehr Menschen in Mali in die Not. In Nana-Kéniéba wird dennoch mit Vertriebenen geteilt und gemeinsam auf den großen Fund gehofft.

03.08.2022 UPDATE: 03.08.2022 06:00 Uhr 2 Minuten, 44 Sekunden
Hoffen auf Gold: Kinder sitzen in Nana-Kéniéba um einen Erdschacht. Foto: Rühl / epd

Von Bettina Rühl

Bamako. Aus der Tiefe der Erde kommt dumpfes Rumpeln, manchmal schlägt Metall auf Gestein. Dann ein Ruf, und Nouhou Arama zieht kräftig an einem schwarzen Seil. Nach einigen Minuten kommt ein aufgeschnittener Kanister nach oben, der mit Gesteinsbrocken gefüllt ist. Arama leert den Kanister und lässt ihn wieder nach unten. Wenig später geht dort das Rumpeln weiter.

Arama gibt sein Alter mit 18 Jahren an, er sieht aber deutlich jünger aus. Er ist verantwortlich für ein tiefes Erdloch, von dem er, seine Freunde und die Bewohner des Dorfes Nana-Kéniéba im Süden Malis hoffen, dass es Gold enthält. Nicht nur die Kinder suchen hier ihr Glück, sondern auch Männer und Frauen. "Unser Marabou hat uns vorausgesagt, dass wir hier Gold finden", erklärt Amadou Keïta, einer der Söhne des Dorfchefs. Den Marabou, einen islamischen Heiligen, hatten die Dorfbewohner konsultiert, weil sie sich in ihrer Not nicht mehr anders zu helfen wussten. Keïta hat die Oberaufsicht über das Grabungsprojekt, an dem sich die gesamte Bevölkerung beteiligt.

In Mali gibt es viele Gründe für die zunehmende Armut. Der westafrikanische Sahelstaat befindet sich seit 2012 in einer schweren politischen und Sicherheitskrise. Nach drei Militärputschen regiert in der Hauptstadt Bamako nun eine militärische Übergangsregierung unter Oberst Assimi Goïta. Von der Bevölkerung bekommt sie bisher viel Zustimmung, während die letzte zivile Regierung wegen der grassierenden Korruption den Zorn der Menschen auf sich zog. Vor allem bei der wichtigsten staatlichen Aufgaben hatte sie komplett versagt: das Leben der Bürgerinnen und Bürger zu schützen.

Mehrere radikal-islamische Gruppen kämpfen in Mali gegen die Regierung, gegeneinander und gegen die Bevölkerung. Sie gehören teils zum "Islamischen Staat", teils zum Terrornetzwerk Al-Kaida. Hinzu kommen brutale ethnische Konflikte und Angriffe anderer bewaffneter Gruppen. Internationale Organisationen wie Human Rights Watch werfen der malischen Armee und ihren russischen Verbündeten ebenfalls schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

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Tausende Menschen wurden in den vergangenen Jahren Opfer der Gewalt, Hunderttausende sind aus ihren Dörfern geflohen und nun auf Hilfe angewiesen. Hinzu kommt eine schwere Dürre in der Region. Und auch in Mali sind die Preise für viele Produkte gestiegen.

Arama hat keinen Zweifel daran, dass in den Gesteinsbrocken Gold ist, was tatsächlich nicht ganz unwahrscheinlich ist. "Es ist nur etwas schwer zu finden", sagt der zarte, ernst blickende Junge, der der regionalen Mode folgend ...